Es war das Beste, was mir je passiert ist!Andrew Lloyd Webber: „Ich bin ein trockener Alkoholiker!“ Musical-Legende packt aus

1 Jul 2025, London, England, UK - Evita Press Night, London Palladium - Red Carpet Arrivals Photo Shows: Lord Andrew Lloyd Webber (Credit Image: Mike Raison/dmg media Licensing)
Webber hat lange gegen seinen Alkoholismus gekämpft.
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Jahrzehntelang war für den „Cats“-Komponisten Andrew Lloyd Webber Alkohol Teil seines Lebens. Auch wenn er einiges versuchte, um von der Sucht loszukommen. Erst ein wichtiger Schritt half ihm tatsächlich, wie er nun erzählt.

Andrew Lloyd Webber hat sich sich in einem Interview mit der britischen Zeitung „The Times“ als trockener Alkoholiker bezeichnet. Vor sechzehn Monaten habe er entschieden, dass er sich Hilfe holen müsse, sagte der berühmte Musical-Komponist. „Ich bin ein trockener Alkoholiker“, so Lloyd Webber wörtlich. Der Schritt zur Abstinenz sei „das Beste, was mir je passiert ist“.

Ein erster Versuch, vom Alkohol loszukommen, liegt bereits einige Jahre zurück. Zwischen 2015 und 2016, während der Broadway-Produktion von „School of Rock“, habe er das Trinken schon einmal eingestellt - allerdings unter Bedingungen, die ihm heute zum Scheitern verurteilt erscheinen. „Ich habe das gemacht, was man ‚White-Knuckling‘ nennt - ohne jede Unterstützung“, sagte er der „Times“. Der Begriff beschreibt den Versuch, sich allein mit Willenskraft aus einer Sucht zu befreien, ohne therapeutisches oder soziales Netz.

Dass er diesen Kampf nicht dauerhaft durchhielt, hat nach seiner eigenen Deutung viel mit seinem Beruf zu tun. Alkohol war über Jahrzehnte Teil seines Lebens, und irgendwann begann er zu befürchten, dass die nüchterne Version seiner selbst auch die weniger produktive sein könnte. „Ich fing an, mich zu sorgen, dass ich nicht mehr kreativ bin. Und dann dachte ich: ‚Aber ich habe doch allen erzählt, dass ich nicht mehr trinke.‘ Also fing ich an, heimlich zu trinken“, sagt Lloyd Webber, der unter anderem „Das Phantom der Oper“, „Cats“ und „Evita“ komponiert hat. Im Rückblick weiß er, wie durchschaubar diese Tarnung war: „Man denkt, es sei ein Geheimnis, aber das ist es nicht. Alle wissen es.“

Die Situation spitzte sich zu. Vor rund achtzehn Monaten sei er in eine „Abwärtsspirale“ geraten, die seine Familie „in einen verzweifelten Zustand“ versetzt habe. Besonders deutlich wird Lloyd Webber, wenn er über seine Ehefrau spricht: „Meine Frau hatte das Gefühl, dass sie nicht mehr weitermachen könne.“ Sein erster Versuch, dem mit einem Aufenthalt in einer Entzugsklinik zu begegnen, brachte nicht den erhofften Durchbruch.

Was ihm half, war der Schritt zu den Anonymen Alkoholikern (AA) - ein Schritt, den er zuvor nie gegangen war. Sein erstes Treffen bezeichnet der Komponist als lebensverändernd. Inzwischen nimmt er täglich teil, ganz gleich, in welcher Stadt er sich gerade befindet. „Was ich daran liebe, ist, dass man in einen Raum geht und alle sind gleich. Ich habe Freunde gefunden, von denen ich nie gedacht hätte, dass das möglich wäre“, erzählt Lloyd Webber. Erst als er die Geschichten anderer Betroffener hörte, sei bei ihm etwas eingerastet: „Es ging um die absurden Anstrengungen, die man auf sich nimmt, das Verstecken und das Vortäuschen.“

Zwei schlichte Lederarmbänder sollen ihn heute vor einem Rückfall bewahren. Auf einem steht der Name „Nick“ - sein Sohn Nicholas, der 2023 im Alter von 43 Jahren an Magenkrebs gestorben ist. Das andere trägt ein silbernes Kettenglied, das symbolisch für seine vier noch lebenden Kinder steht. „Ich schaue sie an, und sie halten mich davon ab, zu trinken.“

Beruflich erlebt Lloyd Webber derzeit eine der produktivsten Phasen seiner Laufbahn. Seine Neuinterpretation „Cats: The Jellicle Ball“, eine Hommage an die Drag-Szene der 1980er Jahre, wurde von der Kritik gefeiert. Parallel arbeitet der Komponist an zwei weiteren neuen Stücken, während Wiederaufnahmen und Ableger seiner Klassiker weiterhin vor Publikum laufen. Seine eigene Arbeit nüchtern zu erleben, habe seinen Blick darauf grundlegend verändert, erzählt er der „Times“: „Wenn man nicht trinkt, denkt man: ‚Mein Gott, wie viel Glück habe ich.‘“

Verwendete Quellen: ghö/spot