Wegen Krankenkassen-ReformÄrztepräsident geht auf Klingbeil los

Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, spricht während der Neujahrs-Pressekonferenz. (zu dpa: «Viel Kritik an Sparvorschlägen fürs Gesundheitswesen») +++ dpa-Bildfunk +++
Die Stabilisierung der Krankenkassenfinanzen sei ein gesamtgesellschaftlicher Kraftakt, so Reinhardt.
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Für die Vorschläge zur Krankenkassen-Reform muss die Bundesregierung Kritik aus vielen Richtungen einstecken. Ärztepräsident Reinhardt zielt dabei besonders auf Finanzminister Klingbeil ab und fordert den Ausbau eines Steuerzuschusses.

Ärztepräsident Klaus Reinhardt fordert für die Stabilisierung der gesetzlichen Krankenkassen auch einen Einstieg in eine Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen durch den Bund. Es sei absolut inakzeptabel, dass sich Finanzminister Lars Klingbeil wegducke, sagte der Chef der Bundesärztekammer. Ein erster notwendiger Schritt wäre ein zusätzlicher Steuerzuschuss von mindestens drei Milliarden Euro, der in den kommenden Jahren konsequent ausgebaut werden müsse.

In der Koalition wird darüber diskutiert, ob auch eine stärkere Übernahme der Krankenkosten von Bürgergeldbeziehern in das geplante Sparpaket von Gesundheitsministerin Nina Warken aufgenommen werden soll. Bisher zahlt der Bund pauschale Beiträge für sie, was die Ausgaben nach Angaben der Kassen aber nicht deckt. Laut einer Expertenkommission müsste der Bund für eine volle Kostendeckung jährlich zwölf Milliarden Euro mehr übernehmen.

Der Ärztepräsident mahnte: „Diese Finanzierungslücke darf weder durch Leistungskürzungen noch durch zusätzliche Belastungen für Versicherte, Patientinnen und Patienten oder die Beschäftigten im Gesundheitswesen geschlossen werden.“

Die Stabilisierung der Krankenkassenfinanzen sei ein gesamtgesellschaftlicher Kraftakt. Reinhardt warb dafür, zusätzliche Mittel durch eine Erhöhung der Steuern auf „gesundheitsschädliche Genussmittel“ wie Spirituosen und Tabak und die Einführung einer Zuckersteuer zu erzielen.

Dies entfalte auch eine vorbeugende Wirkung. „Höhere Preise können den Konsum nachweislich senken und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen die Einstiegshürden erhöhen.“ Sie seien ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Volkskrankheiten wie Krebs, Herzerkrankungen oder Adipositas. Würden dabei endlich echte Fortschritte erzielt, hätte dies positive Auswirkungen auf die Gesundheit und entlaste langfristig die Volkswirtschaft um Milliardenbeträge.

Verwendete Quellen: lme/dpa