Weil es auf der Autobahn geboren wurdeBürokratie-Wahnsinn! Baby existiert für den Staat drei Jahre lang nicht

Cecilia bringt ihre Tochter auf der Autobahn zur Welt – deswegen gibt es keinen Geburtsort.
Cecilia bringt ihre Tochter auf der Autobahn zur Welt – deswegen gibt es keinen Geburtsort. (Symbolbild)
gettyimages/Olena Malik

Drei Jahre lang lebt die Kleine ohne Identität, ohne Rechte.
Cecilias Tochter kommt auf der Autobahn zur Welt und verschwindet danach in der Unsichtbarkeit der Bürokratie. Nur weil es keinen Geburtsort gibt, existiert sie für den Staat nicht.

Baby wird auf der Autobahn geboren

Es ist mitten in der Nacht, als Cecilia die ersten Wehen spürt. Sie ist im achten Monat schwanger, hat bereits drei Kinder und glaubt zu wissen, wie viel Zeit ihr bleibt. Doch diesmal ist alles anders. Der Krankenwagen kommt zu spät. Ihre Tochter wird geboren, noch bevor sie das Krankenhaus erreicht – auf einer Autobahn zwischen Malgrat und Tordera an der katalanischen Küste (Spanien).

Doch viel schlimmer als die Blitzgeburt ist der bürokratische Albtraum danach. Denn das Neugeborene bekommt keine Geburtsurkunde. „Im Bericht stand nur ‚Autobahn‘ als Geburtsort – das hat nicht ausgereicht, um sie anzumelden“, erzählt Cecilia im katalanischen Sender 3Cat.

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Drei Jahre lang ohne Identität

Drei Jahre lang existiert das Kind für den Staat nicht. Kein Kindergartenplatz, keine Krankenversicherung, keine staatlichen Hilfen. „Es war, als gäbe es sie gar nicht”, meint Cecilia. Medikamente muss sie selbst zahlen. Nur durch das Verständnis einzelner Ärzte bekommt das kleine Mädchen die Behandlung, die sie braucht – auch, als sie sich mit dem Cytomegalovirus infiziert, ein Virus aus der Herpesfamilie, der bei Babys schwere Organschäden verursachen kann. „Wenn sie krank wurde, musste ich improvisieren – niemand hätte mir helfen können“, sagt die Mutter.

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Die Wende nach unzähligen Anläufen

Cecilia klappert Krankenhäuser ab, spricht mit Standesbeamten, wendet sich an das Sozialamt. Immer wieder wird sie abgewiesen. „Erst vor Kurzem konnte ich die letzten nötigen Papiere einreichen”, erzählt sie 3Cat. Es sind Jahre voller Verzweiflung, doch sie gibt nicht auf.

Und Freitag (4. April) ist es endlich so weit: Cecilia darf ihre Tochter offiziell registrieren. Ein Stück Papier, das für andere selbstverständlich ist, wird für sie zum Symbol von Freiheit und Sicherheit. „Endlich gibt es ein Licht am Ende dieses dunklen Weges.” (nha)