Alarmierende Studie: Jeder zehnte Erwachsene ist Opfer von Cyber-Mobbing

23. September 2018 - 17:17 Uhr

Beleidigungen und Drohungen sind im Internet an der Tagesordnung

Beim sogenannten Cyber-Mobbing - also dem Mobbing im Internet - denken viele erstmal an Jugendliche, die oft die Folgen ihres Tuns nicht so recht abschätzen können. Aber Erwachsene sind untereinander keinen Deut besser. Das zeigt eine Studie des "Bündnisses gegen Cybermobbing". Dort gaben knapp zehn Prozent der Befragten an, schon einmal im Internet eingeschüchtert, bedroht oder beleidigt worden zu sein.

Unter jungen Erwachsenen ist das Mobbing-Risiko besonders hoch

Stellen Sie sich vor, ein gefälschtes Nacktbild von Ihnen kursiert im Internet - und sie haben davon keine Ahnung. Das passiert täglich unzähligen Menschen. In Sekundenschnelle montieren Fälscher unverfängliche Portraits - etwa von Facebook oder Instagram - auf Nacktkörper. Profis bieten ihre Dienste dafür sogar auf kommerziellen Webseiten an. Erschreckend!

Die Opfer dieses sogenannten Cyber-Mobbings werden so im Internet zur Schau gestellt, andere wiederum werden bedroht oder beleidigt. Laut der Studie ist bereits jeder zehnte Erwachsene betroffen, bei den 20 bis 25-Jährigen sogar jeder fünfte - Tendenz steigend.

Sehen Sie im Video, wie Sie sich vor Mobbing im Netz schützen können und welche Folgen den Tätern drohen.

Experte: Die Täter fühlen sich in der Anonymität des Internets sicher

"Die Studie zeigt, dass sich das Problem verschärft hat", sagt Uwe Leest vom "Bündnis gegen Cybermobbing". Besonders alarmierend sind die Zahlen bei jüngeren Menschen. "Das sind die ersten Vertreter der 'Generation Smartphone' in der Arbeitswelt", sagt Leest. In ihrer Jugend hätten sie ein Verhalten verinnerlicht, das nicht entsprechend sanktioniert worden sei. "Wenn wir nichts dagegen tun, wird sich diese Welle weiter vergrößern." Die Täter fühlen sich in der Anonymität des Internets sicher.

Cybermobbing hat auch wirtschaftliche Auswirkungen: Die Betroffenen leiden häufig unter Depressionen - einige denken sogar an Selbstmord. Im Vergleich zu Nichtopfern haben sie im Schnitt vier Krankheitstage mehr - dadurch entsteht den deutschen Unternehmen ein Schaden von rund fünf Milliarden Euro.

Studie: Ein konkretes Gesetz gegen Mobbing sei dringend notwendig

Laut Studie werden Frauen im Internet besonders häufig attackiert. Frauen würden durch ihre kommunikativere Art eine größere Angriffsfläche bieten, sagt Leest. Zudem würden Männer Attacken eher verschweigen. "Hier gehen wir von einer höheren Dunkelziffer aus."

Das Bündnis gegen Cybermobbing fordert nun flächendeckende Mobbingberatungsstellen, anonyme Hotlines und ein einheitliches (Cyber-)Mobbinggesetz. "Die Täter müssen sehen, dass sie für ihre Verhalten sanktioniert werden können", sagt Leest.

Die EU-Initiative "Klick Safe" hatte im vergangenen Jahr eine App entwickelt, die betroffenen Kindern und Jugendlichen helfen soll. "Cyber-Mobbing Erste-Hilfe" heißt sie und richtet sich an Jugendliche, denen der Mut fehlt, sich zu wehren.

Für die Studie wurden vom 9. Juli bis 20. Juli 2018 repräsentativ über 4000 Erwachsene ab 18 Jahren online befragt.