Behinderteneinrichtung in Bad Oeynhausen (NRW)

32 Bewohner eingesperrt, gefesselt und mit Reizgas besprüht - 145 Beschuldigte!

In dieser Behinderteneinrichtung der Diakonischen  Stiftung sollen bis zu 145 Beschuldigte Bewohner in ihren Zimmern eingesperrt und an Stühle fixiert haben.
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13. Januar 2021 - 13:39 Uhr

Staatsanwalt ermittelt wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung

145 Beschuldigte – darunter mehrere Ärzte, Pfleger und Betreuer. Ihnen wird vorgeworfen, 32 Bewohner einer Behinderteneinrichtung im nordrhein-westfälischen Bad Oeynhausen misshandelt zu haben. Jetzt wird gegen die Mitarbeiter der Einrichtung ermittelt, wie die Polizei des Kreises Minden-Lübbecke und die Staatsanwaltschaft Bielefeld am Dienstag mitteilen.

Bewohner der Behinderteneinrichtung eingeschlossen oder an Stühle gefesselt

Die hohe Zahl ergebe sich, weil Teile des Pflegepersonals an einzelnen freiheitsentziehenden Maßnahmen beteiligt gewesen sein sollen, ohne dass diese zuvor angeordnet worden waren. Die Vorwürfe lauten unter anderem auf Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Bei den freiheitsentziehenden Maßnahmen waren Bewohner eingeschlossen oder auf Stühlen sowie Matten fixiert worden. In 21 Fällen sei Reizgas eingesetzt worden. Ob der Einsatz wegen einer Notwehr-Situation gerechtfertigt war, werde noch überprüft, hieß es in der Mitteilung.

32 Bewohner laut Polizei von den Misshandlungen betroffen

Nach Angaben der Polizei waren die Ermittlungen 2019 nach der Anzeige eines Angehörigen ins Rollen gekommen. Seit Oktober 2019 wird gegen den ehemaligen Leiter ermittelt. 32 Geschädigte sind durch die Ermittler identifiziert worden. Am Samstag hatte das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium bestätigt, dass zur Aufklärung der Vorwürfe eine eigene Projektgruppe eingerichtet worden sei.

Diakonische Stiftung Wittekindshof distanziert sich von Vorfällen

Die Diakonische Stiftung Wittekindshof reagierte mit Bestürzung auf die bekannt gemachten Details. "Wenn im Wittekindshof Maßnahmen ergriffen wurden, die nicht rechtmäßig und strafbar gewesen sind, dann distanzieren wir uns davon klar und deutlich", teilte Vorstand Dierk Starnitzke mit. "Es gilt, die Anschuldigungen schonungslos aufzuklären, wozu wir weiterhin unbedingt entschlossen sind." Die Stiftung hatte bereits im Juli 2020 angekündigt, den betroffenen Geschäftsbereich aufzulösen.