Verbraucherschützer warnen: Einschätzungen oft nicht repräsentativ!

So erkennen Sie vertrauenswürdige Kundenbewertungen

Kundenbewertungen können Sie nicht immer voll vertrauen.
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15. Januar 2020 - 7:41 Uhr

Online-Bewertungen liefern oft nur ein Zerrbild

Durchforsten Sie diverse Bewertungsportale, bevor Sie sich ein neues Produkt zulegen? Sich mithilfe der Meinung anderer vor dem Kauf über die Qualität der Ware zu informieren kann sinnvoll sein - ist es aber leider nicht immer. Online-Bewertungen dienen zwar vielen als Orientierungshilfe, sie liefern oft aber nur ein Zerrbild. Am Dienstag hat der Bundesgerichthof entschieden, dass es kein Recht auf repräsentative Bewertungen gibt. Demzufolge sei es fraglich, ob entsprechende Portale ein realitätsnahes Bild abgeben, gibt Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern zu bedenken.

Wir haben einige Tipps für Sie, wie Sie vertrauenswürdige Bewertungen erkennen.

Kaum Übereinstimmungen bei Stiftung Warentest und Amazon-Kunden

Wissenschaftler der Technischen Universität Dortmund haben herausgefunden, dass Kundenbewertungen beispielsweise die Qualität von Elektronikprodukten nicht gut widerspiegeln. Das Fazit von Studienautor Sören Köcher: "Man sollte sich eher nicht auf die durchschnittlichen Bewertungen als Qualitätsindikator verlassen." Bei den etwa 1300 verglichenen Elektroprodukten fanden sich kaum Übereinstimmungen zwischen professionellen Urteilen der Stiftung Warentest und Bewertungen von Amazon-Kunden.

So erkennen Sie vertrauenswürdige Rezensionen

  • Die Sprache: Formulierungen, die wie Werbung klingen, sehr lange oder ausführliche Rezensionen, aber auch sehr kurze und begeisterte Bewertungen können Fälschungen sein.
  • Der Name: Hat dieser Rezensent weitere Bewertungen verfasst? Auffällig kann sein, wenn er sie für sehr unterschiedliche Produkte, etwa Nähgarn und Spielekonsolen, geschrieben hat. Oder für genau die gleichen Produkte, beispielsweise mehrere Drucker. Bewertet jemand Dienstleistungen an weit voneinander entfernten Orten, etwa einen Münchner Arzt und einen Hamburger Friseur, sollte man die Bewertungen hinterfragen.
  • Die Noten: Durchgehend herausragende Bewertungen für ein Produkt sind unglaubwürdig. Ebenso sind viele Bewertungen in kurzer Zeit für ein Produkt ein Alarmsignal. Inhaltlich ist etwa eine positive Aussage über die Haltbarkeit kurze Zeit nach dem Kauf nicht glaubwürdig.
  • Einzelbewertungen: Käufer und Kunden tendieren dazu, nur besonders positive oder negative Meinungen mitzuteilen - andere Nutzer haben meist schlicht keine Motivation, ihre Meinung zu äußern. Es lohnt sich, Einzelbewertungen durchzulesen und nicht nur auf die berechnete Gesamtwertung zu schauen. Schlechte Bewertungen beziehen sich häufig gar nicht auf das Produkt, sondern Dinge wie Verpackungsschäden oder eine verspätete Lieferung.

Und auch wenn sie echt sind, sollte man Nutzer-Bewertungen nicht blind vertrauen, raten Verbraucherschützer. Schließlich sind diese nicht von professionellen Testern verfasst, sondern bestenfalls von interessierten Laien.

Eine weitere Gefahr bei Online-Käufen sind Fake-Shops - ein Familienvater hat durch die Bestellung eines Kaffeevollautomaten 650 Euro verloren.


Quelle: DPA/RTL.de