"Klimaneutrale" Werbung vor Gericht

Wettbewerbszentrale verklagt Aldi Süd

Eine Filiale von Aldi Süd in Köln,
Eine Filiale von Aldi Süd in Köln,
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20. Mai 2021 - 12:07 Uhr

Irreführender Werbung mit Begriff „klimaneutral“

Die Wettbewerbszentrale hat beim Landgericht Düsseldorf eine Unterlassungsklage gegen Aldi Süd eingereicht. Der Discounter bezeichne sich als "erster klimaneutraler Lebensmitteleinzelhändler" – und das sei irreführend, kritisieren die Verbraucherschützer. Neben Aldi Süd wurden auch drei weitere Unternehmen wegen irreführender Werbung mit dem Begriff "klimaneutral" verklagt.

Täuscht der Handel mit CO2-Zertifikaten die Verbraucher?

Die Wettbewerbszentrale ist laut eigener Aussage tätig geworden, weil sie mehrere Beschwerden zur Werbung mit der Aussage "klimaneutral" erhalten habe. "Klimaneutralität ist zu einem zentralen Thema in der Werbung geworden. Viele Marktteilnehmer gehen bei solchen Angaben davon aus, dass es dem Unternehmen aufgrund maßgeblicher eigener Emissionsvermeidung und -reduzierung gelungen sei, negative Auswirkungen auf das Klima vollständig zu vermeiden, und dass das Produkt oder die Produktion selbst nicht klimaschädlich ist. Tatsächlich wurden in den beanstandeten Fällen die Treibhausgasemissionen durch den Kauf von CO2-Zertifikaten kompensiert", so Dr. Tudor Vlah, zuständiger Referent für umweltbezogene Werbung bei der Wettbewerbszentrale.

Derartige Werbemaßnahmen hält die Wettbewerbszentrale für irreführend, da die Maßnahmen mit dem werbenden Unternehmen und seinen Produkten gar nichts zu tun haben. Der Kauf von Zertifikaten werde in der Werbung verschwiegen, bemängelt die Wettbewerbszentrale.

Laut "Lebensmittel Zeitung" will sich Aldi Süd zum "aktuell laufenden Verfahren" nicht äußern. Der Händler weist aber darauf hin, dass sich der Begriff "klimaneutral" auf eine insgesamt ausgeglichene CO2-Bilanz beziehe und damit nicht gleichbeutend mit dem Begriff "emissionsfrei" sei. Eine ausgeglichene CO2-Bilanz werde dann erreicht, wenn nicht vermeidbare CO2-Emissionen im Rahmen von zertifizierten Klimaschutzprojekten ausgeglichen werden, so der Discounter. "Hierbei handelt es sich um ein Konzept, das vielen unserer Kundinnen und Kunden geläufig ist. Zudem informieren wir regelmäßig transparent über unsere Maßnahmen, die wir im Bereich Klimaschutz ergreifen, wie unter anderem auf unserem Nachhaltigkeitsportal."

Die Wettbewerbszentrale hat ähnliche Werbeaussagen in insgesamt 12 Fällen als irreführend abgemahnt und die Einhaltung gesetzlicher Transparenzvorschriften verlangt. Sechs Unternehmen haben sich verpflichtet, die beanstandeten Werbeaussagen nicht zu wiederholen. In vier Fällen hat die Wettbewerbszentrale Unterlassungsklage eingereicht. Jetzt entscheiden die Gerichte. (aze)