„Pimmelgate“-Affäre in Hamburg nimmt kein Ende

Hin und Her mit "Andy, Du bist so 1 Pimmel"-Slogan

Plakat gegen Hamburgs Innensenator Andy Grote (Credit: twitter/flora_rote)
Plakat gegen Hamburgs Innensenator Andy Grote (Credit: twitter/flora_rote)
© Rote Flora

25. Oktober 2021 - 11:30 Uhr

Nächster Akt im kuriosen Streit um Hamburgs Innensenator

Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei. Erst übermalen die Beamten am Sonntagmorgen mit schwarzer Farbe den Schriftzug "Andy, Du bist so ein Pimmel" auf einem großen Plakat an der Wand der Roten Flora im Hamburger Schanzenviertel wieder. Dann ist der Schriftzug wieder da und am Montagmorgen rückte die Polizei erneut wieder an. Zurzeit ist der "Pimmel-Slogan" also nicht zu sehen.

„Pimmel-Slogan“ war am Sonntagabend wieder da

Die "Pimmelgate"-Affäre um Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) geht also in eine neue Runde. Seit kurzem sehen die Schanzenbewohner wieder schwarz, denn am Morgen übermalte die Polizei erneut den mutmaßlich von Aktivisten des linksautonomen Kulturzentrums im Schanzenviertel angefertigten Text "Andy, Du bist so 1 Pimmel" mit schwarzer Farbe. Überschrieben war das Plakat mit "Soko Wand und Farbe". Allerdings sieht die ganze Sache von Zeit zu Zeit immer wieder anders aus.

Polizei im Dauereinsatz

Mit weißer Farbe auf schwarzem Grund prangte noch in der Nacht wieder der umstrittene Satz, der die Hamburger Polizei seit Tagen vor eine schier unaufhaltbare Aufgabe stellt. Denn zuletzt mussten die Beamten mehrere Aufkleber mit dem gleichen Slogan unweit der Wohnung des SPD-Politikers im Stadtteil St. Pauli entfernen. Seit Anfang Oktober läuft der Spuk zur Gefahrenabwehr, da der Verdacht auf Beleidigung bestehe, und zum anderen zur Beweissicherung, teilte die Polizei mit. Der polizeiliche Staatsschutz ermittelt in der Sache gegen unbekannt.

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Auslöser des Streits: Ein Tweet

Auf dem Twitter-Kanal der Roten Flora dokumentieren die Anhänger des Autonomen politischen Kulturzentrums den aktuellen Stand ihres Plakats. Auslöser des ganzen Zwists war ein im Mai an Grote gerichteter Tweet bei Twitter mit dem Wortlaut "Du bist so 1 Pimmel". Er kam vom Account einer Fan-Kneipe unweit des FC-St.-Pauli-Stadions als Reaktion auf einen Tweet von Grote, in dem er Menschen als "ignorant" bezeichnete, die trotz Corona im Schanzenviertel feierten. Dabei hatte Grote selbst zu Beginn der Pandemie seine neuerliche Berufung zum Innensenator unter Missachtung der Corona-Regeln in einer Kneipe gefeiert und dafür Medienberichten zufolge 1000 Euro Geldbuße zahlen müssen. Zum "Pimmelgate" wurde die Angelegenheit im Netz jedoch erst, als die Staatsanwaltschaft nach einem Strafantrag Grotes wegen Beleidigung im September die Wohnung des mutmaßlichen Urhebers des Tweets durchsuchen ließ. Tausende Menschen kritisierten die Aktion bei Twitter als völlig unverhältnismäßig und überzogen, wobei sich der Groll auch auf das Verhalten von Polizei und Staatsanwaltschaft bezog. Der mutmaßliche Verfasser des beleidigenden Tweets erfuhr dagegen viel Zuspruch.

CDU nennt Ereignisse absurd

Für die CDU-Opposition in der Hamburgischen Bürgerschaft wird Innensenator Grote zu einer immer größeren Belastung für den Senat, aber auch für die Polizei. "Mit seiner Corona-Party und der bis heute anhaltenden Uneinsichtigkeit hat er die Integrität verloren, die für das Amt des Innensenators unverzichtbar ist", sagte der CDU-Innenexperte Dennis Gladiator. Die Ereignisse rund um "Pimmelgate" seien mittlerweile nur noch absurd. "Tausende Opfer von Hass und Hetze würden sich wünschen, wenn ihre Anzeigen nur annähernd so intensiv bearbeitet werden würden", sagte Gladiator und fügte an: "Hier sind die Maßstäbe völlig verrückt." (dpa/nid)