In brütender Hitze

Rekordzahl zum Ferienstart: So viele Haustiere ausgesetzt wie noch nie!

Für Hope gibt es noch Hoffnung
© Hamburger Tierschutzverein

30. Juni 2020 - 15:44 Uhr

Schon jetzt mehr Tierwaisen als letztes Jahr

Gerade erst gab es vielerorts die erfreuliche Nachricht, dass viele Tiere in Zeiten von Corona ein neues Zuhause gefunden haben. Doch jetzt das: Das Tierheim Süderstraße in Hamburg meldet, dass so viele Tiere ausgesetzt werden wie noch nie! Die Urlaubssaison hat in einigen Bundesländern gerade erst angefangen, aber in der Einrichtung sind schon 199 offensichtliche Tierwaisen gelandet - zwanzig mehr als im Vorjahr. Und dabei bleibt es nicht: Das Tierheim erwartet Rekordzahlen.

Warum werden ausgerechnet jetzt so viele Tiere ausgesetzt?

Sven Fraaß vom Tierheim Süderstraße erklärt sich die Rekordzahlen so: "In Corona-Zeiten haben sich viele Menschen über den kommerziellen Handel, bei Züchtern oder auch online unüberlegt ein Tier zugelegt. Viele dieser Tiere werden jetzt kurz vor dem Urlaub wieder ausgesetzt, weil es oft unbequem ist, sie mitzunehmen oder kein Freund da ist, der sich kümmern möchte." Er ist überzeugt, dass es den Tierhaltern besonders leicht gemacht werde, an die Tiere zu kommen. Das Geschäft soll boomen, oft auch illegal.

Besonders Katzen und Kleintiere verenden oft tödlich

Mehr als 50 ausgesetzte Tiere pro Woche landen gerade im Tierheim Süderstraße. Viele schaffen es aber gar nicht erst hierher. Für neun Katzen, ein Kaninchen, drei Hühner und einen Ziegensittich zum Beispiel kam in diesem Jahr schon jede Hilfe zu spät. Besonders bei den aktuellen Temperaturen finden die Tiere nicht schnell genug Wasser oder erleiden einen Hitzeschlag. Sollte man ein solches Tier also finden, dann wird empfohlen, sich bei der Polizei zu melden oder die örtliche Notnummer anzurufen. Auch bei einsamen Tieren im Auto sollte man reagieren.

Katzen-Mama Ursula und ihre Babys haben überlebt

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Die kleine Katzenfamilie sucht jetzt ein neues Zuhause.
© Hamburger Tierschutzverein

Auch Katzenbabys nennt man mitunter Welpen. Und davon hat Ursula stolze vier Stück zur Welt gebracht, die ganz schön viel Glück gehabt haben, dass sie gefunden wurden. Vermutlich waren die Besitzer mit dem Nachwuchs überfordert und setzten die junge Katzenfamilie dann einfach in einer lilafarbenen Decke inmitten der Hamburger Großstadt aus. Dabei waren Arielle, Adella, Sebastian und Fabius gerade erstmal ein paar Tage alt.

Hündin Hope geht es besonders schlecht

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Hündin Hope kämpft noch ums Überleben
© Hamburger Tierschutzverein

Einer der drei hier abgegebenen Hunde ist Hope. Ihr Name ist Programm, denn er steht für Hoffnung. Die wollen die Mitarbeiter im Tierheim nicht verlieren, denn Hopes Zustand ist sehr kritisch. Sie ist in einem Gebüsch im Hamburger Stadtteil Lokstedt gefunden worden, vermutlich in letzter Sekunde. Hilflos lag sie da, zitternd und bis auf die Knochen abgemagert. Ihr Fell ist völlig verfilzt, die Zähne voll Eiter und an der rechten Vorderpfote klebte eine schmutzige Socke. Und als sei das noch nicht genug: Die Haut ist von Fliegenlarven befallen. Von diesen Strapazen muss sie sich nun erstmal erholen. Ob sie es schafft - unklar.

Immerhin: Sonst geht es den Hunden gut

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Die Zahl der ausgesetzten Hunde sinkt seit Jahren konstant. Das liegt daran, dass die Tiere flexibler sind und man sie einfacher mit in den Urlaub nehmen kann, der bei vielen in diesem Jahr ja sowieso innerhalb Deutschlands stattfindet. Insgesamt wurden im Juni nur drei Hunde abgegeben. Das ist ein guter Wert, sagt Sven Fraaß.

Chamäleon Hubibi half auch die Tarnung nichts

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Hubibi muss nachts nicht mehr frieren
© Hamburger Tierschutzverein

Obwohl sich Chamäleons optisch ihrer Umgebung anpassen und somit tarnen können, ist Männchen Hubibi zum Glück von einem Retter am 11. Juni in Langenhorn gefunden worden. Er drohte zu sterben, weil die exotischen Tiere mit den nasskalten Nächten nicht klarkommen. Nun sucht er von hier aus ein neues Zuhause und jemanden, der sich mit Exoten auskennt.

Ein Haustier auszusetzten ist strafbar!

Was viele nicht wissen oder wissen wollen: Das Aussetzen von Tieren ist strafbar. Der Hamburger Tierschutzverein hat einen Appell: "Geben Sie Ihr Tier wenigstens im Tierheim ab!" Eine persönliche Abgabe sei schließlich eine Frage des Respekts.