Kurz nach Gil Ofarims Dschungelcamp-SiegHotelmitarbeiter Markus W. bricht sein Schweigen – „Ist es denn nie vorbei?”

Gil Ofarim 2023 im Landgericht in Leipzig.
Gil Ofarim 2023 im Landgericht in Leipzig.
picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt

Es ist das erste Interview, das er jemals zu dem Fall gibt.
Markus W. (37) ist der Mann, dem Gil Ofarim 2021 antisemitische Diskriminierung vorwarf. Wie sich später herausstellte, waren die Vorwürfe erfunden. Vier Jahre sind seitdem vergangen, all das ist jedoch nicht vergessen, wie der ehemalige Hotelmitarbeiter jetzt erstmals erzählt.

„Gil Ofarim hat mir etwas unterstellt, was ich nie getan habe”

Im Interview mit der Zeit spricht Markus W. zum allerersten Mal darüber, wie es ihm damals ergangen ist: „Ich habe immer darauf vertraut, dass in unserem Rechtsstaat die Wahrheit herauskommt. Und so war es ja auch. Gil Ofarim hat mir etwas unterstellt, was ich nie getan habe.” Gil Ofarim behauptete 2021, wegen seiner Davidstern-Kette nicht im Leipziger Westin-Hotel einchecken zu dürfen. Später gab er vor Gericht zu, gelogen zu haben. Der Vorwurf der Verleumdung stand somit im Raum. Als Teil eines ausgehandelten Deals, zu dem unter anderem eine Entschuldigung gegenüber des Hotelmitarbeiters gehörte, stellte das Gericht das Verfahren ein.

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„Ich habe mich darauf eingelassen, auch weil ich die Sache endlich abschließen wollte”, sagt Markus W. nun über den Deal. „Nun aber machte Herr Ofarim zweifelhafte Andeutungen. Das wirkt für mich sehr befremdlich, es ärgert mich massiv und ich frage mich auch: Ist es denn nie vorbei?”, erklärt Markus W. der Zeit. An den besagten Abend im Westin-Hotel erinnert sich der 37-Jährige wie folgt zurück. Es hätte Probleme bei der Codierung der Zimmerkarten gegeben, woraufhin Gil Ofarim etwa 20 Minuten mit anderen Gästen in der Lobby hätte warten müssen: „Als er an der Reihe war und seine Karte bekommen sollte, da sprach er mich an. Er war sehr aufgebracht, zeigte mit dem Finger auf mich und pöbelte: Was das für ein Scheißladen sei. Dann drohte er: Wenn er in seinem Zimmer sei, werde er die Zustände hier öffentlich machen, das werde viral gehen. Ofarim klatschte dabei in die Hände und sagte: Bäm, bäm, bäm.” Da habe er ihm den Meldeschein weggezogen und gesagt, „dass er unter diesen Umständen nicht unser Gast sein kann”.

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Hotelmitarbeiter Markus W. bekam Morddrohungen

Am nächsten Morgen habe er auf dem Weg zur Arbeit von Gil Ofarims Instagram-Video mit den Vorwürfen erfahren. Und dann ging’s los. „Meine Social-Media-Konten liefen über, ich wurde bombardiert in einem Ausmaß, das man sich nicht vorstellen kann. Über meine dienstliche E-Mail-Adresse lief eine Morddrohung ein”, erinnert er sich. Er erstattete bei der Polizei Anzeige wegen Verleumdung.

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Und auch auf sein Privatleben wirkten sich die Vorwürfe aus: „In den Wochen nach Ofarims Video fanden zwei große Feste statt: die Hochzeit meines Bruders und der 60. Geburtstag meiner Eltern. Ich bin jeweils nicht hingegangen. Aus Angst davor, dass irgendwer ein Foto von mir machen könnte, auf dem ich feiernd oder lachend zu sehen bin.”

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Kollegen als auch Gäste sagten zugunsten von Markus W. aus, bestätigten, dass besagte Davidstern-Kette gar nicht zu sehen war. Diese Aussagen stützten auch Überwachungsaufnahmen aus dem Hotel. Im Dschungelcamp behauptete Gil Ofarim jedoch, dass diese manipuliert worden sein sollen: „Es wurde nachgewiesen, dass das Band nicht das Originalband ist”, sagte der Sänger.

Dr. Alexander Stevens, der Anwalt, der Gil Ofarim damals in Leipzig vertreten hat, erklärte daraufhin bei Instagram: „Wir Verteidiger haben während des Prozesses festgestellt, dass eines der drei in Augenschein genommenen Videos an einer neuralgischen Stelle einen Zeitsprung aufweist – zwei Sekunden fehlen.”

Markus W. mache das Ganze hingegen „fassungslos”. „Weder das Gericht noch der Videogutachter haben die Glaubwürdigkeit der Aufnahmen in Zweifel gezogen – ebenso wenig wie die Aussagen der Zeugen”, erzählt er im Zeit-Interview. Zudem gebe es auch auch keinen Schweigedeal oder eine Verschwiegenheitsverpflichtung, auf die sich Gil Ofarim im Dschungelcamp (hier auf RTL+ streamen) wiederholt berufen hat: „Er kann über die Vorgänge in der Lobby sprechen. Das Einzige, was er nicht wiederholen darf, ist die Unwahrheit über mich. Er hat im Zuge des Vergleichs vor Gericht eine Unterlassungserklärung abgegeben. Das bedeutet, er darf nicht mehr sagen, dass ich ihn wegen des Tragens einer Davidstern-Kette des Hotels verwiesen hätte. Und er darf auch keine ähnlichen Aussagen tätigen, die andeuten, dass eine antisemitische Äußerung stattgefunden habe. Das ist alles.”

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Gil Ofarims Anwalt Dr. Alexander Stevens erklärte zum Schweigen Ofarims außerdem in einem Instagram-Livestream vor wenigen Tagen, dass das Anwaltsteam Gil Ofarim über die Unterlassungsklärung hinaus „tunlichst einen Maulkorb verpasst” habe.

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Gil Ofarim „inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin”

Abschließend betont Markus W., der mittlerweile nicht mehr im Leipziger Westin Hotel arbeitet: „Mir geht es nicht gut damit, wie er sich jetzt inszenieren konnte. Denn es hinterlässt bei mir den Eindruck, dass die öffentliche Wahrnehmung dieses Falles wieder kippt.” Die Staatsanwaltschaft hätten Tatsachen ermittelt, die vor Gericht Bestand hatten. Gil Ofarim hätte diese Tatsachen bestätigt, indem er sich bei ihm entschuldigte und das Video löschte: „Nun habe ich den Eindruck, dass all das wieder infrage gestellt wird. Er inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin, und das ist schwer für mich.”

Verwendete Quellen: Zeit.de