Kontroverser Coach Mike BabcockDraisaitl startet mit Trainer-Hammer in die neue NHL-Saison!

Jeder in der NHL kennt Trainer Mike Babcock. Viele in der NHL finden, er hat keine Chance mehr in der Liga verdient. Die Edmonton Oilers um Leon Draisaitl geben ihm eine - das Risiko ist groß.
Wenn die Edmonton Oilers in der Nacht zu Mittwoch gegen die Vancouver Canucks in die NHL-Saison starten, beginnt eines der umstrittensten Eishockey-Experimente so richtig. Hier das Team um Deutschlands Superstar Leon Draisaitl und seinen Partner Connor McDavid, das noch immer auf den ersten Stanley-Cup-Sieg dieser Generation wartet und in den vergangenen drei Jahren zweimal im Finale scheiterte. Dort der neue Trainer, der, um es vorsichtig zu formulieren, in der National Hockey League einen zweifelhaften Ruf und seit 2019 kein Spiel mehr verantwortet hat: Mike Babcock.
Nach der Trennung von Kris Knoblauch soll Babcock der Trainer sein, der Draisaitl, McDavid und die Oilers zum ersehnten Titel führt. Der die seit 1990 anhaltende Durststrecke ohne Stanley Cup beendet. Der aber zugleich auch unter Beweis stellen muss, dass er kein unmenschlicher Schleifer ist, der mit aus der Zeit gefallenen Methoden in der Kabine für Angst und Schrecken sorgt, sondern, dass seine Ansätze auch ins Jahr 2026 passen.
„Bekannt für seine Direktheit und seine Härte“
„Jeder kennt den Babcock. Der ist bekannt für seine Direktheit und seine Härte“, sagte der ehemalige Bundestrainer Marco Sturm zuletzt über seinen Kollegen. Sturm geht in seine zweite Saison als Chefcoach der Boston Bruins und urteilt über die Situation in Edmonton: „Wie ich es mitbekommen habe, wollten speziell die Erfahrenen und die Stars der Oilers einen wie Babcock. Daher ist der Druck zu gewinnen dort jetzt besonders da. Es gibt keine Ausrede mehr.“
Der 63 Jahre alte Kanadier Babcock hat als einziger Cheftrainer der Welt mit seinen Teams Olympia-Gold, WM-Gold und den Stanley Cup gewonnen. 2023 verabschiedete er sich aber auch nach nur zwei Monaten schon wieder von den Columbus Blue Jackets, bevor die Saison überhaupt begonnen hatte. Der Grund: Babcock wollte private Fotos seiner Spieler haben. Wohl, um eine persönliche Verbindung aufzubauen. Wahrgenommen aber wurde es als Überschreiten einer Grenze ins Privatleben der Profis, die zu seinem Aus führte.
Ebenfalls überliefert ist, dass Babcock zu seiner Zeit als Trainer der Toronto Maple Leafs einen Profi dazu aufforderte, ihm eine Liste zu geben, in der er seine Mitspieler nach Arbeitsmoral sortierte. Babcock teilte diese Liste mit der Mannschaft. Ehemalige Spieler Babcocks sagten, er habe ihnen die Lust am Eishockey genommen und bezeichneten ihn als Mobber.
NHL gibt grünes Licht - Draisaitl und McDavid auch
Die Spielergewerkschaft NHLPA beantragte bei der Liga eine Untersuchung von Babcocks Vergangenheit, als klar wurde, dass sich die Oilers mit ihm als Kandidaten beschäftigen. Von der Liga gab es grünes Licht - und, wichtiger wohl: auch von den Stars um Draisaitl und McDavid. Die Führungsspieler der Oilers haben Babcock selbst interviewt und sind seit seiner Verpflichtung große Unterstützer des Coaches.
„Ich denke, er hat einen sehr klaren Plan und ich denke, dass er Leute zur Verantwortung ziehen wird und es für ihn keinen Unterschied macht, wer es ist, den er zu Verantwortung zieht“, sagte Draisaitl. „Wir wollen gecoacht werden, wir wollen besser werden. Und wir verdienen es manchmal auch, dass wir angebrüllt werden, so wie jeder andere. Ich denke, Babs schert sich nicht sonderlich darum, wer wir sind, in diesem Bezug. Und das braucht es manchmal.“
Die Fallhöhe für die Oilers ist groß, auch für Draisaitl und McDavid persönlich. Der Druck für den Titelgewinn, die Vergangenheit Babcocks, das frühe Festlegen darauf, ihn trotzdem sofort öffentlich zu unterstützen: Ein Scheitern wäre auch untrennbar mit den beiden Stars verbunden.
Verwendete Quellen: Maximilian Haupt, dpa


