Workout auch mit Babybauch – Estefanía ist Crossfit-Trainerin und schwanger

© Privat: Estefanía Valles Fernández

6. September 2018 - 12:46 Uhr

Von Ulrike Doose

Crossfit-Training und Schwangerschaft, das sind nicht unbedingt zwei Dinge, die man miteinander in Verbindung bringt. Schließlich zählt Crossfit zu einem der härtesten Workouts überhaupt. Als Schwangere hört man hingegen eher Sätze wie "Nicht so schwer heben" oder "Du musst dich schonen". Estefanía ist schwanger, Crossfit-Trainerin und weiter aktiv dabei.

"Ich bin schwanger, nicht krank"

Der Babybauch hat den Sixpack langsam verdrängt, trotzdem würde Estefanía Valles Fernández aus Düsseldorf beim Training glatt noch den einen oder anderen Mann in die Tasche stecken. Scheinbar mühelos zieht sie sich selbst im 6. Schwangerschaftsmonat noch an den Ringen hoch und nennt ihren Bauch liebevoll ihr "natürliches Zusatzgewicht".

"Ich bin schwanger und nicht krank", sagt die Düsseldorferin und lacht. Sie trainiert fünf- bis sechsmal die Woche und fühlt sich super dabei – jedenfalls, seit die morgendliche Übelkeit vorbei ist. Auch mit Gewichten trainiert die 37-Jährige, die auch Heilpraktikerin und Osteopathin ist. Ihre Erfahrungen teilt sie auch in den sozialen Netzwerken und ihrem Blog. Bei vielen löst der Anblick einer Schwangeren beim Krafttraining jedoch eher Unbehagen aus.

"Am ehesten sprechen mich Männer darauf an, wie lange das denn überhaupt noch geht und ob das gut fürs Baby ist", erzählt Estefanía.

Viele Frauen wollen in der auch Schwangerschaft Crossfit betreiben

Vor allem in den USA, wo der Sport herkommt, ist Crossfit in der Schwangerschaft schon länger ein Thema. So gibt es schon zahlreiche Empfehlungen zum Training in anderen Umständen. Doch in den sozialen Netzwerken sorgen Postings von werdenden Müttern beim Workout immer wieder für heiße Diskussionen, Anfeindungen und sogar regelechte Shitstorms. Vor allem den sehr sportlichen Frauen wird vorgeworfen, sie seien egoistisch, würden ihrem Fitnesswahn Vorzug vor dem Kind geben oder gar das Leben des Ungeborenen gefährden.

Estefanía hat allerdings nur wenige Vorbehalte. Schon bevor sie selbst schwanger wurde, hat sie sich viel mit dem Training mit Babybauch beschäftigt. Denn im Düsseldorfer Studio "Crossfit 0211", das sie mit ihrem Lebensgefährten zusammen betreibt, machen viele Frauen auch mit Babybauch weiter.

"Die meisten haben bis zum Ende ihrer Schwangerschaften hier weitertrainiert. Sie hatten völlig komplikationsfreie Schwangerschaften und Geburten und gesunde Kinder."

Sport in der Schwangerschaft – was ist erlaubt?

Tatsächlich zeigen zahlreiche Studien, dass "moderater" Sport in der Schwangerschaft positive Auswirkungen auf Mutter und Kind hat. Die Untersuchungen ergaben, dass sportlich aktive Schwangere meist weniger körperliche Beschwerden haben und die Geburten oft unkomplizierter verlaufen, erklärt die Deutsche Sporthochschule in Köln. Hier gibt es einen Arbeitskreis Sport und Schwangerschaft, der Empfehlungen für werdende Mütter gibt.

Wichtig sei es, den Sport moderat auszuführen, sich also dabei nicht zu überfordern und nicht an seine Leistungsgrenzen zu gehen. Wer sich dabei noch locker unterhalten kann und nicht aus der Puste gerät, läuft nicht Gefahr, sich zu überfordern.

Sportarten, die man auch vor der Schwangerschaft schon betrieben hat, können in der Regel weitergemacht werden – wenn auch weniger intensiv. Aber eine werdende Mutter sollte nicht unbedingt mit dem Joggen anfangen, wenn sie vorher eher unsportlich war. Von Kontaktsportarten wird abgeraten.

"Es geht mehr, als man denkt"

Nun lässt sich darüber streiten, ob Crossfit ein "moderater" Sport ist. Doch er lässt sich zumindest so gestalten. Estefanía beherzigt den gleichen Rat, den sie ihren Teilnehmerinnen gibt: auf den eigenen Körper zu hören und nicht zu übertreiben. Einige Übungen sind ihr selbst zu ruppig, sie hat Gewichte reduziert und geht nicht mehr an ihre Leistungsgrenze. Ihre Ärzte haben ihr sogar geraten, nicht in der Schwangerschaft mit ihrem Sport aufzuhören. Doch von vielen Frauen hört sie Gegenteiliges.

"Es ist unglaublich, dass immer noch Ärzte den Rat geben, nicht mehr als fünf Kilo zu heben. Was machen denn Schwangere mit einem älteren Kind, die müssen das doch auch noch auf den Arm nehmen", sagt sie. Mit ihrem Blog will sie daher auch mit Ammenmärchen aufräumen, die Frauen verunsichern.

"Ich spreche nicht davon, alles kopflos und unreflektiert weiterzumachen. Aber es geht eben mehr, als man denkt!"

Trotzdem ist für Estefanía klar: Gibt es medizinische Komplikationen oder Anzeichen dafür, dass sie ihr Kind gefährdet, dann ist sofort Schluss.