"Ich war ein Pionier. Ich war der Erste, der so etwas tat."

Arzt zeugte über 100 Kinder mit seinem Sperma – ohne das Wissen der Mütter

Jaime Hall und Dr. Peven.
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16. Dezember 2020 - 9:49 Uhr

Unglaubliche Geschichte: Arzt ist der Vater von über 100 Kindern

Ein Arzt aus Detroit (USA) soll über 40 Jahre hinweg über 100 Kinder mit seinem eigenen Sperma gezeugt haben – teilweise ohne das Wissen der Eltern. Jetzt, im Alter von 104 Jahren, lernt er einen Teil seiner Kinder kennen.

Halbgeschwister finden sich über das Internet

Während seiner 40-jährigen Karriere soll Dr. Philip Peven rund 9.000 Babys entbunden haben. Ein Teil davon sind seine leiblichen Kinder, wie jetzt nach und nach herauskommt. Laut einem Bericht der britischen "Sun" habe eine Gruppe Erwachsener, die sich vorher nicht kannte, nach einem Online-DNA-Test festgestellt, dass sie einerseits alle miteinander verwandt sind und andererseits den gleichen Vater haben – nämlich Dr. Peven.

Online-DNA-Test: Über 100 Menschen haben den gleichen leiblichen Vater

Jaime Hall und ihre Eltern.
Jaime Hall und ihre Eltern.
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Eine der Geschwister, Jaime Hall, kontaktierte Dr. Peven im Dezember 2019 und konfrontierte ihn mit dem Ergebnis des DNA-Tests. Der pensionierte Arzt gab zu, Halls Vater zu sein und sein eigenes Sperma zu verwendet zu haben, um eine Vielzahl von Babys zu zeugen – sowohl als Samenspender Ende der 40er-Jahre, als auch in seiner Frauenarzt-Praxis in Detroit. Hall, deren Eltern bereits verstorben sind, hatte bis dahin in dem Glauben gelebt, ein Freund der Familie habe die Schwangerschaft ihrer Mutter durch eine Samenspende ermöglicht. Mitte der 50er waren Halls Eltern wegen ihres Kinderwunschs bei Dr. Peven in Behandlung gewesen. Dass der Familienarzt sein eigenes Sperma verwendete, wusste niemand. Über ein Onlineportal für DNA-Tests habe sie bereits 5 Halbgeschwister gefunden. Sie alle wurden im selben Krankenhaus geboren. Außerdem fand Jaime Hall heraus, dass ihre Schwester Lynn biologisch betrachtet nur ihre Halbschwester ist.

Arzt aus Detroit tauschte Samenspenden gegen sein eigenes Sperma aus

Im Januar 2020 tat sich Jaime dann mit einer ihrer Halbschwestern zusammen. Beide wollten ihren leiblichen Vater endlich persönlich kennenzulernen. Sie fanden den inzwischen 104 Jahre alten Dr. Peven in Southfield, einem Vorort von Detroit. Bei dem Treffen erfuhren die beiden Frauen, dass der Arzt seine Patientinnen mittels einer Pipette entweder mit dem Sperma eines Spenders oder seinem eigenen befruchtet habe. "Anfangs sagten wir nur 'Sie kannten unsere Eltern, Sie haben uns auf die Welt gebracht', er lud uns ein und wir unterhielten uns", erzählt Jaime Hall in einem Interview mit der "Sun" und beschreibt weiter: "Er saß auf einem Stuhl und wir beide zu seinen Füßen auf dem Boden, wie seine beiden kleinen Töchter." Dr. Peven selbst hält sich für einen Pionier: "Ich war der Erste, der so etwas tat." Die Samenspende habe er ausgetauscht, weil die Probe des Familienfreundes vorab nicht getestet wurde.

Jaime Hall und ihr leiblicher Vater, Dr. Peven.
Jaime Hall und ihr leiblicher Vater, Dr. Peven.
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Jaime Hall: "Er gab den Frauen etwas, das sie alle wollten"

Trotz der Enthüllungen sehen Jaime Hall und ihre Schwester Lynn die ganze Erfahrung positiv: "Diese Frauen, meine Mutter eingeschlossen, kamen verzweifelt zu ihm und er gab ihnen etwas, das sie alle wollten". Damals wären die Regelungen für Ärzte anders gewesen als heute. "Ich glaube wirklich, dass er versucht hat, Menschen zu helfen. Ohne ihn wäre ich heute nicht am Leben." Doch Jaime und Lynn Hall wissen auch: "Er hat Frauen getäuscht, oder ihnen zumindest nicht die volle Wahrheit gesagt".