„Tenebris In Lux“

William Maybelline bringt mit seinem Projekt QUAL ein neues Album heraus

William Maybelline
© Alice Russo / Alice in Flower

17. Februar 2021 - 14:15 Uhr

William Maybelline im Interview

Von Mirjam Wilhelm

QUAL ist das Solo-Projekt des Musikers William Maybelline von Lebanon Hanover. Am 1. März kommt das neue Album mit dem Titel "Tenebris In Lux". Ein sehr düsteres Album, das Maybellines Grundstimmung während des ersten Corona-Lockdowns ausdrückt. Im Interview mit RTL erzählt der Künstler unter anderem, was für ihn das Schlimmste bisher am Lockdown war und wie er selbst die Stimmung des Albums empfindet.

Du hast neulich erwähnt, dass das neue Album "Tenebris In Lux" während des ersten Lockdowns geschrieben wurde, während du eine "dystopische Angst" empfunden hast. Kannst du dieses Gefühl genauer beschreiben? Was war die schlimmste Erfahrung, die du während des ersten Lockdowns gemacht hast?

William Maybelline: Ich hatte plötzlich das Gefühl, eines großen Teils meiner Existenz beraubt worden zu sein. Dazu kam ein großer Herzschmerz, der Schmerz darüber nachzudenken, dass wir alle in einer großen Gefahr wegen dieses Mega-Virus sind. Es war wie in einer Science-Fiction-Geschichte über so eine Pandemie, aber nun real! Gleichzeitig war ich abgestumpft, ich dachte nur, was zum Teufel…jede Bewegung zur Musik, alles fühlte sich an, als könnte es das letzte Mal sein. Das alles ist davon übrig und ich muss es alles rauslassen! Meine Kreativität beruhte auf einer Flut von Wahnsinn und sicherlich dystopischer Angst.

Hat dich der Lockdown bis jetzt mehr privat oder beruflich getroffen?

William Maybelline: Beides natürlich. Was ich als Musiker mache, hängt von meiner kompletten Stabilität ab. Wenn ich grundsätzlich nicht mit Musik arbeiten kann, funktioniert mein Körper nicht. Aber es ging einfach darum, zu bestehen, denn mein Hauptziel ist es, vorwärts zu kommen. So wie viele Künstler wissen, dass sie mit Musik durch Höhen und Tiefen kommen, auch in einer Pandemie. Natürlich müsste ich live spielen, um ein besseres Einkommen zu haben. Jetzt gebe ich mein Bestes, das neue Albumrelease auch ohne das zu überstehen.

Die Grundstimmung auf dem Album "Tenebris In Lux" ist sehr düster. Wenn du es jetzt hörst, nachdem es fertig ist – und wir sind immer noch im Lockdown – was fühlst du dann?

William Maybelline: Ich fühle immer noch die passende Stimmung darauf, als ob das Album eine theatralische Erzählung ist, ein Ambiente für die Gesamtsituation. Die Sache ist aber die, dass ich das auch ohne den Lockdown genauso empfinden könnte. Ich bin so ein Mensch.

„Tenebris In Lux“: Ein düsteres Lockdown-Album
„Tenebris In Lux“: Ein düsteres Lockdown-Album
© Maru

Der erste Song auf dem Album heißt "Don't Forget Your Smartphone", ein weiterer "VR Slaves". Mit Lebanon Hanover hast du den Track "Digital Ocean" geschrieben. Wie wichtig ist die digitale Welt für dich?

William Maybelline: Sie ist Mörder und Retter gleichzeitig. Man kann, wie man so schön sagt, heutzutage nicht mit und nicht ohne Digitalisierung leben. Ich meine nicht nur das Internet, sondern auch digitale Hardware und elektrische Geräte. Sie alle unterstützen mich, könnten mich gleichzeitig aber auch verändern. Ich habe noch einen weiteren Song über das Thema geschrieben, er heißt "Cyber Care". Darin geht es ebenfalls um die Idee von technologischem Hass und gleichzeitig Lust.

Inwiefern hat dich der Lockdown verändert? Siehst du manche Dinge jetzt aus einem anderen Blickwinkel?

William Maybelline: Ich kann nicht sagen, dass er mich sehr verändert hat. Ich gehe überraschenderweise weiterhin optimistisch durchs Leben. Natürlich ist mir klargeworden, dass sich Dinge in einem Moment dramatisch ändern können. Und auch wenn man etwas hat, das stetig vorangeht, kann es plötzlich kippen. Vielleicht, wenn irgendwann die Shows zurückkommen und wir zum normalen Leben zurückkehren, werde ich es mehr als früher genießen zu reisen, an verschiedenen Events teilzunehmen und Liveshows auf der ganzen Welt zu spielen.