Ex-Liga-Chef spricht Klartext

Rettig fordert Keller-Rücktritt - und schlägt Völler als Nachfolger vor!

Andreas Rettig (Mitte) schlägt Rudi Völler (l.) als Nachfolger von Fritz Keller vor.
Andreas Rettig (Mitte) schlägt Rudi Völler (l.) als Nachfolger von Fritz Keller vor.
© Imago Sportfotodienst

03. Mai 2021 - 19:37 Uhr

Rettig will Konsequenzen

Der ehemalige Liga-Chef hat die andauernden Eskapaden im Deutschen Fußball-Bund (DFB) satt! Andreas Rettig, seit dieser Woche Geschäftsführer beim Drittligisten Viktoria Köln, spricht im RTL/ntv-Interview Klartext und fordert eine sofortige Neubesetzung an der Spitze des größten Sport-Verbandes der Welt! Sehen Sie hier einige Rettig-Aussagen im Video.

Keller und der unsägliche Machtkampf beim DFB

Auf die Frage, ob ein Rücktritt von Fritz Keller als DFB-Präsident unausweichlich sei, sagt Rettig klipp und klar: "Ja! Ich denke, dass er von Bord gehen wird. Ich finde, dass das auch die richtige Entscheidung ist." Er deutet jedoch auch an, dass er befürchtet, dass sich die Entscheidung noch hinausziehen und zu einem Politikum werden könnte. "Ich fürchte, das wird ein Spiegelbild, wie es sich in den vergangenen Wochen und Monaten abgespielt hat", so Rettig.

Was der ehemalige Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga meint: Schon lange gibt es Stress zwischen dem Lager des DFB-Präsidenten Keller und seinem Generalsekretär Friedrich Curtius samt mehrerer Vize-Präsidenten. "Das ist ein Machtspiel, das sich seit Wochen zeigt und klarmacht, wie groß der Riss ist", sagt Rettig, der wie viele andere die Außen- und auch Innenwirkung des DFB als "desaströs" bezeichnet. "Wenn man die letzten Wochen und Monate sieht, ist es deshalb ein desolates Bild, weil man letztlich das Gefühl hat, hier traut niemand niemandem. Es ist eine Kultur des Durchstechens und Misstrauens, was letztlich auch beschämend ist für einen Verband dieser Größte."

Deswegen soll der DFB-Präsident seinen Platz räumen. Spätestens nachdem er seinen Vize Rainer Koch mit einem Nazi-Vergleich verunglimpft hatte und am Wochenende von den Präsidenten der Regional- und Landesverbände das Vertrauen entzogen bekam, ist Keller nicht mehr tragbar.

Rettig hat seinen "1A-Kandidat" bereits gefunden

Doch was dann? Rettig deutet an, dass eine Doppelspitze eine Lösung sein könne. Die Eigenschaften für den neuen starken Mann, die neue starke Frau oder das neue starke Gespann sind aber klar. "Es ist wie überall in den Unternehmen, man braucht Führungsstärke, Persönlichkeit und Sozialkompetenz. Das sind die Grundvoraussetzungen. Es geht darum, dass man glaubwürdig Positionen vertreten kann, da gibt es auch einen hohen Anspruch an die Integrität. Das wird vor allem nach den jüngsten Beschädigungen des Amtes keine einfache Aufgabe", sagt Rettig.

Doch wer kommt nach Keller? Dafür hat der 58-Jährige schon jemanden ins Auge gefasst, der sogar bereits jede Menge Erfahrungen im DFB gesammelt hat. "Ich mache keinen Hehl aus der Wertschätzung, die ich Rudi Völler entgegenbringe. Ich kenn Rudi aus vielen Jahren Zusammenarbeit in Leverkusen, er ist eine integre Persönlichkeit, er kommt aus dem Fußball, hat Sympathiewerte wie kein Zweiter. Das wäre sicherlich ein 1A-Kandidat", sagt Rettig.

"Ihm würden, glaube ich, in allen Bereichen nicht nur die Herzen zufliegen, sondern auch ein hohes Maß an Akzeptanz. Da gibt es schon Gründe, warum du, Rudi, dieses Amt übernehmen solltest", spricht Rettig Völler dann auch direkt an.

Vergangenheit beim DFB

Völler war von 2000 bis 2004 Teamchef der Deutschen Nationalmannschaft, führte das DFB-Team bei der Weltmeisterschaft 2002 bis ins Finale, das gegen Brasilien mit 0:2 verloren ging. Seine Amtszeit endete mit dem blamablen Gruppen-Aus bei der Europameisterschaft 2004. Kehrt Völler 17 Jahre später etwa zum DFB zurück?

Sein Vertrag als Sport-Geschäftsführer bei Bayer 04 Leverkusen läuft noch bis zum Sommer 2022 – und er hat bereits angekündigt, diesen nicht mehr zu verlängern. "An Weihnachten habe ich das Thema mit meiner Frau Sabrina besprochen. Seitdem steht fest: 2022 ist für mich Schluss", sagte der 60-Jährige der "Sport Bild". Ob ein DFB-Angebot dafür sorgen würde, dass für ihn schon 2021 Schluss in Leverkusen ist? Wenn es nach Rettig geht – Ja!

SHO

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