Wir haben mit einer Betroffenen gesprochen

Baby bei Kaiserschnitt verletzt – Ja, das passiert auch in Deutschland!

05. Februar 2020 - 16:43 Uhr

Im Video verrät eine betroffene Mutter, wie sie sich nach dem Kaiserschnitt gefühlt hat

Als wir kürzlich über einen Fall aus Russland berichteten, in dem einer frischgebackenen Mama ihr Baby nach einem Kaiserschnitt mit einer langen Schnittwunde im Gesicht präsentiert wurde, erreichten uns zahlreiche Zuschriften. Auch hier in Deutschland passiert es wohl immer wieder, dass Ärzte Babys aus Versehen verletzen, wenn sie mit dem Skalpell zum Kaiserschnitt ansetzen. Im Video erzählt uns Irene Kraml, wie sie sich gefühlt hat, als ihr kleines, perfektes Wunder, das sie mit allen Kräften beschützen will, bereits mit Verletzungen zur Welt gekommen ist.

Wieso kommt es bei Kaiserschnitten zu einer solchen Verletzung?

"Es passiert ganz sicher ab und zu in Deutschland", verrät uns Prof Dr. Thomas Müller, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in Hanau. Er selbst könne sich in seiner über 20-jährigen Laufbahn an zwei Fälle leichter, oberflächlicher Verletzungen bei Babys erinnern. Aber wie genau kommt es eigentlich dazu?

Ein Kaiserschnitt werde im Bereich der unteren Gebärmutter in deren Vorderwand durchgeführt, erklärt der Experte gegenüber RTL. "Insbesondere, wenn die untere Wand der Gebärmutter sehr dünn ist, kann es passieren, dass hierbei versehentlich das Kind verletzt wird." Und zwar an dem Körperteil, der sich eben unter dieser Stelle befindet. "Das kann der Popo sein, das kann ein Fuß sein oder, in diesem Fall, eben auch Gesicht oder Wange des Kindes", so Professor Müller.

Verletzungen wie diese sind Geburtshelfern extrem unangenehm

"Das ist aus unserer Sicht eher ein bisschen uanangenehm bis peinlich", gesteht Chefarzt Prof. Dr. Müller. "Wir versuchen das natürlich zu vermeiden, das sollte auf keinen Fall passieren. Aber wie das so ist im Leben, in seltenen Fällen gibt es eben auch mal Komplikationen oder eben solche kleineren Verletzungen."

Allerdings würden laut Müller zumindest in Deutschland alle Patientinnen über diese Gefahr aufgeklärt. Von der Erklärung, die sowohl die Mutter aus Russland als auch Irene Kraml von den behandelnden Ärzten gehört haben sollen, nämlich dass das Baby sich einfach zu viel bewegt habe, hält Prof. Dr. Müller eher nichts. "Man sollte natürlich möglichst immer sein Messer so unter Kontrolle haben, dass das Wesen, das man da aus der Gebärmutter befreien will, dabei nicht verletzt wird. Mag sein, dass Kindsbewegungen das in dem Fall noch ein bisschen begünstigt haben, aber dass das arme Kind jetzt dran schuld ist, ist doch ein bisschen abenteuerlich", erklärt der Mediziner schmunzelnd.