Zum Fall Daniel Küblböck: Was passiert eigentlich beim Ertrinken?

Ertrinken bedeutet zu ersticken.
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11. Oktober 2019 - 12:18 Uhr

Dramatisch: der Fall Daniel Küblböck

Zehn Grad soll die Wassertemperatur betragen, an der Stelle, wo der Sänger Daniel Küblböck über Bord der "AIDAluna" gegangen sein soll. Seenotretter haben alles gegeben, um den 33-Jährigen kurz vor Neufundland in der Labradorsee im Atlantik zu finden. Doch ohne Erfolg – die Suche wurde nach mehr als 24 Stunden abgebrochen. Die Retter sahen keine Hoffnung mehr, den Sänger zu finden. Dass er noch lebt, ist so gut wie ausgeschlossen. Aber was passiert eigentlich, wenn man ins Wasser stürzt und ertrinkt?

Ertrinken bedeutet zu ersticken

Medizinisch wird unter Ertrinken verstanden, in ein flüssiges Medium unterzutauchen, das dazu führt, dass ein Sauerstoffmangel auftritt, erklärt Dr. Ulrich Jost von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Der akute Sauerstoffmangel führt zu einer Verkrampfung der Stimmritze des Kehlkopfs. Die ist so nicht mehr imstande, das Einatmen von Flüssigkeit in die Atemwege zu verhindern – der Mensch droht zu ersticken.

"Viele, die es überleben, können sich nicht daran erinnern"

Wer Ertrinken überlebt (medizinisch ist dann vom Beinahe-Ertrinken die Rede), erleidet häufig schwere Hirnschäden – hervorgerufen durch einen Sauerstoffmangel im Gehirn. "Viele, die es überleben, können sich nicht daran erinnern, weil sie bewusstlos waren", weiß Jost.

Im Fall Küblböck wird nicht mehr davon ausgegangen, dass Daniel den Sprung von der "AIDAluna" überlebt hat. Auch schon der Aufprall in ein Gewässer kann laut Jost gefährlich sein. Wer aus 20 Metern Höhe ins Wasser fällt, kann sich Brüche zuziehen und es kann zu Verletzungen innerer Organe kommen, sagt der Mediziner.

Hinzu kommt die Temperatur des Gewässers: Bei einer Wassertemperatur von zehn Grad kann bereits nach 20 Minuten die Muskulatur so fest werden, sodass man nicht mehr imstande ist, sich zu bewegen oder etwa nach einem Rettungsreifen zu greifen, erklärt Jost. Der Körper verkrampft durch die Kältestarre regelrecht.

Daniel Küblböck gilt weiter als vermisst

Wie es genau zu Daniel Küblböcks Verschwinden gekommen ist, wird nun mithilfe eines Überwachungsvideos des Schiffes durch die kanadische Polizei ermittelt. Für tot erklärt wird der Sänger wegen des Verschollenheitsgesetzes nicht. Er gilt weiterhin als vermisst.

Wenn Sie Selbstmord-Gedanken haben, wenden Sie sich bitte sofort an die Telefonseelsorge (www.frnd.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erreichen Sie Menschen, die Ihnen die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.