2019 M01 7 - 13:14 Uhr

Wegen Schneechaos zu spät zur Arbeit - und jetzt?

Wenn im Winter ordentlich Schnee fällt, ist das Chaos auf Straßen und Schienen meist vorprogrammiert: Die Bahnen verspäten sich oder fallen ganz aus, auf den Straßen geht es nur schleppend voran. Vor allem für Arbeitnehmer stellt sich dann die Frage: Was sind die Folgen, wenn ich wegen Schneechaos verspätet oder gar nicht zur Arbeit komme?

Arbeitnehmer trägt das Wegerisiko

Der Grundsatz ist einfach: Jeder Arbeitnehmer trägt das so genannte Wegerisiko. Er ist verantwortlich dafür, dass er von seinem Wohnort rechtzeitig zur seiner Arbeitsstätte kommt. Kommt der Arbeitnehmer zu spät, kann der Arbeitgeber den Lohn für die nicht gearbeitete Zeit einbehalten.

Von diesem Wegerisiko gibt es eine gesetzliche Ausnahme: § 616 Absatz 1 BGB verpflichtet den Arbeitgeber zur Fortzahlung des Arbeitsentgelts, wenn der Arbeitnehmer "durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden" nicht arbeiten kann. Darunter fallen Krankheiten oder persönliche Unglücksfälle wie ein Wohnungseinbruch oder -brand. Ein Verkehrsunfall mit Beteiligung des Arbeitnehmers fällt ebenfalls darunter.

Höhere Gewalt ist kein persönlicher Grund

Aber was ist bei Schnee und Eis? Treffen Fälle von höherer Gewalt einen nicht immer auch persönlich? Nein, hat das Bundesarbeitsgericht bereits im Jahr 1980 entschieden (Az. 5 AZR 283/80) und diese Rechtsprechung bis heute beibehalten.

Für den Arbeitnehmer bedeutet das: Er muss sich rechtzeitig auf den Weg machen, damit er zur vorgesehen Zeit mit der Arbeit beginnen kann.

Muss ich alles tun, um eine Verspätung zu vermeiden?

Beim Wegerisiko muss die Verzögerung auf dem Arbeitsweg vorhersehbar sein. Vorhersehbar ist sie, wenn sie 24 Stunden vorher bekannt ist. Bei einem Streik ist das meist der Fall, beim Wetter ebenfalls. Der Arbeitnehmer muss dann zusehen, dass er rechtzeitig losfährt, um pünktlich anzukommen.

Hat er kein Auto und die Bahn fällt aus, müsste er sich sogar ein Taxi nehmen. Hier gibt es allerdings Zumutbarkeitsgrenzen: Die Fahrtkosten dürfen den Arbeitslohn für einen Tag nicht überschreiten.

Muss ich die versäumte Zeit am selben Tag nacharbeiten?

Wer zu spät kommt, den bestraft...niemand. Auch der Chef kann nicht verlangen, dass die Zeit am selben Tag nachgearbeitet wird. Nicht jeder ist so spontan, länger im Büro bleiben zu können.

Allerdings muss die Zeit an einem anderen Tag nachgearbeitet werden - oder der Arbeitgeber kann den Lohn kürzen.

Muss ich mir Sorgen um meinen Arbeitsplatz machen?

Nein, das muss man nicht. So ist ein plötzlich einsetzender starker Schneefall ein nicht planbares Ereignis, das eine Abmahnung oder gar Kündigung nicht rechtfertigt.

Welche Alternativen habe ich?

Auch hier gilt wie im Leben: Reden hilft! Bei Schneechaos am besten in der Firma anrufen und besprechen: Kann die Arbeit von zu Hause erledigt werden? Stehen Überstunden auf dem Zeitkonto ist das eine gute Gelegenheit, diese kurzfristig abzubauen. Auch bei den Fahrtkosten gibt es viele Chefs, die sich in solchen Situationen daran beteiligen.