22. Februar 2019 - 11:09 Uhr

Er soll seine Tante aus Habgier getötet haben

Zu Unrecht verurteilt, zu Unrecht hinter Gittern. Eine grausame Vorstellung, die womöglich auf den Münchner Benedikt Toth zutreffen könnte. Im Mai 2006 soll er seine millionenschwere Tante ermordet haben. Dafür verurteilte ihn ein Richter zu lebenlanger Haft. Seit 13 Jahren sitzt Toth in einem Gefängnis in Straubing. Doch wie ein von der Familie beauftragter Privatermittler jetzt herausfand, könnte er tatsächlich unschuldig sein.

Ein Hammerschlag auf den Kopf

Axel Petermann
Der bekannte Profiler Axel Petermann.
© deutsche presse agentur

Charlotte Böhringer ist Ende 50, eine Dame, die Millionen auf dem Konto hat und zur Münchner Schickeria gehört. Als Witwe hat sie die Firma ihres verstorbenen Gatten geerbt. Das brachte ihr den großen Reichtum ein. Freunde beschrieben sie als eine Frau, die das Geld und das Leben liebte, angeblich sei sie aber auch cholerisch gewesen.

Irgendwann fand man sie dann tot vor ihrer Wohnung - ermordet mit mehreren Schlägen mit einem hammerähnlichen Gegenstand auf den Kopf. Für die Ermittler war schnell klar: Der Täter kann nur ihr Neffe Benedikt sein.

Familie engagiert Profiler Axel Petermann

Kurz darauf wurde er verhaftet, später zu lebenslanger Haft verurteilt - es gab keine Sachbeweise gegen ihn, Indizien reichten den Richtern.

Der Schuldspruch sei ein krasses Fehlurteil, sagten seine Familie und Freunde. Mehrere Indizien seien nicht haltbar. Das beginne schon beim Motiv: Benedikt, so das Urteil, tötete seine Tante aus Habgier. Er soll gefürchtet haben, enterbt zu werden, weil er sein Jurastudium abgebrochen hatte. Das sei für Charlotte Böhringer aber Voraussetzung gewesen, ihm ihre Firma zu vermachen. Er habe ihr den Studienabbruch verschwiegen, waren die Richter überzeugt - doch offenbar wusste die Millionärin längst Bescheid, so Benedikts Bruder. Dazu machte auch ihr Steuerberater vor Gericht eine entlastende Aussage.

Die Familie ist fest von Benedikt Toths Unschuld überzeugt. Sie engagierte Profiler Axel Petermann. RTL begleitete ihn die letzten zwei Jahre bei seinen Ermittlungen in dem Fall.

Keine Zeugen, keine eindeutigen Indizien

Auch als wir Benedikt im Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses treffen, beteuert er seine Unschuld. War er einfach zur falschen Zeit am falschen Ort? Zum Tatzeitpunkt soll er mit dem Fahrrad zu seiner Tante und wieder zurück nach Hause gefahren sein. Hätte er da nicht blutverschmiert sein müssen? Doch dafür fand die Polizei keine Zeugen.

Letztendlich sperrte man ihn weg, weil Handschuhabdrücke am Tatort gefunden worden waren, die ein Sachverständiger Benedikts Handschuhen zugeordnet hatte. Doch genau hier setzte der Profiler an. Seine Annahme: Bei den Spuren handelt es sich nicht um Handschuhabdrücke, sondern sie haben einen anderen Ursprung. Das machte Petermann an Gewebespuren und blutigen Verwischungen fest.

Beweisaufnahme des Profilers

An dieser Stelle hatte Profiler Petermann Glück, denn das 450 Quadratmeter große Penthouse der ermordeten Millionärin wurde seit ihrem Tod nicht wieder vermietet. So konnte er die Tatsituation rekonstruieren. Die Spuren wurden von verschiedenen Sachverständigen mit modernen Methoden untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass es keine Handschuhspuren waren. Wie Axel Petermann die Tat vorging, sehen Sie im Video oben.

Für gewöhnlich werden Prozesse nach dem Urteilsspruch nicht erneut aufgerollt. Doch wegen der Indizien, die der Profiler in der Hand hat, hat Benedikt vielleicht doch eine Chance darauf, dass neue Ermittlungen angestellt werden. Zumindest haben RTL-Recherchen schon jetzt ergeben, dass einige der Indizien nicht für eine Verurteilung wegen Mordes reichen.