Erdogan Atalays Tochter Matilda hat einen Ventrikelseptumdefekt

Wenn das Herz ein Loch hat: Wie gefährlich ist die Herzerkrankung in Corona-Zeiten?

Erdogan Atalay sorgt sich um seine Familie, vor allem Tochter Matilda, die einen Herzfehler hat.
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23. März 2020 - 15:18 Uhr

Coronavirus: besonders gefährlich für Herzpatienten

Das Coronavirus breitet sich auch in Deutschland immer weiter aus, immer mehr Menschen infizieren sich mit dem neuen Virus Covid-19/SARS-CoV-2. Die Pandemie verunsichert besonders Jugendliche und Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern und auch Eltern von Kindern mit angeborenen Herzfehler. Denn sie gehören zur besonderen Risikogruppe: nach aktuellen Zahlen gibt es die höchste Sterblichkeitsrate bei Infizierten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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Auch "Alarm für Cobra 11"-Star Erdogan Atalay macht sich große Sorgen um seine kleine Tochter Matilda: "Unsere Tochter hat einen Herzfehler, das ist ein Loch drin. Da könnten sich Viren ansammeln und es könnte lebensbedrohlich werden", erklärt der besorgte Vater von drei Kindern.

Aber was heißt das eigentlich, ein "Loch im Herzen" zu haben, was sind die Symptome eines sogenannten Ventrikelseptumdefekts und was kann man dagegen tun?

Angeborene Herzfehler sind ein Schock für Eltern

Ein angeborener Herzfehler ist die häufigste, angeborene Erkrankung und trifft jedes 100. Baby. In Deutschland kommen mehr als 7000 Kinder pro Jahr damit zur Welt. Einer der häufigsten angeborenen Herzfehler ist der sogenannte Ventrikelseptumdefekt, ein kleines Loch in der Scheidewand zwischen der rechten und der linken Herzkammer. So beängstigend die Diagnose aber erst einmal klingt: es muss nicht immer operiert werden. Das Loch in der Scheidewand kann sich auch mit dem Wachstum des Kindes von allein wieder schließen.

Ein Loch im Herzen – was ist das?

Bei einem gesunden Herzen sind die linke und die rechte Herzkammer durch die Herzscheidewand getrennt. Diese Trennwände zwischen den beiden Herzhälften wachsen normalerweise beim Embryo im Mutterleib langsam aufeinander zu und sind bei der Geburt praktisch geschlossen. Bleibt dieser Verschluss unvollständig, besteht ein Loch zwischen den beiden Herzhälften. Befindet sich das Loch in der Scheidewand zwischen der rechten und linken Herzkammer, spricht man von einem Ventrikelseptumdefekt (VDS). Sitzt das Loch zwischen den beiden Vorhöfen, spricht man von einem Vorhofscheidewanddefekt

Das Problem: Durch diese Öffnung in der Herzscheidewand tritt sauerstoffreiches Blut aus der linken in die rechte Herzkammer und von dort in die Lunge. Die Folge: Das Herz muss stärker pumpen, der Druck auf die Lungen steigt. Weil die linke Herzkammer gegen den Blutverlust an die rechte ankämpfen muss, um den Körper weiter mit sauerstoffhaltigem Blut zu versorgen, erhöht sich auch ihre Aktivität. Herz und Lunge werden viel stärker beansprucht als bei gesunden Menschen. Je größer das Loch ist, desto stärker die Belastung für Herz und Lungenkreislauf.

Wie gefährlich ist ein Ventrikelseptumdefekt?

Wird bei einem Baby nach der Geburt ein Loch im Herz festgestellt, ist die Größe dieser Öffnung für die Gefährlichkeit entscheidend. Kleine Ventrikelseptumdefekte können häufig ohne oder mit ganz leichten Symptome verlaufen, meist fällt bei einer Vorsorgeuntersuchung oder einem Infekt zunächst ein eher harmlos erscheinendes Nebengeräusch auf. Anders ist es bei größeren Defekten. Betroffene Babys atmen häufig sehr schnell und schwitzen auffallend – zum Beispiel beim Stillen. Sie leiden unter Trinkschwäche und einer damit verbundenen Gedeihstörung und neigen zu häufigen Atemwegsinfektionen. Das augenfälligste Anzeichen besteht in der so genannten Blausucht. Dabei kommt es durch die Unterversorgung bestimmter Körperregionen mit Sauerstoff zu einer Blaufärbung der Haut. Häufig sind Lippen und Fingerkuppen betroffen.

Wie wird ein Loch im Herz behandelt?

Besteht nur ein kleiner Defekt zwischen den Herzkammern, stellt dieser für das Herz keine nennenswerte Mehrbelastung dar. Kinder mit einem kleinen VSD brauchen in der Regel keine speziellen Medikamente. Viele dieser kleinen Löcher werden im Laufe der Zeit noch kleiner oder verschließen sich komplett. Wichtig sind Ultraschalluntersuchungen zur Verlaufsbeobachtung.

Anders ist es bei größeren Defekten. Dabei entwickelt das Kind schon im Säuglingsalter Zeichen einer Herzschwäche. Wenn die Herzinsuffizienz lange unerkannt bleibt, können die Kinder größere Probleme bekommen. So können größere Defekte zu einer Schädigung der Lunge, Wasseransammlungen in der Lunge und zu Herzversagen führen. Zeigt sich eine Herzinsuffizienz schon im Säuglingsalter, sollte das unbedingt behandelt werden. Reicht die medikamentöse Behandlung nicht aus, muss das herzkranke Kind operiert werden.

Wie gefährlich ist eine Herzerkrankung im Zusammenhang mit dem Coronavirus?

Laut einer aktuellen Mitteilung des KompetenznetzesAngeborene Herzfehler sollten Herzpatienten besonders vorsichtig sein, ein Grund zur Panik bestünde jedoch nach derzeitigen Studienergebnissen nicht. Das Problem: Die Infektion mit dem neuartigen Coronavirus (COVID-19) verläuft bei vorerkrankten Patienten häufig schwerer als bei zuvor Gesunden. Das Coronavirus ruft bei Menschen mit Herzvorerkrankungen offbenbar häufig eine schwere Infektionen der Atemwege wie eine Lungenentzündung hervorrufen. Liegt bereits eine Herzerkrankung mit  Lungenbeteiligung vor, besteht ein größeres Risiko für einen schweren Verlauf.

Außerdem sollten Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen besonders darauf achten, dass sie gegen Grippe- und Pneumokokken geimpft sind, um eine Doppelinfektion zu vermeiden. Darüber hinaus gelten die üblichen Empfehlungen zum Schutz vor Ansteckung. Das heißt vor allem eine strikte Einhaltung der Hygieneregeln, um eine Infektion zu vermeiden. 

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