2018 M05 30 - 14:31 Uhr

Monaco: Faszinierender Anachronismus im Fürstentum

Keine Auslaufzonen, keine Sturzräume, mit über 250 km/h durch einen Tunnel - auf keiner anderen Strecke ist das Risiko so hoch wie in Monte Carlo. Der Große Preis von Monaco ist ein Anachronismus, den es streng genommen gar nicht mehr geben dürfte.

Für viele Fahrer das Highlight des Jahres

Motorsports: FIA Formula One World Championship WM Weltmeisterschaft 2018, Grand Prix of Monaco, 5 Sebastian Vettel (GER, Scuderia Ferrari), Monte Carlo Monaco
Das Rennen durch die Häuserschluchten des Fürstentums Monaco hat seinen ganz speziellen Reiz.
© imago/HochZwei, HOCH ZWEI, imago sportfotodienst

Der erste Große Preis von Monaco wurde bereits 1929 gefahren, damals allerdings noch nicht als Formel-1-Rennen. 1950 fand dann der erste Formel-1-Lauf in Monte Carlo statt; zehn Wagen fielen nach einem Zusammenstoß in der ersten Runde aus - der Sieger hieß Juan Manuel Fangio. Danach wurde Monaco zunächst wieder aus dem WM-Programm gestrichen, bis das Fürstentum 1955 in den Grand-Prix-Kalender zurückkehrte und seitdem ununterbrochen Austragungsort ist.

Doch während auf anderen Pisten jedes Jahr die Auslaufzonen vergrößert werden, ist das von Leitplanken gesäumte Kurvenlabyrinth im Fürstentum so eng wie eh und je. Das schlimmste mögliche Szenario wäre ein Unfall im Loews-Tunnel: Nachfolgende Autos würden ungebremst in den Havaristen krachen, da die Unterführung auf Grund einer Rechts-Krümmung praktisch im 'Blindflug' gefahren wird.

Doch trotz der nicht mehr zeitgemäßen Sicherheitsvorkehrungen ist das Rennen im Fürstentum für viele Fahrer das Highlight des Jahres – und auch für die Zuschauer. Was unter anderem auch daran liegt, dass die Fans hier so nah an der Strecke sitzen wie nirgendwo anders. Mancher Fahrer sorgt sich deshalb vor allem über die Folgen für die Zuschauer, falls ein Auto abheben sollte.

Überholen? Geht nicht!

Die meisten Piloten freuen sich dennoch auf das Rennen in Monaco, nicht nur weil viele hier auch ihren Wohnsitz haben. Der enge, kurvenreiche Stadtkurs ist eine absolute Fahrerstrecke, auf der weniger die Technik, sondern vor allem das fahrerische Können entscheidet.

Auf keiner anderen Strecke wird mit so viel Flügel gefahren. Je mehr Abtrieb erzeugt werden kann, desto schneller wird die Runde. Zudem streben die Teams eine möglichst gute Traktion an, damit die Fahrer aus den langsamen Kurven optimal beschleunigen können. Überholmanöver sind aufgrund des engen Kurses nahezu ausgeschlossen. Die spektakulärsten Stellen sind der Tunnel und die berühmte Loews-Kurve - mit 40 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit die langsamste Passage der gesamten Formel 1. Die Pistenoberfläche ist sehr glatt und viele Fahrbahnmarkierungen zieren die Strecke.

Der Kurs verläuft durch die beiden Stadtbezirke La Condamine und Monte Carlo. Start und Ziel liegen in La Condamine, wie auch die Schwimmbad-Passage und die Schikane am Tunnelausgang. Nach Saint-Devote geht es hinauf nach Monte Carlo, wo das Casino liegt. Am Tunnel-Ausgang endet der Streckenabschnitt von Monte Carlo. Etwa 1,8 km verlaufen durch La Condamine, nur etwa 1,5 km durch Monte Carlo. Der GP von Monaco gehört zusammen mit dem 24-Stunden-Rennen von Le Mans, der Rallye Monte Carlo und dem 500-Meilen-Rennen von Indianapolis zu den prominentesten Motorsportereignissen des Jahres.