Wegen Kritik an Latex-Kleid: Chrissy Metz ist beleidigt

2017 MTV Movie and TV Awards - Show – Los Angeles, U.S., 07/05/2017 – Actors Chrissy Metz and Milo Ventimiglia present an award. REUTERS/Mario Anzuoni
Chrissy Metz und Co-Star Milo Ventimiglia bei den 'MTV Movie & TV Awards 2017'
HB, REUTERS, MARIO ANZUONI

Ist es 'Body Shaming', wenn man den Look der übergewichtigen Schauspielerin Chrissy Metz ('This Is Us') kritisiert? Die Schauspielerin sagt "Ja", doch ihre Fans sehen das anders.

"Ich trage, was ich will"

Es gibt wohl kaum ein Thema, das durch die Social-Media-Plattformen so in den Mittelpunkt gerückt ist wie 'Body Shaming'. Nicht, weil früher weniger gelästert wurde, sondern weil es früher einfach weniger Leute mitbekommen haben. Denn anstatt im stillen Kämmerlein oder mit den engsten Freunden über andere herzuziehen, geschieht das Ganze heute für alle sichtbar im World Wide Web. Gerne anonym natürlich. Und zu Recht gehen so viele Prominente öffentlich dagegen an.

Doch in Hollywood ist jetzt eine hitzige Diskussion zu dem Thema entbrannt. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wo fängt Body Shaming eigentlich an und wo hört es auf? Oder: Ist es wirklich immer gleich 'Body Shaming', wenn man die Optik einer sogenannten 'Person des öffentlichen Lebens' kritisiert?

Auslöser für diese Diskussion ist die Schauspielerin Chrissy Metz, bekannt aus der erfolgreichen US-Serie 'This Is Us'. Chrissy, die bei einer Größe von 1,65 Meter circa 180 Kilo auf die Waage bringt, war Gast bei den 'MTV Movie & TV Awards'. Die Schauspielerin, die kein Geheimnis daraus macht, dass sie ein Leben lang mit Gewichtsproblemen zu kämpfen hat, trug an diesem Abend ein kurzes, rotes Latex-Kleid, gepaart mit flachen Ballerinas. Ein sehr auffälliges Outfit also, das schnell zum Gesprächsthema im Netz wurde.

Der Wirbel um ihren Look war so groß, dass Chrissy sich am Tag nach der Verleihung mit einem Tweet zur Wehr setzte. So ließ sie ihre Follower wissen: "Um eines klarzustellen: Ich trage, was ich will, wenn ich will. Newsflash es ist MEIN Körper. Danke." Da dauerte es natürlich nicht lange, bis 'People', 'Us Weekly' und Co. ihren Lesern die typischen 'Chrissy Metz wehrt sich gegen Body Shamer'-Schlagzeilen lieferten. Wird ja immer gerne angeklickt...

Sind Promis mit Übergewicht automatisch "kritikfreie Zone"?

Einziges Problem: Viele User wehren sich gegen die 'Body Shaming'-Vorwürfe. Denn sie finden die Kritik an Chrissys Outfit völlig angemessen. Schließlich geht es hier um das Kleid und nicht um ihren Body. Und so kam im Netz an vielen Stellen die Frage auf: Sind Promis mit Übergewicht automatisch "kritikfreie Zone"?

Schließlich ist es gang und gäbe, dass sich gerade weibliche Stars nach einer Award-Show nicht immer freundliche Meinungen zu ihren Outfits anhören müssen. So fand man auch heute auf Seiten wie 'E! Online' oder 'AOL' wieder die typischen 'Worst Dressed'-Listen. Dort wurde der Look von 'Teen Wolf'-Star Holland Roden zum Beispiel als 'Hot Mess' abgestempelt. Das Outfit von Model Jasmine Sanders bekam das Urteil 'totally weird' verpasst, und bei Amber Rose hieß es, sie trage ein zu kleines Bikini-Oberteil mit Rock. Nicht gerade nette Worte also. Doch trotzdem spricht hier niemand von 'Shaming', sondern von scheinbar völlig akzeptabler "Fashion-Kritik". Und der sollte sich – laut den Kommentaren auf Facebook und Co. – auch Chrissy Metz aussetzen müssen.

"Das Latexkleid würde an jedem unvorteilhaft aussehen. Das hat mit Body Shaming nichts zu tun", heißt es da zum Beispiel auf der Facebook-Seite von 'People'. Eine andere Userin schreibt: "Body Shaming? Wohl eher Dress Shaming. Das Kleid geht gar nicht." Oder: "Ein hässliches Kleid ist ein hässliches Kleid, egal wer es anhat." Und: "Wer auf dem roten Teppich posiert, muss sich auch Kritik gefallen lassen. Egal, ob dick oder dünn. Das gehört nun mal dazu."

Was sagt ihr dazu? Hat Chrissy Metz das Recht dazu, sich zu wehren, wenn es um ihre Kleiderwahl geht? Oder muss sie lernen als Promi die gleichen kritischen Stimmen über sich ergehen zu lassen, wie jeder andere auf dem Red Carpet auch? Gleiches Recht für alle, oder?

Jessica Mazur