Beck is back: Andreja Schneider im Interview

Andreja Schneider spielt die Haushaltshilfe von Hannes Beck (Bert Tischendorf)
Andreja Schneider spielt die Haushaltshilfe von Hannes Beck (Bert Tischendorf) © MG RTL D / Arya Shirazi

Sie spielt die kroatische Haushaltshilfe

Andreja Schneider spielt in der Serie Hannes Becks Haushaltshilfe Jasmina Božić. Im Interview verrät sie unter anderem, ob ihre kroatischen Wurzeln ihr bei der Rolle geholfen haben.

"Ich brauche die Manege"

Frau Schneider, Sie haben kroatische Wurzeln und spielen in "Beck is back!" eine kroatische Haushaltshilfe – eine Rolle wie für Sie auf den Leib geschrieben?
Andreja Schneider: Im Casting war es noch eine Irina, eine Rumänin. Als ich die Rolle bekam einigten der Produzent Tommy Wosch und ich uns darauf, dass man meinen kroatischen Hintergrund unbedingt nutzen sollte. Also nein, die Rolle wurde mir nicht auf den Leib "geschneidert", sondern es wurden nur ein paar Nähte aufgetrennt, hier und da neu abgesteckt, der Saum wurde etwas gekürzt und voilà: fertig war "Jasmina Božić".

Sie haben sich die Schauspielkunst durch "learning by doing" angeeignet. Jetzt spielen Sie eine ehemalige Richterin – haben Sie sich dem Thema "Jura" ähnlich angenähert?
Andreja Schneider: Die Jungfrau kam zum Kinde. Ich habe keine Ahnung von Jura. Ich stand noch nie vor Gericht. Also ja, ich nähere mich dem Thema beim "Doing". Ich bin halt Schauspielerin und vertraue auf gute Bücher.

Richterin in Kroatien, Haushälterin in Deutschland – transportiert Ihre Rolle ein Stück weit auch ein ernstes Thema?
Andreja Schneider: Meine Mutter war nach den Jugoslawienkriegen sehr engagiert in der Flüchtlingshilfe. Und einige Akademikerinnen z.B. aus Bosnien haben in Deutschland die Ärmel hochgekrempelt und zum Putzeimer gegriffen. Die Heimat zu verlassen und ein völlig neues Leben zu beginnen hat auch was mit verlorenen Träumen zu tun. Jasmina hat in Deutschland keine Zulassung als Richterin. Von daher ist Becks Angebot sie zur Anwaltsgehilfin zu machen wirklich etwas Besonderes für sie. Sie darf wieder Träumen - von ihrem ursprünglichen Beruf und auch von mehr Gehalt.

Andreja Schneider: Was glauben Sie macht die Kombi aus dem jungen Pflichtverteidiger und der erfahrenen Haushälterin/ehemaligen Richterin für den Zuschauer so spannend?
Per se diese ungewöhnliche Paarung. Ein klassisches "Buddy Movie"-Prinzip. Zwei völlig unterschiedliche Menschen, die von den Umständen getrieben zu einem guten Team zusammenwachsen. Da ist sein cooler Zugriff, hier ihre osteuropäische Bauernschläue, da seine sprachliche Brillanz vor Gericht, hier ihr kroatischer Akzent. Er ist der Macher, sie die Mary Poppins. Hinter jedem guten Chef steckt eine starke Putzfrau!

Last but not least: Kabarett oder Fernsehen – was macht Ihnen eigentlich mehr Spaß?
​Andreja Schneider: Ich liebe meinen Beruf in seiner ganzen Bandbreite. Also drehe ich auch irrsinnig gerne. Aber man würde mir den Stecker rausziehen, wenn ich nicht auf der Bühne stehen könnte. Ich bleibe ein altes Zirkuspferd und brauche die Manege.


Biografie

Die gebürtige Kroatin lebt seit ihrer frühen Kindheit in Deutschland. Nach diversen Produktionen in der freien Szene von Berlin zu Beginn der 90er Jahre stieß die Schauspielerin 1993 in "Ursli Pfister – A Pure Joy" zu den Geschwistern Pfister. Seither ist sie in der Rolle der eingeheirateten Bulgarin "Fräulein Schneider" im Trio fest verankert. Daneben arbeitete sie am Berliner Hebbeltheater, an der Komödie am Kurfürstendamm, an der Wiener Volksoper, dem Staatstheater Saarbrücken ("Roulette" von Thomas Pigor) oder der Kölner Oper. Seit 2008 ist sie an der Seite von Katharina Thalbach in "Zwei auf einer Bank" regelmäßig in der "Bar jeder Vernunft" zu sehen und hat dort 2012 ihr Soloprogramm "Bis es euch gefällt - Fräulein Schneider trifft Andreja Schneider" gespielt. Mit den Geschwistern Pfister war sie an der Komischen Oper in "Clivia" sowie "Die Spoliansky Revue" zu sehen. In der Hauptrolle der "Frau Luna" brillierte sie in der Paul Lincke Operette, die 2016 im "Tipi am Kanzleramt" Premiere feierte und im Januar 2018 wieder aufgenommen wird.