Ursula von der Leyen klagt nach Sofagate

" Verletzt und allein gelassen, als Frau und als Europäerin"

EU-Spitzen treffen Erdogan in Ankara. Von der Leyen muss auf der Couch Platz nehmen.
EU-Spitzen treffen Erdogan in Ankara. Von der Leyen muss auf der Couch Platz nehmen.
© dpa, Dario Pignatelli, KQ nic

27. April 2021 - 13:01 Uhr

Kommissionspräsidentin auf Sofa geschickt

Ursula von der Leyen gehört zu den mächtigsten Politikern der Welt. In der Welt des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan reicht das aber nicht aus, um sie mit dem gleichen Respekt wie ihre männlichen Kollegen zu behandeln. Bei ihrem letzten Türkeibesuch schickte Erdogan von der Leyen aufs Sofa, während ihr Kollege Charles Michel, Präsident des Europäischen Rates, direkt neben dem türkischen Präsidenten auf einem Stuhl Platz nahm. Jetzt stellt von der Leyen klar, was sie von der Aktion hält.

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"Ich fühlte mich verletzt und alleine gelassen"

Ursula von der Leyens Sitz im Abseits hat die EU-Kommissionspräsidentin hart getroffen. Nur weil sie eine Frau sei, sei sie nicht ihrem Amt gemäß behandelt worden, sagte von der Leyen am Montag im Europaparlament. "Ich fühlte mich verletzt und allein gelassen, als Frau und als Europäerin." Die türkische Administration hatte sich zuvor noch gegen die Kritik der EU verteidigt.

Weiter Weg zur Gleichberechtigung

Von der Leyen stellte im EU-Parlament aber weiter klar: "Dies zeigt, wie weit der Weg noch ist, bis Frauen als Gleiche behandelt werden." Sie selbst sei privilegiert, weil sie sich wehren könne. Millionen Frauen, die täglich verletzt würden, könnten dies jedoch nicht. Tausende viel schlimmere Zwischenfälle würden nie bekannt.

Rückzug der Türkei aus Istanbul-Konvention sei furchtbar

Die Istanbul-Konvention zum Schutz von Frauen sei deshalb sehr wichtig. Der Rückzug der Türkei aus dem Vertrag sei ein furchtbares Signal. Doch sei es auch nicht akzeptabel, das einige EU-Staaten das Abkommen noch nicht unterschrieben hätten und andere über eine Abkehr nachdächten. "Gewalt gegen Frauen und Kinder ist ein Verbrechen, wir müssen es als Verbrechen benennen und ahnden", stellte von der Leyen klar.

In Richtung Türkei sagte sie, der Respekt für Frauenrechte sei wichtige Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Dialogs und die Ausweitung gemeinsamer Programme.

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