Aus Langeweile und Fernweh: Illegaler Handel mit exotischen Tieren boomt

Affenbaby für 1.000 Euro im Internet zu kaufen

Weißbüschelaffe - das Baby dieser trächtigen Affenmama sollte im Internet für 1.000 Euro verkauft werden.
Foto: Stefan Klippstein
Weißbüschelaffe - das Baby dieser trächtigen Affenmama sollte im Internet für 1.000 Euro verkauft werden. Foto: Stefan Klippstein
© rtl.de, Stefan Klippstein

12. April 2021 - 16:32 Uhr

„Es macht mich wahnsinnig wütend!“

Das Affenbaby war noch nicht mal geboren und wurde schon übers Internet zum Verkauf geboten - 1000 Euro sollte das Tier kosten. Der Verkäufer aus Sachsen-Anhalt plante der Affenmama das Baby 8 Wochen nach der Geburt wegzunehmen und zu verkaufen. Der neue Besitzer sollte es dann mit der Flasche großziehen, sodass der Affe auch auf jeden Fall handzahm bleibt. Das ist in Deutschland aber verboten.

Der gelernte Tierpfleger und Tierschützer Stefan Klippstein sah die Anzeige, gab sich als möglicher Käufer aus und fuhr nach Sachsen-Anhalt. Doch dort schaltete er die Polizei und das Veterinäramt ein. Der Verkauf platzte und gegen den Verkäufer wurde Anzeige erstattet. Der Verkauf konnte verhindert werden, doch trotzdem ist Stefan Klippstein sauer: "Es macht mich wahnsinnig wütend, dass es in Deutschland noch möglich ist Affen online zu verkaufen."

Eingepferchte Geckos: Rettung in letzter Sekunde

Leopardengecko in Plastik-Box
Nicht artgerecht: Dieser Leopardengecko wurde in einer Plastikbox gehalten. Foto: Stefan Klippstein
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Auch sieben Leopardengeckos konnten gerettet. Die Reptilien wurden in einer Berliner Wohnung in viel zu kleinen Plastikboxen gehalten und übers Internet verkauft. Die Tiere konnten mit Hilfe der Polizei aus der Wohnung des Verkäufers geholt und in fachkundige Hände übergeben werden. Gerade noch rechtzeitig - ihr Zustand war lebensbedrohlich, sagt Stefan Klippstein.

Corona fördert den Handel mit Affen und Co.

Stefan Klippstein rettet mit Hilfe der Polizei sieben Leopardengeckos.
Rettung der Leopardengeckos durch Stefan Klippstein (rechts im Bild) und der Polizei. Foto: Stefan Klippstein
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Das Geschäft mit exotischen Tieren boomt seit Corona, sagt Stefan Klippstein: "Die Menschen können nicht verreisen, haben Langeweile und auch mehr Geld zur Verfügung und wollen sich dann die Exotik nach Hause holen." Über diverse Plattformen kann man die Tiere anonym im Internet kaufen. "Mit ein paar Mausklicks, kann ich, wenn ich es geschickt anstelle und ein bisschen Geld habe, einen Affen oder eine Schlange kaufen", sagt der Tierschützer.

Und die sozialen Medien befeuern diesen Trend, beobachtet Stefan Klippstein. Fotos bei Instagram mit zahmen Leoparden oder von Baby-Affen in Windeln kriegen viele Likes. Doch das Problem: Die Tiere werden häufig nicht artgerecht gehalten und nach kurzer Zeit verfliegt das Interesse. Das beobachtet auch der Deutsche Tierschutzbund e.V.: "Die Tiere dienen oft nur als lebender Einrichtungsgegenstand bzw. als Statussymbol. Sind die Besitzer dann mit den Tieren überfordert oder müssen sie abgeben, sind meist Tierschutzorganisationen und Auffangstationen diejenigen, welche die Tiere übernehmen und lebenslang unterbringen müssen."

Raubkatzen-Jungtiere für 4.000 Euro

In einigen Bundesländern ist die Haltung von exotischen Tieren - wenn sie denn artgerecht ist -erlaubt. In anderen Bundesländern, wie zum Beispiel in Berlin verboten. Doch gerade was den Online-Handel angeht, gibt es kaum gesetzliche Regelungen und zu wenig Kontrollen. Stefan Klippstein fordert ein Haltungsverbot von exotischen Tieren für Privatpersonen in allen Bundesländern. Der Deutsche Tierschutzbund e.V. fordert generell ein Verbot des Handels mit Tieren im Internet."Sofern dieses Ziel nicht zeitnah umsetzbar ist, bedarf es zumindest einer gesetzlichen Regulierung."

Absolut notwendig, wie eine kurze Internet-Recherche zeigt: Ein Serval-Jungtier, also eine kleine Wildkatze, die zu der Gattung der Raubkatzen zählt, gibt es in Deutschland aktuell für 4.000 Euro im Internet zu kaufen. Und Stefan Klippstein ist sich sicher: Da wird sich ganz schnell ein Käufer finden und die Raubkatze wird dann irgendwo in Deutschland ein neues zuhause finden.

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