Kanzler-Talk bei „Anne Will“

Überfordert und vage: Armin Laschet kommt bei Anne Will ins Schlingern

Armin Laschet bei Anne Will
Armin Laschet bei Anne Will
© dpa, Wolfgang Borrs, JM sei

10. Mai 2021 - 10:13 Uhr

Von David Bedürftig

Hat die CDU nach 16 Jahren an der Regierung noch frische – und vor allem die richtigen - Ideen und ist Armin Laschet dafür der bestmögliche Anwärter? Der Kanzlerkandidat der Union erhält am Sonntagabend in der ARD-Talkshow bei Anne Will die Bühne, sich zu präsentieren und die Bevölkerung zu überzeugen. Laschet versucht nicht anzuecken und ringt um eine klare Linie. Beim Thema Klimapolitik wird es hitzig.

Darüber wurde gesprochen

Auf einmal macht die Union auf Klimapartei. Nach Jahren der Halbherzigkeit, der Trippelschritte, des Ausbremsens bei diesem Thema. Schließlich stehen die Grünen (Umfragen zufolge, auf die Laschet bei Anne Will nichts geben will) schon mit den Umzugskisten vor dem Kanzleramt. Luisa Neubauer prangert in der Talkrunde den Nachholbedarf der Christdemokraten in Sachen Klimaschutz an, die CDU habe über Jahrzehnte "ökologische Krisen produziert und nicht abgewendet". Die "Fridays for Future"-Aktivistin will wissen, ob die Regierung überhaupt bereit sei, "1,5-konforme Politik zu machen". Also Politik, die es sich wirklich als Ziel setzt, den menschengemachten globalen Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Die Fetzen fliegen. "Wir müssen endlich über Emissionsbudgets sprechen", warnt Neubauer im Hinblick auf die wohl wichtigste Zahl der Klimapolitik, die die erlaubte Restmenge an CO2-Emissionen für die Erde definiert, wenn die Erderhitzung auf eine bestimmte Temperatur begrenzt werden soll. Doch Laschet ist sichtlich überfordert mit dem Thema und seiner angriffslustigen Kontrahentin. Der CDU-Mann bleibt vage, man müsse eben "in den Zielen ambitiöser werden".

"Sie hätten alle Möglichkeiten gehabt, in den letzten 15 Jahren ein Umfeld zu schaffen" für grüne Industrie, faltet die Aktivistin den Kanzlerkandidaten regelrecht zusammen: "Stattdessen haben Sie den Kohleausstieg verschleppt und der Industrie Milliarden hinterhergeworfen." Die Regierung in NRW vor ihm hätte die "falsche Prioritätenreihenfolge" gehabt, weil sie aus der Kernenergie und nicht aus Kohle rausgewollt hätte. "Die Grünen haben das mitgetragen", sagt er.

Die Gäste und ihre wichtigsten Aussagen

 Luisa Neubauer 2021-05-09, Deutschland, Berlin - Luisa Neubauer, Klimaaktivistin Fridays for Future, zu Gast bei Anne Will im Ersten. Thema der ARD-Politiktalk-Runde: Von Corona-Krise bis Klimapolitik - kann die Union noch Kanzleramt *** Luisa Neuba
Luisa Neubauer, Klimaaktivistin Fridays for Future.
© imago images/Jürgen Heinrich, Jürgen Heinrich via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Parteivorsitzender und Kanzlerkandidat:

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  • "Die Pandemie-Folgen sind eine wirtschaftliche Frage. Da werde ich einbringen, was ich als Regierungschef eines großen Industrielandes seit Jahren mache."
  • Auf Modernisierungsversuche in den Jahren unter Angela Merkel angesprochen: "Wenn es jetzt nicht optimal ist, hätte man besser sein können."
  • Darauf angesprochen, dass Markus Söder als Macher gilt und er selbst als Haderer: "Die Klischees stimmen einfach nicht."

Luisa Neubauer, "Fridays for Future"-Aktivistin:

  • "Wir haben geklagt, weil über Jahre und Jahrzehnte Deutschland und die CDU ökologische Krisen produziert und nicht abgewendet haben."
  • "Auch jetzt werden wieder werden nur Klimaziele gesetzt, die dem Pariser Abkommen nicht gerecht werden."
  • "Wir müssen endlich über Emissionsbudgets sprechen."

Ursula Münch, Politikwissenschaftlerin:

  • "Warum ist diese Modernisierung nicht in den letzten 16 Jahren nicht geschehen?"
  • An konkreten Maßnahmen für Modernisierung und Klimapolitik "hat es bisher katastrophal gefehlt".

Das Fazit

Laschet muss natürlich als Kanzlerkandidat einer Volkspartei das große Ganze im Blick behalten und bis zur Bundestagswahl ist es noch ein paar Monate hin. Doch den CDU-Wählern dürfte auch nach der Talkrunde nicht ganz klar sein, wofür der auserkorene Merkel-Nachfolger steht. Für die Lockdown-müde Gesellschaft schafft es Laschet bei Anne Will nicht, sich als Krisenmanager zu profilieren. Es fehlt an Charisma, konkreten Plänen und Reformen – sowie bei Thema Klimapolitik an Expertise, Kompetenz und dem unbedingten Willen.

Ob Laschet die existenzielle Gefahr der Klimakrise verstanden hat, ist nach der Sendung nicht klar. Klar ist, der Kanzlerkandidat der Union möchte niemanden vergraulen, bleibt lieber vage und ahnt wohl schon, wie steinig sein Weg noch wird. Auf Anne Wills letzte Frage nach seinem Prozentziel bei der Wahl im September antwortet er: "Je mehr, desto besser."