Entspannt sich die Lage an der EU-Außengrenze?

Belarus will Migranten in Heimatländer fliegen

15. November 2021 - 13:12 Uhr

Rund 2.000 Migranten an polnischer Außengrenze

Rund 2.000 Migranten aus dem Nahen Osten stehen an der EU-Außengrenze in Belarus polnischen Sicherheitskräften gegenüber, wollen in die Europäische Union einreisen. Von Tag zu Tag werden es mehr.

Während einige Länder aber die Flüge nach Minsk, der weißrussischen Hauptstadt, gestrichen haben, reisen andere Geflüchtete mit dem Zug nach Moskau – und zwar völlig unbehelligt, wie unser Reporter selbst miterlebt hat. Gleichzeitig kündigt Belarus Machthaber Lukaschenko jetzt an, die Migranten in ihre Heimatländer zu fliegen.

Wie zerfahren die Situation an der EU-Außengrenze ist, sehen Sie in unserem Video.

Geflüchtete reisen mit Zug an

RTL-Reporter Peter Leontjew entdeckte auf seiner Fahrt von Moskau nach Minsk am Samstag Erstaunliches. Zu diesem Zeitpunkt gehen eigentlich alle davon aus, dass die Migranten vor allem mit dem Flugzeug anreisen. Unter anderem aus Istanbul und Beirut. Aber: Die Türkei lässt seit Freitag nach internationalem Druck Staatsbürger mehrerer arabischer Länder nicht mehr nach Belarus fliegen. Trotzdem kommen immer noch Dutzende ins Minsk an.

"Ich habe mit Erstaunen festgestellt, dass sich auch in meinem Zug Flüchtlinge befunden haben, die nicht einmal kontrolliert worden sind von den russischen Grenzern. Das heißt für die verzweifelten Flüchtlinge ist auch der Landweg über Moskau zur polnischen Grenze möglich", beschreibt RTL-Reporter Peter Leontjew. Der EU-Außenbeauftragte Joseph Borrell sagt heute, dass der Zustrom nach Belarus unter Kontrolle sei.

 Belarus Poland Border Refugees 6695843 15.11.2021 Refugee children are seen at a migrant camp on the Belarusian-Polish border in Grodno region, Belarus. Migrants from the Middle East and North Africa trapped in Belarus have converged on the border w
Die Situation in Belarus bleibt angespannt. Diktator Lukaschenko hat jetzt angekündigt, die Geflüchteten wieder zurück in ihre Heimatländer fliegen zu wollen.
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Belarus will Flüchtlinge jetzt ausfliegen

Das Problem sei erledigt, so Borrell am Rande eines Treffens der EU-Außenminister in Brüssel. Auch, weil die Europäische Union den Fluggesellschaften zuletzt harte Sanktionen angedroht hatten. Derweil kündigt Außenminister Heiko Maas an, dass die EU die Sanktionen gegen Belarus und ihren Diktator Lukaschenko weiter verschärfen werden. Die Maßnahmen sollten Personen treffen, die an der Schleusung von Migranten in Richtung EU-Außengrenzen beteiligt sind. Zudem werde man über harte Wirtschaftssanktionen reden müssen. An den EU-Grenzen bleibt die Lage weiter angespannt.

Tausende Menschen wollen illegal in die EU einreisen, derzeit gibt es für sie aber kein Vorbeikommen am NATO-Grenzzaun und den polnischen Streitkräften. Lukaschenko hat jetzt angekündigt, dass Belarus die Migranten in ihre Heimatländer fliegen will. "Es wird aktiv daran gearbeitet, die Menschen davon zu überzeugen: Bitte kehrt wieder nach Hause zurück", sagte er nach Angaben der Staatsagentur Belta in der Hauptstadt Minsk. Aber: "Niemand will zurückkehren. Die Leute sind sehr stur." Belarus sei bereit, die Menschen auch mit der eigenen Fluggesellschaft Belavia nach Hause zu fliegen. Auch der Irak hat angekündigt, irakische Flüchtlinge mit einem Sonderflugzeug nach Hause zu fliegen. (xst)