Belgischer Friedhof voll davon

Hunderte Krebse klonen sich selbst und mutieren

Der Krebs vermehrt sich als einziger derzeit bekannter Flusskrebs durch Jungfernzeugung, Männchen sind unbekannt.
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26. Oktober 2020 - 15:21 Uhr

Friedhof von mutierten Flusskrebsen überrannt

Der Antwerpener Stadtfriedhof Schoonselhof ist nach Angaben des Flämischen Instituts für Natur- und Waldforschung (INBO) von Hunderten von mutierten Krebsen in Becken und Bächen auf dem Gelände heimgesucht worden, wie "The Brussels Times" berichtet. Sie stellen eine Gefahr für die lokale Artenvielfalt dar. 

Weibchen klonen ihre Nachkommen selbst

Der sogenannte Marmorkrebs ist vermutlich in den 90ern von Tierhändlern in Deutschland experimentell hergestellt worden. Jetzt vermehren sich die Tiere – ohne männlichen Partner. Sie pflanzen sich über eine sogenannte Jungfernzeugung fort. Bei dieser Krebsart handelt es sich um Klone, die ausschließlich von Weibchen abstammen. Die Nachkommen sind also auch weiblich und genetisch identisch.

Mit dieser Eigenschaft können sich die Flusskrebse enorm schnell verbreiten und auch in Antwerpen scheint es so passiert zu sein. "Jemand hatte das Tier anscheinend in seinem Aquarium und ließ es dann in einem Kanal frei", sagte Kevin Scheers vom INBO. "Es ist unmöglich, alle zusammenzufassen. Es ist, als würde man versuchen, den Ozean mit einem Fingerhut zu leeren."

Oft setzen Menschen die Krebse in der Natur aus, weil sie zu groß für das Zuhause werden. Da sich ein einzelnes Exemplar selbst klonen und so exponentiell reproduzieren kann, stellt es eine Bedrohung für die lokale Umgebung dar. Der Flusskrebs frisst alles, was er erreichen kann und kann sich bis zu zwei Kilometer fortbewegen und bis zu einer Tiefe von einem Meter graben. "Die Marmorkrebse sind etwa zehn Zentimeter groß und kriechen nachts sowohl im Wasser als auch übers Land", sagte Scheers der Brussels Times. "So bewegen sie sich zu anderen Kanälen und Pools."

Keine Möglichkeit, wachsende Population loszuwerden

Derzeit gebe es keine einfache Möglichkeit, die wachsende Population loszuwerden. "In Spanien haben sie einige Experimente mit Gift versucht, aber das ist in Belgien nicht erlaubt."

2014 hat die Europäische Union ein vollständiges Verbot des Besitzes, Handels, Transports, der Produktion und der Freilassung der Arten in freier Wildbahn eingeführt. Da aber die Krebse dieser Art identisch sind, ist es unmöglich, zurückzuverfolgen, woher die Marmorkrebse auf dem Friedhof stammen. Die selbst klonenden Marmorkrebse leben in Madagaskar, Deutschland, Schweden, Italien und Japan.