Zu lang und viel zu unpersönlich!Jogi Löw hat Özils brisanten Brief einfach nie gelesen

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Joachim Löw war immer ein großer Fan des Fußballers Mesut Özil.
dpa

Nach dem Foto mit dem türkischen Präsidenten und dem WM-Aus erklärte Mesut Özil 2018 mit einer emotionalen Abrechnung seinen DFB-Rücktritt. Ex-Bundestrainer Joachim Löw verrät nun, warum er enttäuscht war.

Rund acht Jahre nach dem Bruch zwischen dem früheren Nationalspieler Mesut Özil und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) hat sich der damalige Bundestrainer Joachim Löw zu Özils Rücktrittsschreiben geäußert. „Die ganze Presseerklärung und die Gründe habe ich nie gelesen. Denn erstens war mir das zu lang und zweitens war ich in dem Moment enttäuscht, weil ich’s eigentlich nicht von ihm persönlich gehört habe“, sagte Löw in der ZDF-Doku „Mesut Özil - zu Gast bei Freunden“.

Dass Özil auch dem jüngsten Treffen der Rio-Weltmeister von 2014 ferngeblieben war, nannte Löw schade. „Der Mesut lebt jetzt in der Türkei, ist weniger in Deutschland oder äußerst selten“, berichtete Löw und bezeichnete Özil als „einen der besten Nationalspieler, den Deutschland je hatte“. Der damalige DFB-Manager Oliver Bierhoff vermutet, dass Özil einen klaren Schlussstrich ziehen und die Brücken nach Deutschland abbrechen wolle.

Ab dem 20. März ist der ZDF-Dreiteiler über Özil in der Mediathek zu sehen, im TV läuft die erste Folge am 31. März (20.15 Uhr). Özil hat Interviewanfragen für die Dokumentation nach Senderangaben abgelehnt. Auch auf eine dpa-Anfrage gab es keine Antwort.

Nach Stationen bei Rot-Weiß Essen, dem FC Schalke 04 und Werder Bremen entwickelte sich Özil spätestens bei Real Madrid zum Ausnahmefußballer. Der gebürtige Gelsenkirchener wurde zum Symbol eines vielfältigen (Fußball-)Deutschland. Nach dem umstrittenen Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan schlug die Stimmung 2018 um. Aus dem einstigen Helden wurde endgültig eine umstrittene Reizfigur.

Nach dem historischen Vorrunden-Aus bei der WM 2018 erklärte Özil in einem dreiteiligen Post seinen Rücktritt und beklagte Rassismus. DFB-Verantwortliche wiesen den Vorwurf stets zurück. „Für Mesut war von Anfang an klar: Wir müssen uns für nichts entschuldigen. Wir haben nichts Falsches gemacht. Ich sehe den Präsidenten fast jedes Jahr“, berichtete sein früherer Berater Erkut Sögüt und verriet über das Rücktrittsschreiben auf Englisch: „Das war die Art und Weise, wie er das haben wollte.“

Verwendete Quellen: tno/dpa