Minikameras und clevere TricksDreist! So schummeln Betrüger bei der Führerscheinprüfung

ILLUSTRATION - 16.04.2025, Berlin: Eine Frau beantwortet in Berlin eine Frage der theoretischen Prüfung des Führerscheins. (Gestellte Szene). Neben ihr liegt ein Zettel, der auf die Videoüberwachung und das Nutzungsverbot von Smartphones hinweist. (zu dpa: «Mit Mini-Kamera zum Führerschein: Betrug auf Rekordniveau») Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
"Organisierter Prüfungsbetrug ist kein Kavaliersdelikt", warnte der Tüv-Verband.
Sebastian Gollnow/dpa

Mit kleinen Kameras, Kopfhörern oder einem Doppelgänger: Die Betrugsfälle bei der theoretischen Fahrprüfung nehmen zu. Gut jeder zweite Versuch sei professionell organisiert, sagt der Tüv-Verband.

Versteckte Ohrhörer, Minikameras oder sogar Doppelgänger: Bei der Führerscheinprüfung wird immer raffinierter betrogen. 4239 Täuschungsversuche sind im vergangenen Jahr bei theoretischen Prüfungen registriert worden. Das geht aus den Daten des Tüv-Verbands hervor. Damit bleibt der Prüfungsbetrug nach starken Zuwächsen in den Vorjahren ein Problem (2023: 3759 Fälle, 2024: 4198).

„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich der Prüfungsbetrug nach einem starken Anstieg in den Vorjahren auf einem hohen Niveau stabilisiert“, sagte Fani Zaneta vom Tüv-Verband. Zugleich gebe es vermutlich ein großes Dunkelfeld, da nur ein Teil der Täuschungen entdeckt werde.

Auffällig ist der Einsatz technischer Hilfsmittel: In mehr als jedem dritten Fall (36 Prozent) kamen etwa Mini-Kameras oder kaum sichtbare Ohrhörer zum Einsatz. Auch Doppelgänger sind keine Seltenheit: In weiteren Fällen legten sogenannte Stellvertreter die Prüfung ab. Insgesamt sei inzwischen gut jeder zweite Betrugsversuch (52 Prozent) professionell organisiert, so der Tüv-Verband.

Oftmals seien weitere Personen involviert, die den Prüfling „technisch unterstützen, aus der Ferne Lösungen übermitteln oder sich als Fahrschüler ausgeben“, so Zaneta. Dafür sei auch entsprechendes technisches Know-how notwendig, um bestimmte Betrugsmaschen durchführen zu können.

In 44 Prozent der Fälle wurde den Angaben zufolge mit dem klassischen Spickzettel geschummelt. Besonders häufig betroffen ist vor allem die Pkw-Prüfung (4052 Fälle).

Berlin verzeichnet im Bundesländervergleich den stärksten Anstieg - ein Zuwachs gegenüber dem Vorjahr um rund 25 Prozent. In kleineren Bundesländern lagen die Zahlen deutlich niedriger.

„Organisierter Prüfungsbetrug ist kein Kavaliersdelikt“, warnte der Tüv-Verband. Wer sich den Führerschein erschleiche, dem fehlten wichtige Kenntnisse im Straßenverkehr: „Wer bei der theoretischen Fahrprüfung täuscht, bringt sich und andere in Gefahr.“ Der Verband fordert strengere Maßnahmen gegen organisierten Betrug.

Verwendete Quellen: lno/dpa