Elektroschocks an der Uni Tübingen statt Freiheit?

Tier-Skandal? Bericht: Naturschutzbund liefert Krähen an Tierversuchslabore

Jahrelang soll ausgerechnet der Naturschutzbund (NABU) Krähen aus dem eigenen Vogelschutzzentrum an ein Tierversuchslabor der Uni Tübingen geliefert haben.
Jahrelang soll ausgerechnet der Naturschutzbund (NABU) Krähen aus dem eigenen Vogelschutzzentrum an ein Tierversuchslabor der Uni Tübingen geliefert haben.
© TVNOW

29. April 2021 - 7:15 Uhr

Tierschützer sind entsetzt!

Und das soll Tierschutz sein? Jahrelang soll ausgerechnet der Naturschutzbund (NABU) Krähen aus dem eigenen Vogelschutzzentrum an ein Tierversuchslabor der Uni Tübingen geliefert haben. Angehende Wissenschaftler sollen dort für den Menschen völlig irrelevante Hirnforschung betrieben haben – ein Skandal! Die NABU soll von den Experimenten nichts gewusst haben.

NABU soll Tiere für Experimente vermittelt haben

Recherchen von "SOKO Tierschutz" und dem Magazin "Spiegel" deckten die jahrelange Praxis der NABU auf, zahme und geschädigte Fundkrähen an das Tierversuchslabor des Instituts für Neurobiologie der Uni Tübingen abzugeben. Es klingt schier unfassbar, dass gerade die Organisation, die sich für Artenschutz einsetzt, Tiere für Experimente vermittelt haben soll.

Die Forscher sollen mit den Tieren "invasive" Tierversuchsstudien durchgeführt haben. Dabei seinen die Schädel der Krähen aufgebohrt und mit Elektrokabeln verbunden worden. Den Vögeln wurden so bis zu 16 Elektroden ins Gehirn implantiert, um darüber ihre Reaktion auf optische Reize zu messen. Für den Menschen seien solche Versuche irrelevant.

Manche der Tiere wurden in sogenannten Finalversuchen getötet, heißt es in einer Pressemitteilung der "SOKO Tierschutz". Demnach soll der zuständige Tierversuchsleiter, Prof. Nieder, bereits 2015 gegenüber einer Behörde angegeben haben, jährlich bis zu zehn Krähen zu erhalten. 2020 soll er mitgeteilt haben, er setze die Krähen auch für "Finalversuche" ein.

Noch immer könnten NABU-Krähen im Tierversuchslabor sein

Aus der Sicht von "SOKO Tierschutz" waren die Versuche mit den Krähen des NABUs illegal, da Versuche mit Tieren, die nicht speziell für den Tierversuch gezüchtet wurden, strengen Sondergenehmigungen unterliegen. Das gleiche gilt auch für Versuche mit Wildtieren, oder Versuche mit zahmen, herrenlosen oder verwilderten Haustieren.

Die Organisation hat Zweifel, dass dem Naturschutzbund entsprechende Genehmigungen erteilt worden sind. Deshalb hat Friedrich Mülln, Sprecher der "SOKO Tierschutz", Strafanzeige erstattet. "Eine rückwirkende Legalisierung der Tierversuche mit den NABU-Tieren wäre ein Skandal und würde die gesamte Kontrolle solcher Versuche ad absurdum führen", erklärte Mülln.

Besonders verstörend ist der akute Verdacht, dass selbst nach Jahren der grausamen Tierversuche immer noch Tiere aus dem Vogelschutzzentrum im Tierlabor der Uni Tübingen leben könnten, ihnen neue Eingriffe drohen und sie keine Aussicht auf Freiheit haben, heißt es.

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NABU soll "Problemvögel" an das Versuchslabor geliefert haben

Der Naturschutzbund Baden Württemberg teilt auf seiner Website mit, man sei "entsetzt" über die Tierversuche an der Universität Tübingen. Die Abgabe von lediglich sechs lebendigen und neun toten Krähen zwischen 2011 und 2014 sei in der Annahme erfolgt, dass die Vögel nur für Zuchtzwecke und non-invasive Verhaltensbeobachtungen verwendet würden. Man habe "versäumt", den Zweck klar festzuschreiben und invasive Tierversuche auszuschließen, heißt es. Zudem habe es sich um sogenannte Problemvögel gehandelt, die "auf Menschen fehlgeprägt" waren und deswegen nicht wieder ausgewildert werden konnten.

"Die Aussagen des NABUs, wonach man nicht gewusst hätte, dass die Tiere in einem Tierversuchslabor auch invasiven Tierversuchen ausgesetzt sind, passt zu dem Schweigen über den Umgang mit den offenbar lästigen Fundtieren in den letzten Jahren", teilte Mölln mit. "Der NABU versteckt sich hinter vorgegebener Naivität und verweigert Transparenz."