Albino-Familie in Neu Delhi: Der tägliche Kampf der "weißen Inder"

14. Juni 2015 - 8:47 Uhr

"Wir lachen alle, wenn wir die sehen"

Wenn die 20-jährige Pooja Pullan aus Indien die Straßen ihres Viertels in Neu Delhi entlangspaziert, kleben die Männerblicke förmlich an ihr. Das liegt allerdings nicht daran, dass sie eine junge, attraktive Frau ist, sondern vielmehr daran, dass Pooja weiß ist – eine Inderin mit heller Haut und hellblonden Haaren. Und das ist in ihrer Heimat nicht nur äußerst ungewöhnlich, sondern häufig sogar ein echtes Problem.

Die Pullans leiden unter ihrer Krankheit
Die Pullans leiden in ihrer Heimat Neu Delhi unter den sozialen Folgen ihres Albinismus.

Die zehnköpfige Pullan-Familie ist eine der größten Albino-Familien der Welt, ihre Mitglieder werden auch die "weißen Inder" genannt. Mit ihren Eltern und ihren vier Geschwistern lebt Pooja in einer Anderthalb-Zimmer-Wohnung in Neu Delhi – nicht gerade viel Platz für sieben Personen. Und auch außerhalb der engen Behausung haben es die Pullans nicht leicht. "Wir lachen alle, wenn wir die sehen, die sehen halt so lustig aus", ist aus einer Gruppe von Kindern zu hören, bei denen die Pullans aufgrund ihres Aussehens bekannt sind.

Zudem hat keiner der Pullans einen richtigen Job. Vater Rosetauri verkauft mit den Söhnen Eier am Straßenrand. 150 Rupien, rund zwei Euro, verdient er damit am Tag. Als die Ehe der Pullan-Eltern, Rosetauri und Mani, 1983 arrangiert wurde, gab es neben Befürwortern auch viele Gegenstimmen. "Andere sagten: Lasst es! Wenn ihr heiratet, werden alle eure Kinder auch weiß. Leider ist genau das passiert", erinnert sich der 53-jährige Vater.

Durchschnittlich einer unter 20.000 Menschen hat die erbliche Pigmentstörung Albinismus. Die meisten von ihnen leider unter Sonnen-Empfindlichkeit und Sehschwäche. Auch Pooja, die mit 20 Jahren jüngste Tochter der Familie. Doch sie lässt sich nicht unterkriegen. "Ich würde schon gerne heiraten, aber ich möchte auch einen eigenen Job haben. Ich will nicht, dass nur mein Mann arbeitet. Kinder wünsche ich mir auch, aber ich werde ihnen beibringen, dass sie ihre Träume und Interessen verfolgen sollen – egal, was alle über sie sagen", so die selbstbewusste junge Frau. Genau wie ihre ehrgeizigen Geschwister will auch Pooja weiterhin für Selbstständigkeit und gegen Diskriminierung kämpfen.

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