Auf welche Konzepte sollen wir setzen?

Virologe Dr. Martin Stürmer: 2G ist kein Heilsbringer

Virologe Dr. Martin Stürmer will, dass der Bogen mit  2G-Konzepten nicht überspannt wird.
Virologe Dr. Martin Stürmer will, dass der Bogen mit 2G-Konzepten nicht überspannt wird.
© dpa, privat, rho

24. September 2021 - 0:13 Uhr

Auch 2G-Konzepte können Superspreader-Events werden

Auf dem Weg zurück zur "neuen Normalität" ist ein Konzept gerade ganz offensichtlich auf dem Vormarsch: 2G - Zutritt bei Veranstaltungen nur für Geimpfte und Genesene. Der Vorteil für viele Gastronomen und Veranstalter: In Innenräumen entfallen dadurch strenge Kontaktbeschränkungen und Events können wieder mit viel mehr Menschen stattfinden.

In Hamburg dürfen Fußballstadien ab jetzt sogar wieder bis auf den letzten Platz besetzt werden und in Clubs darf mit dem 2G-Modell ohne Maske und Abstandsregeln getanzt werden. Der Frankfurter Virologe Dr. Martin Stürmer betrachtet diese Entwicklung mit großer Skepsis. "Auch ein 2G-Konzept kann jetzt, zum jetzigen Zeitpunkt, noch zum Superspreader-Event werden", sagt Stürmer.

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Stürmer: Infektionszahlen noch zu hoch

Er rät, den Bogen nicht zu überspannen und auch bei 2G-Events die Auslastungskapazität nicht auf das Maximum auszureizen. Das könnte in Zukunft zwar anders werden, aber aktuell seien die Infektionszahlen in Deutschland noch viel zu hoch. "Dementsprechend ist es auch für die Geimpften deutlich leichter mit dem Virus in Kontakt zu kommen", betont Dr. Martin Stürmer. Er bemängelt, dass im Moment zu wenig dafür getan werde, um die Zahlen langfristig zu senken.

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Impfquote zu niedrig

Während in Nachbarländern wie Dänemark gerade fleißig gelockert wird, fordert der Frankfurter Virologe Geduld. "Ich glaube der entscheidende Punkt ist, dass Dänemark eine ganz andere Impfquote hat und sich deswegen auch den Luxus erlauben kann, dort auf die Maßnahmen zu verzichten. Da sind wir weit von entfernt", betont Dr. Martin Stürmer. Vor allem sorgt er sich um Kinder, die jünger sind als zwölf Jahre. Für sie gibt es aktuell noch keine Impffreigabe. Dadurch sei diese Gruppe besonders gefährdet, sich mit Corona zu infizieren. "Und da wir nicht wissen, was Long-Covid mit den Kindern anrichtet, wäre ich da noch zurückhaltender", mahnt er.

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Auf welche Strategien sollten wir setzen?

Für den Virologen ist die Rückkehr zur Normalität nur dann berechtigt, wenn wir wirklich allen Menschen in Deutschland einen Impfstoff anbieten können – auch Kindern. "Zum anderen wünsche ich mir viel mehr zielgerichtete Projekte, um zu erkennen und zu ergründen, warum sich Menschen nicht impfen lassen", sagt Stürmer. Insgesamt geht es für ihn also darum die Impfquote deutschlandweit nach vorne zu bringen.

Darüber hinaus ist das "Verharren auf der Hospitalisierungsrate" für ihn nicht der zielführende Weg. Dr. Martin Stürmer wünscht sich, dass die Inzidenz wieder mehr berücksichtigt wird, um das aktuelle Infektionsgeschehen zu bewerten. So würden wir besser über den Herbst und Winter kommen, als wir es gerade tun. (bch)

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