Energie-CheckHohe Stromrechnung trotz Wärmepumpe? Das steckt wirklich dahinter

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Wenn die Stromrechnung alles andere als erfreulich ist.
istock/Visions

Viele Haushalte sind überrascht, wenn die Stromrechnung höher ausfällt als erwartet.
Liegt das an der Wärmepumpe oder an ganz anderen Faktoren? Oft spielen Gebäudestandard, Nutzerverhalten und Tarifwahl eine größere Rolle. Ein Faktencheck.

Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe wirklich?

Eine Wärmepumpe ist keine reine Stromheizung, sondern nutzt Umweltenergie aus Luft, Wasser oder Erdreich. Je nach System kann sie aus einer Kilowattstunde Strom mehrere Kilowattstunden Heizenergie erzeugen. Bis zu 80 Prozent der Energie, die man braucht, kann dabei aus der Umwelt (Luft, Wasser, Erde) bezogen werden.

Das bedeutet: ein großer Teil der Wärme kommt kostenlos aus der Umwelt, und nur ein vergleichsweise kleiner Anteil muss elektrisch erzeugt werden. Trotzdem benötigt der Kompressor Strom, um die Energie „hochzupumpen“.

Warum die Stromrechnung dann trotzdem hoch ist

Oft hat die Wärmepumpe selbst keine Schuld an hohen Kosten. Vielmehr hängt der Verbrauch von mehreren Faktoren ab. Entscheidend ist vor allem der energetische Zustand des Gebäudes. In schlecht gedämmten Altbauten geht viel Wärme verloren, sodass die Anlage deutlich mehr arbeiten muss, um die gewünschte Raumtemperatur zu halten. In gut isolierten Neubauten dagegen arbeitet eine Wärmepumpe wesentlich effizienter. Auch das persönliche Heizverhalten spielt eine wichtige Rolle: Wer dauerhaft hohe Raumtemperaturen wählt, große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht einstellt oder sehr heißes Warmwasser bevorzugt, treibt den Stromverbrauch spürbar in die Höhe.

Hinzu kommt die Art der installierten Anlage. Luft-Wärmepumpen reagieren beispielsweise empfindlicher auf sehr niedrige Außentemperaturen als Erd- oder Grundwasser-Wärmepumpen und benötigen dann mehr Strom. Nicht zuletzt beeinflusst auch der Stromtarif die Kosten. Wer keinen speziellen Wärmepumpenstrom nutzt oder einen vergleichsweise teuren Vertrag hat, zahlt trotz effizienter Technik unter Umständen deutlich mehr. Und auch falsche Einstellungen bei Thermostaten, fehlende Wartung oder zusätzliche stromintensive Geräte im Haushalt können die Gesamtbilanz verschlechtern.

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So findet man heraus, ob doch die Wärmepumpe schuld ist

Wer klären will, ob die Anlage tatsächlich der Grund für die hohe Stromrechnung ist, sollte zunächst einen Blick auf die Verbrauchsdaten werfen. Viele moderne Wärmepumpen verfügen über ein integriertes Display oder eine App, die den Stromverbrauch und die erzeugte Wärmemenge anzeigen. Entscheidend ist die sogenannte Jahresarbeitszahl (JAZ) oder Leistungszahl (COP): Sie gibt an, wie effizient die Anlage arbeitet. Liegt der Wert deutlich unter den Erwartungen des Herstellers oder unter etwa 3, kann das auf ein Problem hindeuten.

Auch ungewöhnlich lange Laufzeiten, häufiges Ein- und Ausschalten (Takten) oder auffällig hohe Vorlauftemperaturen sind Warnsignale. In solchen Fällen empfiehlt sich eine Überprüfung durch einen Fachbetrieb. Dieser kann Einstellungen kontrollieren, die Hydraulik prüfen und feststellen, ob die Anlage korrekt dimensioniert wurde. Erst wenn hier Auffälligkeiten auftreten, ist tatsächlich von einem technischen Problem auszugehen. In vielen Fällen liegen die Ursachen jedoch außerhalb der Wärmepumpe selbst.

Darauf sollte man beim Kauf einer Wärmepumpe achten

Beim Kauf einer Wärmepumpe lohnt es sich, genau hinzuschauen, denn die richtige Wahl kann den Stromverbrauch spürbar reduzieren. Zunächst ist die Effizienz des Geräts ein zentraler Faktor: Eine hohe Jahresarbeitszahl (JAZ/SCOP) zeigt, wie viel Wärme pro eingesetzter Kilowattstunde Strom erzeugt wird. Werte von 4,0 oder höher sind besonders effizient und sorgen für geringere Betriebskosten. Auch die Art der Wärmepumpe beeinflusst den Strombedarf. Erdwärme- oder Wasserwärmepumpen arbeiten in der Regel effizienter als einfache Luft-Wärmepumpen, weil sie ganzjährig stabilere Wärme aus dem Erdreich oder Grundwasser nutzen können.

Neben dem Gerät selbst spielt auch die Gebäudeplanung eine Rolle. Eine Wärmepumpe arbeitet am effizientesten, wenn sie mit niedrigen Vorlauftemperaturen betrieben wird, etwa über eine Fußbodenheizung oder große Flächenheizkörper, anstatt über alte Radiatoren. So muss das System weniger stark „hochpumpen“ und verbraucht weniger Strom.

Das Umweltbundesamt erklärt weiterhin, dass die Effizienz einer Wärmepumpe entscheidend für die späteren Betriebskosten ist und stark von Planung und Auslegung abhängt.

Fazit

Eine hohe Stromrechnung lässt sich nicht pauschal auf die Wärmepumpe zurückführen. Gebäudestandard, Heizverhalten und Stromtarif spielen oft eine größere Rolle als die Wärmepumpentechnik selbst. Wer hier optimiert, beispielsweise durch bessere Dämmung, effiziente Einstellungen oder angepasste Tarife, kann seinen Verbrauch deutlich senken. Um die Risiken unnötig hoher Stromkosten zu senken, sollte man bereits beim Kauf der Wärmepumpe genau hinschauen.