Sie verzauberte die Welt!Liza Minelli kämpfte sich immer wieder zurück ins Leben

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Liza Minnellis Eltern waren Superstars, ihre Kindheit verlief dennoch wenig schillernd.
imago/UPI Photo

Liza Minnelli, Oscar-Preisträgerin und Tochter von Judy Garland, blickt in ihren neuen Memoiren auf ein bewegtes Leben zurück. Von Kindheitstrauma über zu Welterfolgen bis hin zu Drogenentzügen beschreibt sie ihren Aufstieg und ihre Kämpfe. Nun feiert sie ihren 80. Geburtstag.

Es war Liza Minnellis Paraderolle: die der Nachtclubsängerin Sally Bowles in „Cabaret“ von 1972. Die Romanze zwischen der forschen Sängerin und einem schüchternen Briten im Berliner Kit Kat Klub vor dem Hintergrund des aufkommenden Nationalsozialismus brachte ihr den Oscar als beste Schauspielerin ein. Mit dem Titelsong „Cabaret“ und Hits wie „Mein Herr“ gelangen Minnelli unvergessliche Ohrwürmer.

Ihre Karriere schien vorgezeichnet: Als einzige Tochter der Hollywoodlegende Judy Garland („Der Zauberer von Oz“) und des Regisseurs Vincente Minnelli kommt Liza Minnelli am 12. März 1946 in Kalifornien zur Welt. Mit nicht einmal drei Jahren gibt sie 1949 an der Seite ihrer Mutter ihr Leinwanddebüt in dem Musicalfilm „Damals im Sommer“.

Doch anders als der unbeschwerte Film nahelegt, verläuft Liza Minnellis Kindheit wenig schillernd. Ihre Eltern lassen sich scheiden, als sie sechs ist. Minnellis depressive und kranke Mutter unternimmt zahlreiche Suizidversuche. Im Jahr 1969 stirbt Judy Garland schließlich an einer Überdosis Schlafmitteln.

„Ich hielt meine Mutter für perfekt“, sagte Minnelli später in einem Interview. Doch schon mit 13 Jahren habe sie Judy Garland pflegen müssen, als „Krankenschwester, Ärztin, Arzneimittelexpertin und Psychiaterin in einer Person“. So beschreibt Minnelli es in ihren Memoiren „Liza - Kids, Wait Till You Hear This!“, die diese Woche erscheinen. Eine deutsche Ausgabe ist im Heyne-Verlag angekündigt.

In den Memoiren schildert Minnelli ihren Werdegang: Mit 16 Jahren und ohne jede Schauspielausbildung geht sie nach New York an den Broadway. Die temperamentvolle junge Frau sichert sich eine erste Rolle im Musical Best Foot Forward. Danach arbeitet Minnelli intensiv an ihrer Stimme. 1964 erntet die gerade 18-Jährige Begeisterungsstürme, als sie gemeinsam mit ihrer Mutter im London Palladium auftritt, einem bekannten West-End-Theater in Soho.

„Das Publikum liebte Liza, und Judy wurde klar, dass ihre Tochter erwachsen geworden war und nun ihre eigene Karriere hatte“, heißt es auf der Branchenwebsite IMDb. Danach erscheint Minnellis erstes Album „Liza, Liza“, es verkauft sich eine halbe Million Mal. Im Jahr 1965 gewinnt sie mit 19 einen Tony Award für ihren Auftritt im Musical „Flora, the Red Menace“ („Flora, die rote Gefahr“).

Weil sie sich auf der Bühne unsicher fühlt, bittet sie den französischen Chansonnier Charles Aznavour, ihr Mentor zu werden, als sie ihn während seiner US-Tournee trifft. Er holt sie 1969 nach Paris für Auftritte im traditionsreichen Konzertsaal L’Olympia. Aznavour habe ihr „wirklich alles beigebracht, was ich über Gesang weiß“, sagt Minnelli über ihren väterlichen Freund. Nach ihrem Erfolg mit „Cabaret“ besetzt Regisseur Martin Scorsese sie 1977 in „New York, New York“, einer Hommage an die großen Musicalfilme der 1940er-Jahre. Darin spielt sie an der Seite von Robert De Niro.

In den 1980er-Jahren stürzt die Schauspielerin ab - Alkohol-, Drogen- und Gewichtsprobleme überschatten ihre Karriere. Nach einer Stimmbandoperation 1997 verlässt sie für zwei Jahre die Bühne. Ihr vierter Ehemann und Agent David Gest reicht 2004 die Scheidung ein. Eine schwere Gehirngewebe-Entzündung zwingt sie vorübergehend in den Rollstuhl. Zwischen 2013 und 2014 unternimmt sie schließlich eine letzte Tournee, ein Jahr später macht sie erneut in einen Drogenentzug.

Seit elf Jahren lebt Minnelli nun nach eigenen Angaben ohne Alkohol und tritt gelegentlich im kleinen Rahmen mit ihrem musikalischen Partner auf, dem Sänger und Pianisten Michael Feinstein. Wenn sie hinfalle, stehe sie sofort wieder auf, schreibt Minnelli in ihren Memoiren über ihr wechselhaftes Leben. Ihr Motto sei: „Gib nicht auf. Es macht Spaß. Es gibt Gutes da draußen.“

Verwendete Quellen: linn/dpa