Mann hat plötzlich 170.000 Euro auf dem Konto - mit bösem Ende

Wie gehe ich vor, wenn ich versehentlich Geld überwiesen bekomme?

Wenn Sie fälschlicherweise Geld überwiesen bekommen, sollten Sie es keinesfalls sofort ausgeben.
© dpa, Jens Büttner, jbu jat wsz rho

11. September 2020 - 15:53 Uhr

30-Jähriger gab einen Großteil des Geldes aus, statt es der Bank zu melden

Als ein 30-jähriger Mann an einem Tag im Juli 2019 auf seine Kontoauszüge schaute, staunte er nicht schlecht: Er hatte eine Überweisung von 170.000 Euro erhalten, die eigentlich nicht für ihn bestimmt war. Statt sich bei der Bank zu melden und diese über das Versehen zu informieren, gab er einen Großteil des Geldes aus. Mit bösem Ende: Aus einem am Montag bekanntgewordenen Urteil der 4. Zivilkammer des Landgerichts Hannover geht hervor, dass er das Geld an die Bank zurückzahlen muss. Wir erklären, wie Sie vorgehen sollten, wenn Sie versehentlich Geld überwiesen bekommen.

Die Überweisung sei eigentlich als Baufinanzierung für einen Bankkunden vorgesehen gewesen

Laut des Gerichts soll der 30-Jährige allein vom 24. bis 27. Juli 2019 etwa 92.000 Euro ausgegeben haben - 3.600 Euro fielen demnach für Hotel- und Mietwagenkosten an, 15.000 Euro verspielte er im Casino, 18.500 Euro gab er im Bordell aus und 50.000 Euro wurden ihm gestohlen. Das Gericht wies ihn darauf hin, dass der Mann von Anfang an mit einer Rückzahlung habe rechnen müssen. Er habe die Klageforderung anerkannt und sei zur Rückzahlung des vollständigen Betrages verurteilt worden.

Die Fehlüberweisung hatte der Mann Mitte Juli erhalten. Zu diesem Zeitpunkt sei seine Lebensgefährtin bei der Bank angestellt und in der Auszahlungsabteilung tätig gewesen. Nach Angaben der Bank ergaben interne Ermittlungen und eine Auswertung der elektronischen Überweisungsdaten, dass die Frau die Überweisung veranlasst hatte; das Geld sei eigentlich als Baufinanzierung für einen Bankkunden vorgesehen gewesen.

Der Absender des Geldes hat einen Herausgabeanspruch

Wenn Sie fälschlicherweise eine Summe Geld auf ihr Konto erhalten, dürfen Sie dies nicht einfach behalten und ausgeben. Allgemein gilt: Der Absender des Geldes hat einen Herausgabeanspruch (Paragraph 812 BGB), was bedeutet, dass sich der Empfänger des Geldes "ungerechtfertigt bereichert" hat und auf Kosten eines anderen etwas ohne rechtlichen Grund erhalten hat. Wenn das Geld schon ausgegeben ist, kann man sich auf die "Entreicherung" berufen. Die ist gegeben, wenn der Empfänger das Geld unmittelbar ausgibt. Die wird jedoch in der Regel vor Gericht nicht anerkannt. Fazit: Das Geld muss so oder so zurückgezahlt werden.

Wenn Sie die Überweisung nicht bemerken, beispielsweise weil es sich um einen nicht besonders hohen Betrag handelt, machen Sie sich nicht automatisch strafbar. Sie müssen das Geld jedoch zurückzahlen, wenn dies gefordert wird – außer niemand fragt danach. Die Verjährungsfrist beträgt drei Jahre.

Das fremde Geld sollte nicht bewusst ausgegeben werden

Wenn Sie also bemerken, dass Ihnen ungerechtfertigt Geld überwiesen wurde, können Sie den Betrag entweder zurück überweisen oder auf ihrem Konto lassen bis Sie um Ihr Einverständnis zur Rückbuchung gebeten werden. Das fremde Geld sollten Sie also nicht bewusst ausgeben, da vor allem bei höheren Beträgen vor Gericht eher nicht davon ausgegangen wird, dass Sie die versehentliche Überweisung nicht bemerkt haben.