Notwehr oder Mord?Mutter entdeckt Mann unter dem Bett ihrer 13-jährigen Tochter und erschießt ihn

Polizeimitteilung für die Verhaftung von Kendra Scott
Kendra Scott ist angeklagt wegen Mordes ersten Grades
memphispolice
von Philipp Petersdorff

Was wie der Albtraum aller Eltern klingt, entwickelt sich zu einem Fall voller Grauzonen.
Eine Mutter aus dem US-Bundesstaat Tennessee entdeckt mitten in der Nacht einen 20-jährigen Mann unter dem Bett ihrer 13 Jahre alten Tochter – und erschießt ihn kurz darauf. Die 36-Jährige sagt: „Ich habe getan, was ich tun musste.“ Nun muss sie sich wegen Mordes verantworten. Denn die Ermittlungen zeichnen ein deutlich komplizierteres Bild.

Der erste Eindruck: Eine Mutter schützt ihre Tochter

Als Polizisten in der Nacht zum Donnerstag zu einem Haus in Memphis gerufen werden, finden sie einen 20-Jährigen mit einer Schussverletzung am Hinterkopf im Vorgarten. Für Rodderius Morton kommt jede Hilfe zu spät. Kurz darauf nehmen die Beamten die 36-jährige Hausbesitzerin Kendra Scott fest. Gegen sie wird inzwischen wegen Mordes ersten Grades sowie eines Waffendelikts ermittelt.

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Die ersten Details des Falls sorgten in den USA für großes Mitgefühl. Nach Angaben der Polizei erklärte Scott den Beamten, sie sei nach Hause gekommen und habe „einen Typen unter dem Bett meines Kindes“ entdeckt. „Ich habe getan, was ich tun musste“, soll sie gesagt haben. Doch je mehr über den Fall bekannt wird, desto schwieriger wird seine Einordnung.

Die Tochter hatte den Mann selbst eingeladen

Nach den Ermittlungen hatte Scotts 13-jährige Tochter den 20-Jährigen gegen 1.20 Uhr nachts selbst ins Haus gelassen. Als die Mutter kurze Zeit später überraschend nach Hause kam und laut fragte, wer sich im Haus befinde, versteckte sich Morton unter dem Bett des Mädchens.

Als Scott ihn entdeckte, soll sie ihn angeschrien und aus dem Haus gejagt haben. Erst draußen fiel nach Aussage der Zeugen der tödliche Schuss. Ein Nachbar berichtete der Polizei, die Mutter anschließend mit der Waffe neben dem Verletzten gesehen zu haben. Sie habe dabei gesagt: „Ich habe ihn erschossen.“

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Warum war ein 20-Jähriger überhaupt bei einer 13-Jährigen?

Genau diese Frage beschäftigt derzeit viele Menschen in den USA. Zwar hatte die 13-Jährige den Mann offenbar selbst eingeladen. Dennoch wirft der Altersunterschied erhebliche Fragen auf. Scotts Anwalt spricht vom „schlimmsten Albtraum aller Eltern einer 13-jährigen Tochter“. Entscheidend werde sein, ob man von einer Mutter in einer solchen Ausnahmesituation überhaupt ein rationales Handeln erwarten könne.

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Juristisch ist der Fall weniger eindeutig

Emotional mögen viele Eltern Scotts Reaktion nachvollziehen können. Rechtlich sieht die Lage jedoch komplizierter aus.
Der ehemalige Polizist und Selbstverteidigungstrainer Buddy Smith erklärte gegenüber dem US-Sender Action News 5, dass Tennessees sogenannte „Castle Doctrine“ – eine Regelung, die den Einsatz tödlicher Gewalt gegen Eindringlinge unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt – hier nach bisherigem Ermittlungsstand wohl nicht greife.

Der Grund: Laut Haftbefehl habe Morton die Mutter oder ihre Tochter in diesem Moment nicht bedroht. Vielmehr sei er bereits auf dem Weg aus dem Haus gewesen, als die tödlichen Schüsse fielen. Genau dieser Punkt dürfte im Prozess eine zentrale Rolle spielen.

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Ein Fall, der die USA spaltet

In sozialen Netzwerken wird der Fall heftig diskutiert. Für die einen handelte Scott aus einem nachvollziehbaren Schutzinstinkt. Andere sind überzeugt, sie hätte stattdessen die Polizei rufen müssen.

Fest steht bislang nur: Eine Mutter entdeckte einen erwachsenen Mann im Zimmer ihrer 13-jährigen Tochter. Wenige Augenblicke später war der 20-Jährige tot. Ob die Tat als verständliche Reaktion einer verzweifelten Mutter oder als Mord gewertet wird, muss nun ein Gericht entscheiden.

Verwendete Quellen: Memphis Police Department, nypost.com, actionnews5.com, people.com