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15-Jährige im Stadtpark in Hamburg vergewaltigt: Prozess gegen elf Männer beginnt

Mehrere Stunden sollen sie das Mädchen vergewaltigt haben

15-Jährige im Hamburger Stadtpark vergewaltigt: Elf junge Männer vor Gericht

Elf junge Männer stehen seit dem 10. Mai in Hamburg vor Gericht. Sie werden jeweils von zwei Anwälten vertreten.
Elf junge Männer stehen seit dem 10. Mai in Hamburg vor Gericht. Sie werden jeweils von zwei Anwälten vertreten.
deutsche presse agentur, dpa

Seit Dienstagmorgen müssen sich elf junge Männer vor der Jugendkammer am Landgericht Hamburg verantworten. Zehn der Beschuldigten im Alter zwischen 18 und 22 Jahren sollen die Jugendliche im Stadtpark sexuell missbraucht haben.

15-Jährige kam betrunken von einer Party

Der Prozess um die Gruppenvergewaltigung einer 15-Jährigen findet im Saal 300 des Landgerichts Hamburg unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Der Prozess um die Gruppenvergewaltigung einer 15-Jährigen findet im Saal 300 des Landgerichts Hamburg unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
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Am 19. September 2020 kam das 15-jährige Mädchen von einer Party auf der Festwiese des Stadtparks. Stark alkoholisiert soll sie dann nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf einen der Angeklagten getroffen sein. Er habe sie in ein Gebüsch gezogen, wo dann drei weitere Angeklagte dazugekommen sein sollen. Laut Anklage haben die Männer die Jugendliche teilweise unter Anwendung von Gewalt missbraucht. Danach sei die 15-Jährige noch zweimal in das Gebüsch geführt und jeweils von anderen Angeklagten vergewaltigt worden – das Ganze soll mehrere Stunden gedauert haben. Da sie betrunken gewesen sein soll, hätten die Beschuldigten die eingeschränkte Widerstandsfähigkeit des Mädchens komplett ausgenutzt.

Zwei der Angeklagten sollen die Vergewaltigung gefilmt haben

Der Fall, der nun das Landgericht beschäftigt, soll  schon im September 2020 im Hamburger Stadtpark passiert sein.
Der Fall, der nun das Landgericht beschäftigt, soll schon im September 2020 im Hamburger Stadtpark passiert sein.
bra, dpa, Marcus Brandt

Vor Gericht wird zwei der elf Angeklagten zudem Beihilfe und Herstellung jugendpornografischer Inhalte sowie Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen vorgeworfen. Sie sollen die Gruppen-Vergewaltigung mit dem Handy gefilmt haben. Die Aufnahmen liegen allerdings bisher nicht als Beweismittel vor. Zudem erhebt die Staatsanwaltschaft gegen einen der beiden auch noch den Vorwurf, die Handtasche mit Wertsachen des Mädchens gestohlen zu haben.

Debatte um Veröffentlichung von Fotos

Die Tat im Stadtpark hatte zu einer heftigen Debatte geführt: In einer Unterschriftensammlung wurde die "Veröffentlichung der Gesichter der Täter" gefordert. Die Hamburger Polizei leitete nach Angaben der Staatsanwaltschaft 144 Ermittlungsverfahren ein. Unter anderem seien Fotos, Adressen oder andere Details von mutmaßlichen Tätern veröffentlicht worden.

Davon seien 79 der Verfahren an die Generalstaatsanwaltschaft abgegeben worden. Einige Fälle sollen mangels Tatverdachts oder weil die Beschuldigten nicht strafmündig waren, eingestellt worden sein. "Wir hoffen, dass das Hauptverfahren in einem anderen Klima stattfinden kann, in einem rechtsstaatlichen und fairen Umfeld", sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Liddy Oechtering.

Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Direkt zu Beginn der Verhandlung wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die Intim- und Sexualsphäre der jugendlichen Nebenklägerin, aber auch der Angeklagten müsse geschützt werden, sagte die Vorsitzende Richterin Anne Meyer-Göring zur Begründung. Dazu ergänzte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft später: „Es geht darum, dass es sich bei den Angeklagten um Jugendliche und Heranwachsende handelt und auch die Geschädigte eine Jugendliche zur Tatzeit war, so dass natürlich die Rechte der Beteiligten zu wahren sind.“ Die Zuschauer mussten den Gerichtssaal vor Verlesung der Anklage verlassen. Für die Medien wurde zum Beispiel beschlossen, dass die Angeklagten unkenntlich gemacht werden müssen und ihre Namen nicht genannt werden dürfen.

Was erwartet die mutmaßlichen Täter bei einem Jugendstrafverfahren?

Die Jugendkammer hat 41 weitere Verhandlungstermine bis zum 20. Dezember angesetzt. Gerichtssprecher Kai Wantzen erklärt, dass es bei einem Jugendstrafverfahren immer schwierig ist eine Prognose zu den Straferwartungen zu geben: „Ein Erwachsener, der wegen Vergewaltigung in besonders schwerem Fall verurteilt wird, erwartet eine Freiheitsstrafe zwischen zwei und 15 Jahren. Bei Jugendlichen wird erst mal die Frage gestellt, ob eine Jugendstrafe überhaupt erforderlich ist. Wenn das der Fall ist, beträgt sie bei einem solchen Strafvorwurf zwischen sechs Monaten und 10 Jahren“. (dpa/ljo/cgo)