Unter 60? Dann Vorsicht bei AstraZeneca

Wer zahlt, wenn ich nach einer AstraZeneca-Impfung einen Impfschaden erleide?

Coronavirus - Impfstoff von AstraZeneca
Coronavirus - Impfstoff von AstraZeneca
© dpa, Matthias Bein, mb kno vco chs sei

24. April 2021 - 10:48 Uhr

von Carsten Mierke

Alle unter 60 Jährigen sollten sich eine AstraZeneca-Impfung genau überlegen. Der Impfstoff ist gut und sicher, sagen die Experten immer wieder. Und in der Tat sind schwere Impfschäden sehr selten.

Aber wenn, dann sind sie nicht nur ein gesundheitliches, sondern möglicherweise auch ein finanzielles Problem. Das liegt nicht an den Behandlungskosten, die bezahlt die Krankenkasse und könnte sich das Geld später vom Staat zurückholen. "Staatshaftung" nennt sich das und ist juristisch ziemlich klar geregelt.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Wer zahlt bei Berufsunfähigkeit und Co.?

Das hat die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein RTL und ntv bestätigt. Aber was ist, wenn ich hinterher nicht mehr richtig arbeiten kann, vielleicht sogar ganz berufsunfähig bin. "Da ist der Staat raus, weil er AstraZeneca für unter 60jährige ja nicht empfohlen hat", sagt die Medizin-Anwältin Dr. Britta Konradt aus Berlin. Für den Geimpften bedeutet das: kein Schadensersatz, kein Ersatz des Lohnausfalls, kein Ersatz für die verminderte spätere Rente etc. In der Empfehlung des Staates heißt es nämlich , AstraZeneca sollen nur über 60jährige erhalten. Oder ein Arzt entscheidet sich, es nach "ärztlicher Aufklärung" auch unter 60jährigen zu verimpfen. Damit, so die Anwältin, geht die Haftung an einen Dritten, den Arzt, über. Der hat aber auf alle Risiken hingewiesen und sich das auch schriftlich bestätigen lassen und ist damit also auch raus.

Dem widerspricht nun ein Rechtsgutachten des bayerischen Gesundheitsministerium, das RTL.de mittlerweile vorliegt. Darin argumentieren die Juristen, auch eine Impfung von unter 60jährigen mit AstraZeneca nach einer Risikobewertung und Aufklärung durch einen Arzt, entspreche der STIKO-Empfehlung des Bundes. Deshalb würde im Falle eines Impfschadens auch der Staat einspringen und alle Kosten ausgleichen.

Zwei sich widersprechende Einschätzungen. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein hofft deshalb, dass das Bundesgesundheitsministerium das Gesetz umformuliert, um ganz klar zu machen, dass die Länder und der Bund auch bei Impfschäden von unter 60jährigen haften. Eine entsprechende Anfrage von RTL.de hat das Berliner Ministerium aber noch nicht beantwortet.

Derzeit also bleibt für unter 60jährige bei AstraZeneca ein kleines Rest-Risiko.

TVNOW Doku "Zwischen Hoffnung und Tod - wer hat Schuld am deutschen Impf-Desaster?"

Könnten in Deutschland bereits mehr Menschen geschützt sein? Wer trägt die Schuld am Impf-Desaster? Die Bundesregierung? Die EU? Die Hersteller? Oder die Bundesländer? Die Dokumentation geht den Verantwortlichkeiten auf den Grund. Auf TVNOW: "Zwischen Hoffnung und Tod"

AUDIO NOW Podcast Empfehlung zum Thema Corona

Auch interessant