Anordnung der Gesundheitsämter

Bei Corona-Verdacht: Kinder sollen allein isoliert werden

Symbolfoto: Ein Kleinkind und eine Frau spielen auf dem Fussboden mit einer Holzeisenbahn. Berlin, 25.03.2020. Um die A
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08. August 2020 - 9:38 Uhr

Wie soll das denn gehen?

Laut mehreren Gesundheitsämtern sollen kleine Kinder bei einem Corona-Verdacht getrennt von ihren Familien isoliert werden. Eltern fragen sich, wie das funktionieren soll.

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Kind kann auch in geschlossener Einrichtung untergebracht werden

Gesundheitsämter in mehreren Bundesländern fordern Eltern in der Coronakrise dazu auf, ihre Kinder in häuslicher Quarantäne getrennt von der Familie in einem Raum zu isolieren, wenn ein Corona-Verdacht besteht. Nach Informationen von nw.de, der Online-Ausgabe der in Bielefeld erscheinenden Tageszeitung "Neue Westfälische", haben die Gesundheitsämter der Kreise Offenbach und Karlsruhe in einer Anordnung gefordert, es solle keine gemeinsamen Mahlzeiten geben.

Zudem drohten sie Eltern, dass bei Zuwiderhandlung das Kind in einer geschlossenen Einrichtung für die Dauer der Quarantäne untergebracht werde. Bei den Empfängern der Anordnungen handelt es sich um Eltern von Kindern zwischen drei und elf Jahren.

Der Psychologe Dr. Dirk Baumeier wanrt vor der Isolation von Kindern von der eigenen Familie – seine Argumentation erklärt er hier.

Stellungnahme des Gesundheitsamts Offenbach

In einer Stellungnahme des Gesundheitsamtes Offenbach heißt es: "Für die Arbeit des Gesundheitsamtes ist in diesem Zusammenhang das Infektionsschutzgesetz maßgebend. Es enthält als Kernaufgabe, die Ausbreitung ansteckender Krankheiten zu verhindern." Der Schutz aller sei in Eben eins der Umsetzung besonders wichtig.

Bei der Umsetzung müsse man dann aber in individuellen Gesprächen eine Möglichkeit finden, diese Maßnahmen auch umzusetzen. "Sie ist auf der zweiten Ebene allerdings mit der Lebenswirklichkeit der Betroffenen in Einklang zu bringen." Dazu zähle die Wohnsituation, aber auch die alters- und entwicklungsgerechte Betrachtung von Kindern.

Konkret hieße das: "Natürlich dürfen und sollen sich die Eltern weiter vollumfänglich und altersgerecht um das Kind kümmern. Wie bereits beschrieben, geht es darum, wo möglich und vertretbar, Alternativen im täglichen Umgang miteinander zu finden. Gemeint sind zum Beispiel übermäßige Kontakte zu den Geschwistern – wenn umsetzbar – zu vermeiden."

"Formulierung höchst unglücklich"

Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia, findet die Forderung unsinnig. "Man kann und soll auf keinen Fall Kinder von ihren Eltern trennen. Eine Familie ist eh ein Infektionsverband, ob da eine Trennung Sinn macht, wage ich zu bezweifeln." Seiner Ansicht nach wäre eine Trennung ein absolutes Trauma für die Kinder und alle Beteiligten. "Ich finde die Formulierung der Gesundheitsämter höchst unglücklich. Das war bestimmt als Schuss vor den Bug gemeint für die Eltern, die überhaupt nicht mitgespielt haben. Aber das lässt sich so auf keinen Fall umsetzen."

Video: Kinder leiden besonders unter Corona