Ortung aus: Riskanter Weg durch HormusÖl-Tanker tricksen Iran aus: So wird die Blockade umgangen!

Die Spannungen am Golf hatten zuvor erheblich zugenommen. (Archivbild)
Tanker in der Straße von Hormus (Archivbild): Durch die Meerenge läuft normalerweise ein Fünftel der weltweiten Versorgung mit Rohöl.
Altaf Qadri/AP/dpa

Der Iran blockiert die für den Welthandel wichtige Straße von Hormus. Das setzt auch die Emirate unter Druck, die auf das Exportgeschäft mit Rohöl angewiesen sind. Nun gelingt es offenbar mehreren Tankern, die Meerenge zu passieren.

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben Insidern zufolge trotz der iranischen Blockade in begrenztem Umfang Rohöl durch die Straße von Hormus verschifft. Der staatliche Ölkonzern Adnoc konnte im April mehrere Millionen Barrel Öl aus dem Persischen Golf herausschaffen, wie mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten und wie aus Schiffsdaten hervorgeht. Um drohenden Angriffen aus dem Iran zu entgehen, schalteten die Tanker demnach ihre Ortungssysteme ab. Dies ist nicht unüblich: Iranische Schiffe, die die US-Blockade umgehen, schalten diese auch dem Kollisionsschutz dienenden Systeme oft ebenfalls aus. Adnoc lehnte eine Stellungnahme ab.

Der Staatskonzern brachte auf diese Weise im April auf vier Tankern mindestens sechs Millionen Barrel zweier verschiedener Ölsorten aus dem Golf. Das geht aus Schiffsdaten von Kpler und Satellitendaten von SynMax hervor. Außerhalb der Gefahrenzone wurde die Ladung den Angaben zufolge entweder auf andere Schiffe umgepumpt, im Oman zwischengelagert oder direkt zu Raffinerien in Asien gebracht. Die exportierten Mengen entsprechen zwar nur einem Bruchteil dessen, was die Emirate vor Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran ausgeführt haben. Aber das Vorgehen zeigt, welches Risiko Produzenten und Käufer bereit sind einzugehen.

Durch die Verknappung auf dem Weltmarkt ist der Ölpreis auf über 100 Dollar pro Barrel gestiegen. Für eine der heimlichen Lieferungen zahlte eine asiatische Raffinerie laut einem Insider zudem einen Rekordaufschlag von 20 Dollar auf den offiziellen Verkaufspreis von Adnoc.

Wie gefährlich die Route ist, zeigte sich erst am Montag: Den VAE zufolge griff der Iran einen leeren Adnoc-Tanker in der Meerenge mit zwei Drohnen an. Verletzte seien nicht gemeldet worden. Das Außenministerium sprach von einem „iranischen Terrorangriff“. Das Vorgehen stelle eine „Piraterie“ durch die iranischen Revolutionsgarden dar und gefährde sowohl die regionale Stabilität als auch die globale Energiesicherheit. Die Straße von Hormus dürfe nicht als politisches oder wirtschaftliches Druckmittel missbraucht werden. Die VAE forderten den Iran auf, derartige Angriffe einzustellen und alle feindseligen Handlungen zu beenden. Durch die Straße von Hormus läuft normalerweise ein Fünftel der weltweiten Versorgung mit Rohöl.

Verwendete Quellen: nbr/rts/dpa