10, 15 oder 20 Prozent für den Schuhverkäufer? Geschäftsführer verteidigt neue Trinkgeld-Strategie in seinen Schuhgeschäft-Filialen

 Marc Leinweber ist Geschäftsführer der AS-Gruppe.
Marc Leinweber ist Geschäftsführer der AS-Gruppe.
RTL/Nele Balgo

Sollte man nach dem Kauf in einem Geschäft Trinkgeld geben?
In der Gastronomie ist es Standard und auch Dienstleistungen, die zum Beispiel ein Friseur erbringt, werden oft mit einer Extra-Summe honoriert. (Noch) nicht üblich ist Trinkgeld dagegen beim Einkaufen. Ein Berliner Unternehmen will das jetzt ändern: In dessen Schuhgeschäften gibt es seit Kurzem die Möglichkeit, dem Verkäufer oder der Verkäuferin Trinkgeld zu geben. Im Gespräch mit RTL erklärt einer der Geschäftsführer der Schuhhandels-Kette AS-Gruppe dieses ungewöhnliche Modell.

Das ist neu: Trinkgeld in einem Schuhgeschäft

In ihrer „Stern”-Kolumne schrieb zunächst Politik-Chefreporterin Miriam Hollstein von ihrer Entdeckung: In einem Schuhgeschäft wollte sie den Kaufbetrag für ihre erworbenen Schuhe auf dem Kartelesegerät bestätigen. Dann die Überraschung: Sie wurde nach Trinkgeld gefragt. 10, 15 oder gar 20 Prozent seien die Optionen zur Auswahl gewesen.

Ein Berliner Schuhgeschäft fragt Kunden nach Trinkgeld.
Ein Berliner Schuhgeschäft fragt Kunden nach Trinkgeld.
RTL/Nele Balgo

Sie habe auf „Nein” getippt, erklärte sie weiter und führte aus: „So freundlich der Verkäufer war, am Ende hat er seinen Job gemacht. Für den er bezahlt wird. Warum sollte ich für eine Selbstverständlichkeit Trinkgeld geben?”

RTL macht daraufhin selbst den Test in dem besagten Schuhgeschäft in Berlin. Und als wir die Socken bezahlen wollen, bekommen wir ebenfalls auf dem Kartenlesegerät die Trinkgeld-Optionen angezeigt – hier mit den Auswahlmöglichkeiten 3, 5 und 7 Prozent, wie unser Foto zeigt. Auf Nachfrage erklärt die Verkäuferin, dass das neu sei und betont: „Sie können aber auch auf ,Nein’ drücken.” Wir haben die Socken selbst ausgesucht und sind nicht beraten worden.

Neues Bezahl-Modell auf freiwilliger Basis

Die Freiwilligkeit ist ein Aspekt, der auch Marc Leinweber sehr wichtig ist. Er ist Schuheinzelhändler und bildet zusammen mit seinem Bruder die Geschäftsführung der AS-Gruppe, die in ihren Schuhgeschäften die Möglichkeit eingeführt hat, Trinkgeld geben zu können.

Im Schuhgeschäft weist ein Schild auf die Trinkgeld-Option hin.
Im Schuhgeschäft weist ein Schild auf die Trinkgeld-Option hin.
RTL/Nele Balgo

Außerdem erklärt er: „Wir haben uns die Frage gestellt, warum in anderen Bereichen, wie in der Gastro, Trinkgeld selbstverständlich ist, aber nicht im Handel.” In seinen Augen sollte es auch im Handel die Möglichkeit geben, den Service-Beitrag, zum Beispiel in Form einer Beratung, honorieren zu können.

Deshalb gibt es seit dem 1. April in allen 53 Läden der Schuhhandels-Kette die Möglichkeit, Trinkgeld zu geben - und das bundesweit.

Lese-Tipp: Wie viel Trinkgeld ist angemessen?

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Trinkgeld im Schuhgeschäft: Top oder Flop?

Aber wie kommt das Trinkgeld-Angebot bei den Kundinnen und Kunden an? „Es gibt den kompletten Blumenstrauß an Reaktionen”, lautet das Fazit von Marc Leinweber. Die meisten würden es nicht kommentieren, es gebe Zustimmung wie auch Ablehnung gegenüber der Neuerung in seinen Geschäften.

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Und zum Schluss versichert er: Das Trinkgeld, das zusammenkommt, werde unter der Belegschaft der jeweiligen Filiale aufgeteilt.

Ob 10, 15, 20 Prozent oder gar nichts – das muss jede Kundin und jeder Kunde am Ende für sich selbst entscheiden!

Verwendete Quellen: Stern, eigene RTL-Recherchen