Main-Taunus-KreisPflegerin wegen dreifachen versuchten Mordes festgenommen

Die 53 Jahre alte Frau wurde festgenommen. (Symbolbild)
Die 53 Jahre alte Frau wurde festgenommen. (Symbolbild)
Lino Mirgeler/dpa

Die Kriminalpolizei hat eine Pflegerin wegen des Verdachts des dreifachen versuchten Mordes im Main-Taunus-Kreis festgenommen. Die 53-jährige Deutsche war auf einer Station von Wachkomapatienten eingesetzt, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main mitteilte.

Die Staatsanwaltschaft sagte auf RTL.de-Anfrage, dass sich auf der von der Beschuldigten zu verantwortenden Station insbesondere Patienten liegen, die sich teilweise seit mehreren Jahren in einem Wachkoma-Zustand befinden und die Umgebung nicht bewusst wahrnehmen oder kommunizieren können.

Aufgrund des Zustandes der Patienten war es notwendig, die Vitalfunktionen der Patienten über einen angeschlossenen Pulsoximeter zu überprüfen, der den Puls und die Sauerstoffsättigung des peripheren Blutes registriert und kontrolliert. Sobald einer dieser Werte außerhalb vorbestimmter Grenzwerte liegt, wird dabei durch den Pulsoximeter ein akustisches und optisches Notsignal abgegeben. Das Entfernen eines Pulsoximeters ist regelmäßig geeignet, einen lebensbedrohlichen Zustand bei einem Wachkoma-Patienten herbeizuführen, da die Reduzierung der Sauerstoffsättigung im Blut oder das Vorliegen von Schleim oder Sekret im Bronchialtrakt nicht mehr angezeigt wird.

Obwohl die Pflegerin das wusste, soll sie im Rahmen mindestens zweier Nachtdienste am 16. und 17.02.2025 und am 27. und 28.02.2025 an drei Wachkomapatienten die Pulsoximeter entfernt haben, um während ihrer Nachtschicht nicht durch optische oder akustische Alarmsignale gestört und zu pflegerischen Handlungen veranlasst zu werden.

Sie soll hierbei jeweils den Tod der Patienten zumindest billigend in Kauf genommen haben und ihr soll auch bewusst gewesen sein, dass sich der Zustand der Patienten unmittelbar lebensbedrohlich verändern könnte, so die Staatsanwaltschaft weiter.

Im Nachtdienst vom 16. auf den 17.02.2025 soll das Entfernen des Pulsoximeters zu einem lebensbedrohlichen Zustand eines Patienten geführt haben, da dieser bereits eine Körpertemperatur von 41,6 Grad und lediglich eine Sauerstoffsättigung von 80 Pro-zent gehabt haben soll.

Chef der Einrichtung erwischt Mitarbeiterin auf frischer Tat

Im Nachtdienst vom 27. auf den 28.02.2025 konnte die Beschuldigte durch die Einrichtungsleitung im Rahmen eines unangekündigten Besuchs in einem Aufenthaltsraum auf der Station angetroffen werden, wobei bei zwei Patienten auf ihrer Station die Pulsoxi-meter abgeschaltet gewesen sein sollen. Bei beiden Patienten war die Sauerstoffsättigung bereits deutlich unter dem Normbereich, so dass Stabilisierungsmaßnahmen getroffen werden mussten.

Für die Pflegerin gilt bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung. (rsa)

Verwendete Quelle: Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main