Horror-Vorwürfe von Wassersprung-Star: "Alle haben geschwiegen"

Jan Hempel: Mein Trainer missbrauchte mich 14 Jahre lang

Jan Hempel
Jan Hempel 1996 in Atlanta mit der olympischen Silbermedaille.
dpa

Skandal-Vorwürfe erschüttern den deutschen Schwimm-Verband. Wasserspringer Jan Hempel packt über jahrelange schwerste sexuelle Übergriffe durch seinen Trainer aus. Der heute 50-Jährige über die Ekel-Taten: „Er hat eigentlich keinen Zeitpunkt ausgelassen, um seinen Wünschen freien Lauf zu lassen."

Jan Hempel: Trainer hat mich sogar kurz vor Olympia-Wettkampf vergewaltigt

Das sagt Hempel in einer neuen ARD-Dokumentation „Missbraucht –Sexualisierte Gewalt im deutschen Schwimmsport“. Hempel ist einer der besten deutschen Wasserspringer der vergangenen Jahrzehnte. Nun spricht er erstmals über den sexuellen Missbrauch.

"Ich bin von meinem Trainer missbraucht worden.“ Es habe mit Anfassen begonnen, "bis er mich dann später täglich zu sexuellen Handlungen genötigt hat. Ich weiß bloß, dass man das dann am Ende über sich ergehen ließ, weil er eben solche Dinge sagte wie: 'Wenn du das machst, dann hast du heute Nachmittag frei.'" Nun will Hempel nicht mehr schweigen: "Ich glaube, man ist es anderen auch für die Zukunft schuldig, dass man darüber spricht."

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Hempel sagt, er sei elf Jahre alt gewesen, als sein damaliger Trainer Werner Langer ihn zum ersten Mal missbrauchte. 14 Jahre lang, bis 1996, soll der Missbrauch angedauert haben. Hempel sagt, es sei zu regelmäßigen Vergewaltigungen gekommen, unter anderem während der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona, unmittelbar vor dem Wettkampf. Zu den Vorwürfen kann sich Langer nicht mehr äußern, er nahm sich 2001 das Leben. Die Missbrauchsvorwürfe gehören zu den massivsten, die je von deutschen Weltklasse-Sportlern öffentlich gemacht wurden.

Schwere Vorwürfe gegen den DSV: "Alle haben geschwiegen"

Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) muss sich damit erneut mit schweren Vorwürfen zum Umgang mit sexuellem Missbrauch auseinandersetzen. Laut Hempel, der nach eigener Darstellung die Verbandsspitze 1997 von den Vorgängen unterrichtet hatte, hat sich der DSV nie substanziell mit den Vorwürfen auseinandergesetzt. Der DSV habe sich damals unter dem Vorwand 'Stasi-Vergangenheit' von Langer getrennt.

"Alle haben geschwiegen, bis heute", sagt Hempel. Konkret wirft er dem langjährigen DSV-Top-Funktionär Lutz Buschkow vor, dazu beigetragen zu haben, dass sein Missbrauchsfall nie aufgearbeitet wurde und Lehren für die Zukunft gezogen wurden. Ein weiterer Zeitzeuge bestätigt dies. Buschkow hat den DSV lange als Leistungssportdirektor angeführt und ist heute als Bundestrainer Wasserspringen angestellt.

Auf eine ARD-Anfrage nach einer Stellungnahme antwortete Buschkow nicht. Die aktuelle DSV-Führung gab an, von den Vorwürfen Hempels erst durch die ARD erfahren zu haben. (sfu)

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