Interne Fehde bei HilfsaktionWal-Rettung im Chaos! Retter streiten live auf Facebook

Helfer sind direkt am Buckelwal vor der Insel Poel im Einsatz und bespritzen das Tier mit Wasser. Der Wal liegt an der gleichen Stelle wie am Vorabend. Eine privaten Initiative versucht seit Tagen den Wal zu retten.
Helfer befeuchten weiter den Rücken des Tieres.
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Vom gestrandeten Wal gibt es wenig Neues - dafür sorgt inzwischen das Umfeld für allerlei Aufsehen. Die Initiative ist im Stimmungstief, erste Mitglieder setzen sich ab. Andere mühen sich weiter mit der Rettung. Der Minister lobt inzwischen die DLRG.

Im andauernden Drama um den vor der Ostseeinsel Poel liegenden Buckelwal zeichnet sich weiterhin kein Durchbruch ab. Zudem zog am heutigen Tag vor allem die selbsternannte Rettungsinitiative die Aufmerksamkeit auf sich. Nach der gescheiterten Hilfsaktion vom Vortag verließen mehrere Teammitglieder - darunter zwei Tierärzte - die private Initiative, teils nur zeitweise. Offenbar schon aus dem Flugzeug beklagte sie sich in einem länglichen Facebook-Post über andere Teilnehmer der Initiative

Derweil verharrt das Tier weiter im flachen Wasser vor Poel, während eine Privatinitiative ihre Rettungsarbeiten fortsetzte. Helfer spülten angesichts des niedrigen Wasserpegels unter anderem mit einem Schlauch Sand weg, um eine tiefere Mulde für den Wal zu schaffen und ihn zu stabilisieren. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus. „Wir arbeiten daran, dass wir diesem Tier helfen.“ Der Wal sei aber nach wie vor „ein kranker Patient“ und ziemlich kurzatmig.

Im Laufe des Abends soll nun versucht werden, dem Wal eine „Animationsfütterung“ anzubieten. Dabei gehe es um zweieinhalb Kilogramm Makrele. Normalerweise nehme ein Wal etwa eine Tonne Nahrung am Tag auf, erklärte Backhaus. Von den Makrelen werde ein sogenanntes Rückstellmuster einbehalten - also eine Probe für etwaige spätere Untersuchungen.

Backhaus zufolge gibt es zudem die Idee, sogenannte Big Bags, mit Sand gefüllte große Kunststoffsäcke, hinter den Wal zu stellen, damit er nicht weiter in flaches Wasser rutscht. Eine Prognose für die Rettungsversuche könne er nicht abgeben, sagte der Minister. In der vergangenen Nacht habe sich das Tier infolge des Drucks von Wind und Wellengang etwa 80 Meter im „Rückwärtsgang“ bewegt. „Er braucht ja nicht viel, um in tieferes Wasser zu kommen.“ Die Idee für das Setzen der Bigpacks kam dem Minister zufolge von Helfern der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), die inzwischen eine Leitungsfunktion innerhalb der privaten Wal-Rettungsaktion eingenommen habe. „Sie hat eine Struktur geschaffen, mit der wir gut arbeiten können.“

Am Montag hatte das notleidende Tier nach drei Wochen weitgehender Regungslosigkeit überraschend seine bisherige Position in einer seichten Bucht vor der Insel Poel verlassen. Allerdings lag es wenig später erneut auf einer Sandbank in flachem Wasser fest. Backhaus sprach von einer Strecke von acht Kilometern, die das Tier zurückgelegt habe. Inzwischen soll das Tier mit einem Sender versehen sein - Einzelheiten dazu müsse die Initiative aber erst noch erklären.

Wie in Bildern von Liveübertragungen zu sehen war, atmete er noch und bewegte sich ab und an. Wegen des gesunkenen Pegels liegt der Körper zu erheblichen Teilen oberhalb der Wasseroberfläche, was wegen des Drucks seines Eigengewichts gefährlich werden könnte. Helfer benetzten den Wal per Hand, mit Paddel, Schlauch sowie Eimer mit Wasser. Mit langen Schläuchen und einem Wasserstrahl spülten sie zudem Sand unter und um den Wal herum weg, damit er tiefer im Wasser liegt. Auch eine Arbeitsplattform mit Bagger war in dem hüfthohen Wasser im Einsatz und spülte Sand weg.

Der Wal kam mit seinem Freischwimmversuch am Montag einer seit Tagen vorbereiteten Rettungsaktion durch eine von zwei Unternehmern finanzierte Privatinitiative zuvor, die das anscheinend orientierungslose Tier mit einem System aus Luftkissen und Pontons anheben und bis in Nordsee oder Atlantik schleppen will. Das sollte ein letzter Hilfsversuch für den bereits mehrfach gestrandeten Wal sein, der von Behörden und zahlreichen hinzugezogenen Experten praktisch schon aufgegeben worden war.

Der Wal wurde erstmals am 3. März im Hafen von Wismar beobachtet und irrt seither vor der deutschen Ostseeküste umher. Er strandete dabei mehrfach vor Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, zuletzt kam er in einer Seitenbucht vor der Insel Poel bei Wismar fest. Es ist unklar, warum das ungefähr vier bis fünf Jahre alte Tier in die für ihn als Lebensraum ungeeignete Ostsee geriet und was ihm fehlte.

Verwendete Quellen: jwu/dpa/AFP