Es fehlte ein eindeutig männlicher Zweitname

Behörden verboten den Namen Merlin – da reagierten die Eltern trotzig

19. November 2019 - 18:56 Uhr

Skurriler Namensstreit

Renate Jungesblut aus dem niedersächsischen Alfeld durfte vor 15 Jahren ihren Sohn nicht Merlin nennen. Das Standesamt Hildesheim forderte einen zweiten, eindeutig männlichen Vornamen. Die Eltern wollten den Behörden eins auswischen und nannten ihr Kind daraufhin Merlin Chuqimamani Falko – und das Standesamt willigte ein. Wie die Eltern darauf gekommen sind und ob der heute 15-jährige Merlin seinen Namen cool findet, das erfahren Sie im Video.

„Ein ganz normaler Name“

Merlin – "ein ganz normaler Name", findet Merlins Mutter Renate Jungesblut auch heute noch, 15 Jahre später. "Es war bei der Geburt so, wie ich ihn im Arm hielt, war für mich klar, das ist Merlin", erinnert sich Renate. "Das passte einfach. Das war wie ein kleiner Zauberer, der auf die Welt kam und von daher stehen wir einfach sehr hinter diesem Namen." Ob Merlin Chuqimamani Falko das auch so sieht? Im Video oben äußert er sich selbst dazu.

Behördenwahnsinn mit nationalem Medienecho

Viele Zeitungen und Fernsehsender berichteten damals über den skurrilen Namensstreit. Doch trotz öffentlicher Kritik blieben die Beamten im Standesamt Hildesheim stur: Ohne zweiten Vornamen keine Geburtsurkunde! Auch heute streiten sich Eltern bei ausgefallenen Namenswünschen immer wieder mit Standesämtern. Hilfe können sich die werdenden Mütter und Väter dann bei der Namensberatungsstelle der Universität Leipzig holen, sowie bei der Gesellschaft für Deutsche Sprache.

Blitz ist verboten, Despot jedoch erlaubt

Inzwischen gibt es lange Namenslisten, die zeigen, welche Vornamen erlaubt sind und welche nicht. Denn wenn es um die Namen ihrer Kinder geht, scheinen die Deutschen immer kreativer zu werden. "Despot" beispielsweise hat das Standesamt Hannover genehmigt, "Cinderella-Melodie" das Standesamt Wiesbaden, da er aus zwei gültigen Vornamen besteht. Weitere Regeln für die Zulassung von Namen sind die eindeutige Geschlechtszuordnung und seriöse Quellen, die den Vornamen schon in der Vergangenheit belegen. Außerdem darf bei der Namensvergabe das Kindeswohl nicht gefährdet sein.

In Deutschland genehmigte Namen:

Adriatik, Alemmania, Apple, Belana, Blaubeere, Bluebell, Blücherine, Bluna, Bo, Brain, Champagna, Chanel, Chelsy Novèle, Cinderella-Melodie, Cosmo, Courage, Dee-Jay, Despot, Dior, Emilia-Extra, Fanta (für Mädchen), Frangi-Pany, Frea, Frodewin, Gneisenauette, Godpower, Harley, Hope, Ikea, Imperial-Purity, Junior, Kantorka, Katzbachine, Kix, Klee, Lafayette, Laperla, Laser, Legolas, Lelibeth, Leonardo da Vinci Franz, Lio, Loana, Logan Seraphin, London, Lovelle, Magic, Maier, Matt-Eagle, Milka, Miransah, Monel, Napoleon, Noredien, November (für Jungen), Nox, Nussi, Pepsi-Carola, Phoenix, Popo, Precious, Prestige, Pumuckl, Quidan, Rapunzel, Rionella, Saliana, Sammilia, Schaklyn, Schneewittchen, Schokominza, Segesta, Shakur, Sheriff, Siebenstern, Sioux, Smudo, Solarfried, Sonne, Sultan, Sunshine, Tarzan, Timpe, Topas, Triumf, Viktualia, Wasa, Waterloo, Windsbraut, Winnetou.

In Deutschland abgelehnte Vornamen:

Agfa, Atomfried, Bierstübl, Blitz, Borussia, Celle, Cheraldine, Crazy Horse, Gastritis, Gihanna, Gin, Grammophon, Gucci, Holunder, Idjen (statt Etienne), Januar, Joghurt, Jürgenson, Junge, Kirsche, Laslo (für Mädchen), Lenin, Leuis, Liebknecht, McDonald, Menez, Millenium, Möhre, Nelkenheini, Ogino, Omo, Partizan, Pepsi-Cola, Pfefferminza, Pilula, Porsche, Puppe, Rasputin, Rosenherz, Rumpelstilzchen, Satan, Schmitz, Schnucki, Schröder, Seerose, Shogun, Sputnik, Steißbein, Störenfried, Theiler, Verleihnix, Waldmeister, Whisky, Woodstock.