BUND: " Das Label ist eine riesige Mogelpackung!"

Airport Hamburg CO2-neutral: Wie schafft ein Flughafen das?

Finanzsenator Andreas Dressel beim Pressetermin am Mittwochmorgen.
Finanzsenator Andreas Dressel beim Pressetermin am Mittwochmorgen.
RTL Nord

Als erster großer Flughafen in Deutschland erhält Hamburg Airport das Zertifikat „Neutrality“ (CO2-Neutralität) der unabhängigen, weltweiten Airport Carbon Accreditation. Damit leistet der Flughafen ab sofort ganz offiziell seinen Beitrag zum Ziel der Freien und Hansestadt Hamburg, die CO2-Emissionen mit eigenen Maßnahmen zu reduzieren und ganz Hamburg bis 2050 klimaneutral zu gestalten. Finanzsenator Andreas Dressel war beim Pressetermin dabei: „Das Thema Energiewende und Klimaschutz ist Schwerpunkt und ein gemeinsamer Kompass für alle unsere öffentlichen Unternehmen - das gilt angesichts von Corona-Krise und Ukraine-Krieg mehr als je zuvor!“

Doch wie wird der Flughafen CO2 neutral?

Der Flughafen Hamburg ist jetzt ganz offiziell CO2 neutral.
Der Flughafen Hamburg ist jetzt ganz offiziell CO2 neutral.
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Das alles ist jetzt hochoffiziell: Die Flughafengesellschaft präsentierte Mittwoch ein nach Kriterien des europäischen Branchenverbandes Airports Council International Europe (ACI) ausgestelltes Zertifikat. „Die CO2-Neutralität konnte nur bereits jetzt erreicht werden, weil wir schon vor über zehn Jahren begonnen haben, konsequent darauf hinzuarbeiten“, sagte Flughafenchef Michael Eggenschwiler. Als Bausteine zum CO2-neutralen Flughafenbetrieb nannte die Flughafengesellschaft: „Weniger Energieverbrauch, innovative Technologien, Naturschutzprojekte und hochwertige Ausgleichszertifikate.“ Beispielsweise decke der Airport rund 70 Prozent seines Wärmeenergiebedarfs mit einem flughafeneigenen Blockheizkraftwerk ab. Zudem sei die Fahrzeugflotte auf dem Vorfeld nahezu vollständig auf alternative Antriebe und Kraftstoffe umgestellt worden.

Flugzeugtreppen fahren mit Solarkraft

„Am Hamburger Flughafen fahren Flugzeugtreppen mit Solarkraft, Schlepper mit Erdgas (und zukünftig mit Wasserstoff) und E-Autos“, hieß es. Seit mehr als fünf Jahren arbeite der Flughafen ohne fossilen Diesel. Als erster internationaler Verkehrsflughafen stellte Hamburg Airport bereits Ende 2016 alle dieselbetriebenen Fahrzeuge auf einen synthetischen, emissionsarmen Kraftstoff um. Schließlich pflanze der Airport auf seinem Waldgelände im rund 30 Kilometer entfernten Kaltenkirchen Neuwald. Bäume binden beim Wachstum CO2 aus der Atmosphäre und leisten so einen Beitrag zum Klimaschutz.

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"Ein Greenwashing, wie es perfider kaum geht!"

Der Hamburger Flughafen ist ab jetzt offizielle CO"-neutral. Foto: dpa
Der Hamburger Flughafen ist ab jetzt offizielle CO"-neutral. Foto: dpa
bra fdt, dpa, Marcus Brandt

Doch nicht alle sehen die Entwicklung positiv und es hagelt vom BUND Hamburg ordentlich Kritik: „Das Label ‚CO2-neutraler Flughafen‘ ist eine riesige Mogelpackung, ein Greenwashing, wie es perfider kaum geht“, so der stellvertretende Vorsitzende Martin Mosel in einer Mitteilung. „Angesichts der sich massiv aufdrängenden Erfordernisse für einen wirksamen Klimaschutz sind wir entsetzt, dass der rot-grüne Senat die Relevanz des Flugverkehrs in der Klimakrise völlig ausblendet. Der Flugverkehr genießt in Hamburg das große klimapolitische Privileg der Unantastbarkeit, jetzt soll noch der Eindruck vermittelt werden, dass Fliegen klimaneutral geht“, so Mosel weiter.

In der Rangliste der klimaschädlichsten deutschen Flughäfen ist Hamburg auf Platz 5

Die Hamburger Umweltbehörde weist mit Ihrer Energie- und CO2-Bilanz des Statistikamtes Nord jährlich das Aufkommen und die Verursachung von CO2 nach bundeseinheitlichen Regularien nach. Im Vor-Corona-Jahr 2019 stand der Hamburger Flughafen global verantwortlich für mehr als zwei Millionen Tonnen CO2, einschließlich der Nicht-CO2-Effekte des Luftverkehrs (RFI). In der Rangliste der klimaschädlichsten deutschen Flughäfen ist der Hamburger Flughafen insgesamt auf Platz 5 gelistet. (dpa/kst)