Region Grafenwöhr in großer SorgeVilseck: US-Truppenabzug droht – Bürgermeister warnt vor dramatischen Folgen

Deutschland, Vilseck, Oberpfalz, 5. Mai 2026, Thorsten Grädler, 61, frisch gewählter neuer Bürgermeister von Vilseck, Partei: Einheitsblock - Freie Wählerschaft, heute an seinem 2. Tag im Amt, auf dem Marktplatz in Vilseck, vom Standort Vilseck sollen 5.000 US-Soldaten abgezogen werden, die Stryker-Brigade ist in den nahegelegenen Rose Barracks stationiert, Kaserne beim Truppenübungsplatz Grafenw2öhr, geplanter US-Truppenabzug bringt Probleme für die Ortschaften in der unmittelbaren Nähe, wie Vilseck, die in den letzten 70 Jahren von der Stationierung profitiert hatten, Krise, Bayern,
Thorsten Grädler ist als Bürgermeister von Vilseck erst frisch im Amt und muss gleich einen harten Schlag für die Stadt verkraften.
picture alliance / Wolfgang Maria Weber

Der angekündigte Abzug von 5000 US-Soldaten aus dem bayerischen Vilseck trifft die Stadt unverhofft. Besonders der frisch gewählte Bürgermeister ist konsterniert. Immerhin ist das US-Militär für einen dreistelligen Millionenbetrag in der Region verantwortlich.

Wer die Region rund um den Truppenübungsplatz Grafenwöhr in Bayern besucht, betritt ein wenig eine eigene Welt: Hier sind oberpfälzische und amerikanische Lebensart, Kultur, Sprache miteinander verwachsen. Umso mehr beunruhigt die Nachricht von einem möglichen Truppenabzug aus der Kleinstadt Vilseck die Menschen - und auch den neuen Bürgermeister Thorsten Grädler. Sollten tatsächlich mehrere tausend Soldaten abgezogen werden, würde das „dramatische Auswirkungen“ haben, sagt der Kommunalpolitiker.

Die US-Regierung hat einen Teilabzug angeordnet, von 5000 Soldaten ist die Rede. Dass es Vilseck treffen solle, wisse er lediglich aus Medienberichten, so Grädler. Offiziell bekannt sei dazu noch nichts. Es ist nicht das erste Mal, dass US-Präsident Donald Trump Truppen aus der Oberpfalz abziehen will. Die erneute Debatte treibt die Bürger um - ob im Café oder auf dem Supermarkt-Parkplatz ist die Ankündigung Thema.

Bürgermeister Grädler ist erst seit Freitag im Amt, und schon überschlagen sich die Ereignisse. Auch die mediale Aufmerksamkeit ist groß. Kamerateams sind in der Stadt unterwegs, der Rathaus-Chef gibt ein Interview nach dem anderen.

Der Abzug von so vielen Soldaten scheint hier unvorstellbar. Denn der Truppenübungsplatz Grafenwöhr, an dem Vilseck liegt, sei nicht nur der größte außerhalb der USA, sondern auch der modernste, sagt Grädler. Er hofft, dass auf landes- und bundespolitischer Ebene alles getan wird, um den geplanten Abzug zu verhindern.

Für die Region habe die Präsenz des US-Militärs wirtschaftlich und gesellschaftlich eine enorme Bedeutung. Grädler spricht von einer Wirtschaftskraft in Höhe von ungefähr 650 bis 700 Millionen Euro pro Jahr. Regionale Betriebe wie Baufirmen profitierten von dem Standort. Es gebe dort zudem rund 3000 zivile Arbeitsplätze. Auch die Gastronomie, die Kfz-Werkstätten, die Einkaufsmärkte - alle seien ein Stück weit von den Amerikanern abhängig.

In der Kasernenanlage, den Rose Barracks, sind nach Angaben der Stadt rund 8000 Soldaten stationiert, hinzu kommen etwa 12.000 Familienangehörige. Insgesamt sind in Vilseck und Grafenwöhr samt Umland etwa 30.000 Soldaten und Familienangehörige angesiedelt. Der Wegfall von etwa der Hälfte der Menschen hätte gravierende Folgen.

Nicht nur wirtschaftliche Folgen, sondern auch zwischenmenschliche: „Das ist der dritte und mir persönlich der wichtigste Aspekt“, sagt Grädler. Die Amerikaner seien seit mehr als 80 Jahren in der Region. „Und ich glaube, das kann ich behaupten, dass sich die Amerikaner bei uns immer sehr wohlgefühlt haben.“ Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr sei für die Soldaten ein „home away from home“.

Die Amerikaner sind in der Region fest integriert. Es sind Freundschaften und Ehen entstanden. Beim Bäcker oder im Supermarkt hört man Englisch genauso selbstverständlich wie Oberpfälzer Dialekt. „Die amerikanischen Kinder spielen in deutschen Fußballvereinen, die Amerikaner besuchen unsere Feste. Die Kirchweih beispielsweise oder das Ritterlager, das alle zwei Jahre auf der Burg stattfindet.“

Wirklich vorstellen können sich die Menschen nicht, dass Tausende Soldaten samt ihren Familien die Stadt verlassen müssen. „Wo sollen die denn hin“, fragt eine Anwohnerin. Das sei doch gar nicht so einfach, so viele Menschen umzusiedeln.

Der Bürgermeister dagegen fürchtet, dass es eben doch schnell gehen könne. Im Gespräch ist der Abzug des 2. Kavallerieregiments, der sogenannten Stryker-Brigade. Die Stryker, also Radpanzer, könnten auf Züge verladen und abtransportiert werden. Die Truppen würden verlegt. Das könnte sehr schnell gehen, fürchtet Grädler. „Und das macht mir ein Stück weit Angst.“ Umso mehr hofft er, dass dieser Schritt abgewendet werden kann.

Verwendete Quellen: als/dpa