Seine 250.000-DM-Frage bringt heute nur noch 1000€

Zeitreise mit Peter Kloeppel: So war das damals bei "Wer wird Millionär?"

9. September 2019 - 0:01 Uhr

Beim "Wer wird Millionär"-Jubiläum galten andere Regeln

20 Jahre "Wer wird Millionär?": In der Jubiläumsfolge wurden nur Fragen gestellt, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten bereits gestellt wurden. Dass die Fragen jedoch immer auch einen aktuellen Bezug haben, musste Kandidatin Julia Abspacher feststellen: Ihr wurde die Frage "Welcher englische Fachbegriff bezeichnet den Psychoterror abgewiesener Liebender?" gestellt, die sie ohne Probleme beantworten konnte. Moderator Günther Jauch erzählte anschließend, dass diese Frage Peter Kloeppel im Jahr 2000 für 250.000 DM gestellt wurde.

Grund genug bei Peter Kloeppel einmal nachzufragen, wie das damals war bei seinem ersten "Wer wird Millionär"-Auftritt.

Von Peter Kloeppel

​​Es war die erste Folge der Prominenten-Specials von "Wer wird Millionär". Die Sendung war zu diesem Zeitpunkt schon extrem erfolgreich, insofern wundere ich mich heute noch über meinen Mut, mich Günther Jauch, seinen Fragen und einem Millionen-Publikum zu stellen. Das konnte leicht ins Auge gehen, wenn einem bei der (damals noch) 500-DM-Frage vielleicht schon ein Blackout ereilte. Ich hatte das selber schon oft genug in der Sendung gesehen und sagte mir immer wieder: "Du musst es mindestens bis zur 1.000-DM-Frage schaffen. Konzentrier' Dich!".

Das Ziel: Viel Geld für die Stiftung RTL „Wir helfen Kindern“ gewinnen

Ich brachte meine Frau Carol mit ins Studio, die mindestens genauso nervös war wie ich, und los ging's. Mit mir eingeladen waren Hella von Sinnen, Katy Karrenbauer, Ottfried Fischer und Harald Schmidt. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich drankam, ich glaube als Zweiter, und war froh, als ich endlich auf dem Stuhl gegenüber von Jauch saß. Alles erschien vertraut: die Musik, die Lightshow, der Bildschirm vor mir — bis auf die Tatsache, dass ICH jetzt plötzlich der Kandidat war, auf den sich alle Augen richteten. Vorm Fernseher daheim konnte man sich gemütlich zurücklehnen und miträtseln. Hier konnte ich alles andere als entspannt sein, schließlich ging es auch um viel Geld für die Stiftung RTL "Wir helfen Kindern", und da wollte jeder ordentlich was rausholen.

Peter Kloeppel (l.) und Günther Jauch (r.).
Peter Kloeppel (l.) schwitzt auf dem "heißen Stuhl" von Günther Jauch (r.).
© RTL (Kommunikation)

Kleiner Wackler bei Sport-Frage

Zum Glück fiel die Nervosität schnell von mir ab, die 1.000-DM-Klippe konnte ich glücklich erreichen und umschiffen, und weiter ging's. Wackelig war ich zum ersten Mal bei einer Sport-Frage: Mein Telefon-Joker (ein Kollege aus der Sport-Redaktion) half mir, als ich nicht wusste, für welches Land Andre Agassis Vater bei den Olympischen Spielen teilnahm (Iran).

Die 250.000-DM-Frage: Kennt jemand "Stalking"?

Und als die 250.000-DM-Frage kam war ich erleichtert: ja, ich wusste, was der englische Begriff für den "Psychoterror abgewiesener Liebender" ist: Stalking. Damals wurde das Wort noch eher selten benutzt in Deutschland, ich kannte den Begriff aber schon länger aus dem englischen Sprachraum. Nächste Hürde genommen!

Viktoria Kranz, Peter Kloeppel, Günther Jauch (v.l.n.r.)
Kandidatin Julia Abspacher (l.) gewinnt mit einer Frage, die im Jahr 2000 Peter Kloeppel (m.) gestellt wurde, 1000 Euro.
© TVNOW

Für 500.000 DM ging es linksherum

Und weiter zur 500.000-DM-Frage: In welchen Ländern gibt es keinen Linksverkehr? Unter anderem wurde Südafrika genannt, ich sagte ganz entschlossen: "Ich war in keinem dieser Länder", bis mir plötzlich siedend heiß einfiel - natürlich war ich schon mal dort, nur acht Jahre zuvor. Trotzdem: auch da die richtige Antwort (Island) gefunden. Puuh!

90% reichen nicht aus

Aber die Millionenfrage danach, die werde ich nie mehr im Leben vergessen. Die Antwort auch nicht. Also: "Wie heißt der längste Wurm der Welt? A: Appendix maximus. B: Longus spiralus. C: Lineus longissimus. D: Serpens amazonicus." Ich dachte mir: für irgendwas muss ein Großes Latinum ja gut sein, also schloss ich A und D aus. Denn: Serpens heißt Schlange, und Appendix ist der Anhang, gemeinhin auch als Wurmfortsatz am Blinddarm bekannt. Also mussten es B oder C sein - den 50:50-Joker hatte ich aber schon vorher verballert. Meine heftige Tendenz ging zu Lineus longissimus, wörtlich übersetzt "längster Faden". Das hätte auch Sinn ergeben, aber ich war mir halt nur zu 90 Prozent sicher. Und hörte deshalb lieber mit einer sicheren halben Million auf. Bloß nichts riskieren, um dann blamiert nach Hause zu gehen!

Peter Kloeppel (l.) und Günther Jauch (r.).
Peter Kloeppel (l.) gewinnt 500.000 DM bei Günther Jauch (r.), der ihm herzlich gratuliert.
© RTL (Kommunikation)

Was haben diese Promis wirklich auf dem Kasten?

Nach der Sendung war ich vor allem erleichtert. Mein Gedächtnis hatte mich nicht im Stich gelassen. Nicht vorbereitet war ich auf die Reaktionen der Zuschauer an den Tagen nach der Ausstrahlung. Man stelle sich das vor: Ende 2000 hatte ich schon mehr als acht Jahre lang RTL Aktuell moderiert, mit im Schnitt rund vier Millionen Zusehern - aber nie wurde ich beim Einkaufen oder auf offener Straße so oft auf eine Sendung angesprochen wie auf diese erste Ausgabe von Promi-WWM. Da zeigte sich die riesige Popularität der Show: ich glaube, rund zehn Millionen Menschen hatten an dem Abend eingeschaltet um herauszufinden: was haben diese Promis wirklich auf dem Kasten?