Drei Tote, viele InfizierteHantavirus-Erbgut entschlüsselt – Grund zur Entwarnung?

MV Hondius arrives in Tenerife 10.05.2026. The MV Hondius arrives into the port of Granadilla de Abona, on the island of Tenerife in Spain s Canary Islands, British passengers and crew on the cruise ship hit with an outbreak of hantavirus will be tested before returning to the UK. .British passengers disembark the cruise ship. PUBLICATIONxINxGERxAUTxSUIxONLY Copyright: xSimonxJonesx NINTCHDBPICT001079627033
Passagiere verlassen das Kreuzfahrtschiff "Hondius" in Teneriffa. Bislang scheint der Ausbruch unter Kontrolle.
IMAGO/News Licensing / IMAGO/Simon Jones

Forscher haben das Erbgut des Hantavirus aus dem Kreuzfahrtschiff-Ausbruch komplett entziffert. Die zentrale Frage: Steckt hinter den Todesfällen womöglich eine neue, gefährlichere Variante? Die Antwort der Experten fällt eindeutig aus.

Bisher gibt es drei Todesopfer, acht bestätigte oder wahrscheinliche Infektionen - der Hantavirus-Vorfall auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ hält Europas Gesundheitsbehörden seit Tagen in Atem. Eine Frage treibt Mediziner und die breite Öffentlichkeit um: Wie ansteckend ist dieses Virus eigentlich - und haben wir es womöglich mit einer veränderten, gefährlicheren Form zu tun?

Seit dem Wochenende gibt es darauf eine klare Antwort. Forscher haben das vollständige Erbgut des Virus aus einer Blutprobe des Schweizer Patienten entschlüsselt, der die „Hondius“ bereits Ende April verlassen hatte und in Zürich positiv getestet wurde.

Die Entschlüsselung bestätigt zunächst, was schon vermutet wurde: Es handelt sich um die sogenannte Andes-Variante des Hantavirus, benannt nach der südamerikanischen Bergkette, in deren Umfeld der Erreger zuerst auftauchte. Diese Variante ist berüchtigt, weil sie als einzige bekannte Hantavirus-Form überhaupt in der Lage ist, von Mensch zu Mensch zu springen - allerdings nur bei engem Kontakt.

Entscheidend ist aber, was die Forscher im genetischen Bauplan nicht gefunden haben: Hinweise auf eine grundlegende Veränderung. Die Basler Forscherin Emma Hodcroft hatte in einer ersten Einschätzung auf virological.org bereits darauf hingewiesen, dass das Virus keine Neusortierung seines Erbguts durchlaufen habe. Im Klartext: Das Virus von Bord der „Hondius“ ähnelt jenen Erregern, die schon bei früheren Ausbrüchen - etwa 2018 in Argentinien - grassierten.

Andere Wissenschaftler bestätigen diesen Befund: „Aus den öffentlich sichtbaren Informationen - und ohne umfangreiche Analyse unsererseits - ergibt sich daher zunächst kein offensichtlicher Hinweis auf eine ungewöhnliche oder neuartige Virusvariante, aus der man allein eine veränderte Übertragbarkeit oder Infektiosität ableiten könnte“, sagte Roland Schwarzer, Forschungsgruppenleiter am Universitätsklinikum Essen. Die Sequenz ordne sich in die bereits bekannten Andes-Virus-Verwandtschaften ein.

Auch Jonas Schmidt-Chanasit, Tropenmediziner am renommierten Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg, sieht keinen Grund zur Beunruhigung: Aus der jetzt veröffentlichten Schweizer Sequenz ergäben sich „nach meiner Einschätzung bisher keine belastbaren Hinweise auf eine veränderte Übertragbarkeit oder Infektiosität“, sagte der Virologe.

Schmidt-Chanasit betont zudem, dass allein die Entschlüsselung des Virus keinerlei Aussage darüber erlaube, dass es sich um eine besonders ansteckende oder besonders aggressive Variante handle. Solche Schlüsse wären nur dann gerechtfertigt, wenn es zusätzlich klare epidemiologische Hinweise auf ein verändertes Verhalten gäbe. „Das sehe ich derzeit nicht.“

Gleichzeitig mahnt der Experte zur Vorsicht beim Blick auf einzelne Mutationen: Die Abdeckung der jetzt veröffentlichten Sequenz sei noch recht dünn, einzelne Stellen im Erbgut entsprechend unsicher. Für wirklich belastbare Detailaussagen brauche es weitere Sequenzen, höhere Datenqualität - und Zeit.

Der Chef des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI) sieht keine Gefahr für die Bevölkerung. Das Virus könne Menschen sehr krank machen, sagte Lars Schaade am Sonntagabend im ZDF-„heute journal“. „Aber die gute Nachricht ist eigentlich, das ist kein Virus, das sich verbreitet. Und insofern kann ich, glaube ich, sagen: Ich sehe eigentlich keine Gefährdung für die Bevölkerung in Deutschland und auch keine Pandemie-Gefahr.“

Mit Blick auf den dieser Tage oft gezogenen Vergleich mit dem Coronavirus sagte Schaade: „Das ist ein ganz anderes Virus, und die Gefahr ist überhaupt nicht vergleichbar.“ Man kenne das Virus schon sehr lange und könne es deshalb sehr gut einschätzen. Das Coronavirus sei damals ein neues Virus mit spezifischen Eigenschaften gewesen. „Hier haben wir ein Virus, das wir seit 31 Jahren kennen.“

Verwendete Quellen: kst, mit dpa